Einführung in das Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen
 

   

Grundsätze

Geschichte

Muslime im Westen

 

 

 

Eine Zusammenstellung von Ausschnitten (bzw. von deren Zusammenfassungen) aus Werken von Yusuf al-Qaradawi, Feisal Maulawi, Mahmud Schakir u.a.

 

 

zusammengestellt von

Samir Mourad

  

Muslimischer Studentenverein Karlsruhe e.V.

 

 

Reproduktion:

Alle Teile dieses Buches dürfen vervielfältigt, nachgedruckt und übersetzt werden, wenn dabei auf diese Quelle hingewiesen wird, und wenn vorher die Erlaubnis des Autors eingeholt worden ist, falls dieser noch leben sollte. Ansonsten muß ein Teil des Erlöses an eine wohltätige Organisation im Sinne des Autors abgeführt werden.

1.Auflage 1420/1999

 

Muslimischer Studentenverein Karlsruhe e.V.

c/o Deutsprachiger Muslimkreis Karlsruhe e.V.

Stefanienstr.21

76133 Karlsruhe

Tel. 0721/22307 Fax. 0721/22304

 

ISBN 3-00-00-004867-7

 

Bismillahi-r-Rahmani-r-Rahim

 

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

 

Für meine lieben muslimischen Geschwister

 

Für Onkel Peter, Tante Eva,

meinen lieben Nachbarn Herrn Kadelke

und meine übrigen Verwandten und Freunde, mit denen ich mir wünsche, im Paradies vereinigt zu sein


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Erläuterung einiger islamischer Fachbegriffe

Definition von „Din

Definition von „Iman“ / „Mu’min

Definition von „Kufr“ / „Kafir

Definition von „Schirk“ / „Muschrik

Definition von „Hadith

Definition von „Sahih-Hadith

Definition von „Sunna

Definition von „Tauhid

 

TEIL I: Grundsätze

1 Grundsätze in den Beziehungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen  

1.1 Friedliches Miteinanderleben, gegenseitiges Kennenlernen und rechtschaffenes Verhalten der Muslime gegenüber den Nichtmuslimen

Die Ahlul-kitab

Verhalten gegenüber nichtmuslimischen Eltern

1.2 Die Nichtmuslime zum Islam einladen (Dawa)

Für einen Muslim, der zum Islam einlädt, ist diese Handlung ein Mittel seiner eigenen Annäherung an Gott und ein Mittel, Sein Wohlgefallen zu erlangen

Über den Islam informieren

Liebevoller, barmherziger, geduldiger und respektvoller Umgang mit den neuen Muslimen

 

TEIL II:Muslime als Mehrheit

2 Verteidigung im Islam

2.1 Wann gehen Muslime mit militärischen Mitteln vor?

2.2 Die militärische Auseinandersetzung der Gefährten des Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) mit den Byzantinern und den Persern

3 Nichtmuslime im islamischen Staat

3.1 Die Ahlu-Dhimma (Dhimmis)

3.2 Die Rechte der Ahlu-Dhimma

1- Recht auf Schutz

2- Leiblicher Schutz

3- Unantastbarkeit des Besitzes

4- Schutz der Ehre

5- Alters-, Sozial- und Pflegeversicherung

6- Bekenntnisfreiheit und Recht auf freie Religionsausübung

7- Recht auf freie Berufswahl und -ausübung

8- Recht auf Ausübung staatlicher Ämter

9- Sicherheitsgarantien bzw. Bürgschaften für die obengenannten Rechte 

3.3 Die Pflichten der Ahlu-Dhimma

Die Dschizya

Die Verpflichtung, sich an die Gesetzgebung des islamischen Staates zu halten

Die Pflicht, die Gefühle der Muslime zu respektieren

4 Toleranz im Islam

4.1 Stufen der Toleranz.

4.2 Auf welcher Toleranzstufe steht die islamische Gesellschaft bzw. der islamische Staat? 

4.3 Der Geist der Toleranz bei den Muslimen

4.4 Die religiöse Grundlage für die Toleranz im Islam

 

TEIL III: Muslime als Minderheit – gestern und heute

5 Muslime als Minderheit

5.1 Einige wichtige Tatsachen über muslimische Minderheiten

5.2 Die Geschichte von muslimischen Minderheiten in einigen Ländern

5.2.1 Die Muslime auf den Philippinen

5.2.2 Die Muslime in China

Die Ausbreitung der Einladung zum Islam im Westen Chinas unter dem Schutz des islamischen Heeres 

Die Ausbreitung des Islam durch Da'is und Händler bzw. handeltreibende Seefahrer  

Die Muslime in der Republik China (1911-1949 n.Chr.)   

Die kommunistische Herrschaft seit 1369 n.H. (1949 n.Chr.)  

5.2.3 Die Muslime in Gabun

Die Einwohner

Wie der Islam nach Gabun gekommen ist

Die Kolonialisierung der Region

6 Muslime im Westen

Die Heirat zwischen einem Muslim und einer nichtmuslimischen Frau unter heutigen Umständen  

Die Pflichtbereiche eines im Westen lebenden Muslims

 

Literaturverzeichnis


 

 

Vorwort

 

Dank sei Allah, dem Herrn aller Welten, und Sein Segen und Heil seien auf dem Gesandten Allahs, dessen Familie und Gefährten.

  Die vorliegende Zusammenstellung behandelt verschiedene Aspekte des Verhältnisses zwischen Muslimen und Nichtmuslimen.

Die Benutzung und Gegenüberstellung der Worte „Muslime“ und „Nichtmuslime“ mag vielleicht etwas wie „schwarz und weiß“ oder wie „die Guten und die Schlechten“ klingen. Dies ist jedoch nicht beabsichtigt. Es mußte jedoch ein Wort zur Bezeichnung all derjenigen Menschen, die eine andere Überzeugung bzw. Religion als den Islam haben, gewählt werden. So möge der christliche, jüdische, buddhistische, hinduistische oder atheistische Leser also bitte Verständnis haben und dies nicht als Arroganz oder Diskriminierung verstehen.

 

 Viele Teile sind im wesentlichen Zusammenfassungen von entsprechenden Teilen der Fachliteratur bekannter muslimischer Gelehrter und Autoren wie Yusuf al-Qaradawi, Feisal Maulawi und Mahmud Schakir. Es ist also eher eine Zusammestellung von Übersetzungen von Teilen einiger Bücher, als eine eigenständige Forschungsarbeit.

 

Das erste Kapitel umreißt kurz die Grundprinzipien des Verhältnissses zwischen Muslimen und Nichtmuslimen aus islamischer Sicht.

 Kapitel 2 und 3 behandeln Situationen, die für Muslime als Minderheit, die sie u.a. hier im Westen darstellen, keine praktische Relevanz haben: Kapitel 2 zeigt auf, in welchen Situationen ein militärischer Eingriff von Seiten der Muslime stattfindet. Kapitel 3 zeigt die Situation von nichtmuslimischen Minderheiten in einem Staat auf, der nach islamischem Recht geführt wird. Daß diese beiden Themenkomplexe dennoch in diesem Buch behandelt werden, liegt u.a. an folgendem: Zwischen den von der Kirche beherrschten bzw. dominierten europäischen Ländern des Mittelalters – und später den europäischen Kolonialmächten - und der muslimischen Welt herrschte im Laufe der Geschichte oft Krieg, was dazu führte, daß auf europäischer Seite und in jüngster Zeit auch in den muslimischen Ländern ein realitätsverzerrendes Feindbild gegenüber der jeweils anderen Seite entstand, was bisher ein Hindernis für eine sachliche Auseinandersetzung mit den Anschauungen der jeweils anderen Seite darstellte. Zumindest auf europäischer Seite gründet das heutige realitätsverzerrende Feindbild zum großen Teil auf einem falschen Geschichtsbild, wo der Islam als agressive feindliche Religion dargestellt wird, die sich „mit Feuer und Schwert“ ausgebreitet hat. Um dieses Feindbild abzubauen, ist es wohl nötig, die Geschichte, die bisher leider oft falsch dargestellt wurde, richtig zu verarbeiten.

 Von dieser Basis ausgehend ist dann zu hoffen, daß wenigstens ein Hindernis auf dem Weg der Verständigung und des friedlichen und freundschaftlichen Zusammenlebens zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften hier in Deutschland aus dem Weg geräumt ist. Dies könnte dann eine Grundlage für eine richtige und auch die Muslime selbst zufriedenstellende Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft darstellen.

 Denn wie soll sich ein muslimischer Mitbürger als vollwertiger deutscher Mitbürger fühlen, wenn er das Gefühl hat, daß viele Menschen in Deutschland ihn als Angehörigen einer fremden und mehr oder weniger feindlichen Religion betrachten?

 

 Kapitel 4 untersucht, wie tolerant eine muslimische Gesellschaft gegenüber nichtmuslimischen Minderheiten im eigenen Land ist.

 Kapitel 5 behandelt die Geschichte muslimischer Minderheiten in einigen Ländern.

 Kapitel 6 ist eine kurze und allgemeingehaltene Darstellung der Situation und der Aufgaben der Muslime hier im Westen.

 

  Nun etwas zu übersetzungsspezifischen Fragestellungen: Da Quranverse, Aussprüche des Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) und der überwiegende Teil der benutzten Fachliteratur in arabischer Sprache vorhanden ist, mußte eine Lösung gefunden werden, wie einige islamische Fachbegriffe ins Deutsche übertragen werden sollten. Es wurde der Ansatz gewählt, wie er u.a. in [Zaidan] und [Mourad, As-Sabuni] gemacht wird. Er besteht darin, daß diese Fachbegriffe zunächst ausführlich erläutert werden und im weiteren Verlauf des Buches in lateinischer Umschrift als arabische Fremdwörter benutzt werden.[1] Da es sich in der vorliegenden Abhandlung nur um einige wenige Begriffe handelt, ist dies dem Leser wohl zumutbar, zumal die Bedeutung einiger oder aller dieser Begriffe einem Großteil der Muslime ohnehin bekannt ist. Im Verlaufe der Abhandlung kommen noch weitere arabische Fremdwörter vor, die jedoch an der jeweiligen Stelle selbst kurz erläutert werden.

  Es ist bekannt, daß der Quran nur auf Arabisch existiert, er ist das Wort Allahs, so wie Er es Seinem Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) geoffenbart hat. Jegliche Übersetzung in eine andere Sprache kann man nicht Quran nennen, sondern allenfalls eine „ungefähre Bedeutung“. In der folgenden Abhandlung wird beim Zitieren von Quranversen der Einfachheit halber so etwas wie „Allah hat gesagt:“ vorangestellt, obwohl dies nicht korrekt ist. Der Leser soll sich immer bewußt sein, daß dies nur eine ungefähre Bedeutung dessen ist, was Allah gesagt hat.

 

  Die Übersetzung der Quranverse stammt teilweise von den Quranübersetzungen von Ahmad v. Denffer und Muhammad Rassoul und teilweise vom Autor selbst. Daß teilweise die Quranverse vom Autor selbst übersetzt wurden und nicht eine bereits existierende Quranübersetzung allein herangezogen wurde, liegt vor allem an zwei Gründen: Zunächst einmal existiert bisher keine vollständige deutsche Quranübersetzung mit dem oben angeschnittenen Konzept, welches zunächst die arabischen Fachausdrücke erläutert, und sie dann als arabische Fremdwörter im übersetzten Text stehen läßt. Zum anderen lassen die Quranverse mehrere Bedeutungen zu. Je nach Zusammenhang muß also die entsprechende Bedeutung herangezogen werden, welche dann übersetzt wird. Die verschiedenen Bedeutungen der Quranverse kann man aus den zahlreichen klassischen und modernen Qurankommentaren entnehmen.

 

  An dieser Stelle soll all denen gedankt sein, die bei der Zusammenstellung dieser Abhandlung einen Beitrag geleistet haben. Ich bitte Allah, daß Er uns alle im Paradies wieder vereint, ohne daß einer von uns vorher die Strafe Allahs kosten mußte.

 

 „Mein Herr, verzeih mir, meinen Eltern und wer in mein Haus hineingeht als Mu’min, und den Mu’minun und den Mu’minat...“[71:28]

 

Samir Mourad

 


Erläuterung einiger islamischer Fachbegriffe

 

 

In diesem Kapitel werden einige islamische Fachbegriffe eingeführt. Dabei sind die Einführungen zu einigen dieser Begriffe im wesentlichen vereinfachte Zusammenfassungen von Auszügen aus den entsprechenden Begriffseinführungen von [Zaidan]. Die Auszüge sind so gewählt, daß sie in etwa die Bedeutung der Begriffe im Zusammenhang des vorliegenden Buches abdecken.

 

Definition von „Din

 

Nach der Wissenschaft der sinnverwandten Wörter und nach den Qurankommentatoren wird „Din“ im Quran als Synonym für 11 verschiedene Begriffe verwendet.

Din als Synonym für:

n    Islam

n    Tauhid (Monotheismus im islamischen Sinne)

n    die Abrechnung am Jüngsten Tag

n    die Vergeltung

n    das Gesetz

n    der Gehorsam / die Loyalität

n    die Gewohnheit /die Sitte

n    die Gemeinschaft /das Volk

n    die nach der Scharia (Gottes Gesetz) unveränderbar festgelegten Strafen für bestimmte Verbrechen

n    die Anzahl

n    den Quran


 

Resümee

 

Zum richtigen Verständnis der quranischen Texte ist eine Differenzierung bei der Übersetzung unersetzlich.

In [Zaidan] heißt es: „Für den Fall, daß eine Differenzierung in einem begrenzten Rahmen nicht möglich ist und ein übergreifender Sammelbegriff verwendet werden soll, empfehle ich als mögliche Übersetzung für die elementare Bedeutung von Din, den Ausdruck

 

„Lebensweise“

 

und für „ad-Din-ul-islami“, den Ausdruck

 

„die islamische Lebensweise“

 

weil meines Erachtens nur der Begriff Lebensweise entsprechend dem islamischen Verständnis alle Bereiche und Ebenen der Lebensgestaltung, nämlich die ideologischen, religiösen, kulturelle, politische, wirtschaftliche, soziale, wissenschaftliche, usw. impliziert und umfaßt.“


 

Definition von „Iman“ / „Mu’min

 

Das Wort „Iman“ wird in der Regel in der Literatur als „Glaube“ übersetzt. Diese Übersetzung ist nicht ganz korrekt, wie wir sehen werden.

 

a. „Iman“ in Bezug auf Allah

 

Die Verinnerlichung der bewußten Unterwerfung, Hingabe und Unterordnung Allah gegenüber und die widerspruchslose Akzeptanz Seiner Gebote und Vorschriften in aufrichtiger Ergebenheit.

 

b.  Iman“ im islamischen Kontext

 

Allgemeine Bedeutung:

Iman ist die sichere, keinen Widerspruch duldende Verinnerlichung der gesamten Inhalte und der Substanz dessen,

·      was der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Heil auf ihm) als abschließende Offenbarung definitiv für alle Muslime verkündet hat und

·      was per definition notwendiger Bestandteil des islamischen Din ist;

 

wie z.B. der Iman an Allah, an Seine Engel, an Seine geoffenbarten Schriften, an den Jüngsten Tag, an Seine Gesandten, an die Pflicht des rituellen Gebets, des Fastens im Monat Ramadan, usw.


Resümee

 

In verschiedenen Standardlexika wird „Glaube“ definiert als :

·      „innere Sicherheit, die keines Beweises bedarf; primär (gefühlsmäßiges) Vertrauen, feste Zuversicht“

·      „ohne Überprüfung, meist gefühlsmäßig ohne Beweise für wahr gehaltene Vermutung“

·      „Gefühl, unbeweisbare Herzensüberzeugung“

·      usw.

 

Aus diesen Definitionen ergibt sich, daß man den arabischen Begriff „Iman“ auch nicht annähernd mit dem deutschen Wort „Glaube“ wiedergeben kann, weil einfach sein Bedeutungsinhalt Beweisführung und bewußte Verinnerlichung (d.h. die wesentlichen Inhalte von Iman) im deutschen Sprachgebrauch explizit ausgeschlossen werden.

In [Zaidan] heißt es: „für den Fall, daß eine Differenzierung bei der Übersetzung nicht möglich ist und ein übergreifender Sammelbegriff verwendet werden soll, empfehle ich als mögliche Übersetzung für die elementare Bedeutung von Iman, den Ausdruck

 

„die mit Wissen verbundene bewußte Verinnerlichung“

 

...“

 

Personen, die Iman praktizieren, heißen dementsprechend:

 

mask.:  sg. Mu’min, pl. Mu’minun

fem.:     sg. Mu’mina, pl. Mu’minat


 

Definition von „Kufr“ / „Kafir

 

Kufr“ wird gewöhnlich mit „Unglaube“ übersetzt. Wir werden sehen, daß dies nicht ganz korrekt ist.

 

a.  Kufr“ in Bezug auf Allah

 

Kufr hat hier fünf verschiedene Erscheinungsformen:

 

·      Kufr des kompletten Verleugnens:

Diese Art des Kufr äußert sich in absichtlichem äußerlichen und innerlichen Verleugnen der Existenz Allahs, d.h. in verbalem Abstreiten bzw. Negieren Allahs und Seines Daseins. Diese Form des Kufr ist ein Synonym für Atheismus.

 

·      Kufr der Heuchelei:

Diese Art des Kufr äußert sich als rein formale, d.h. nur verbale äußerliche Anerkennung des Daseins von Allah mit gleichzeitigem innerlichem Leugnen.

 

·      Kufr der Ignoranz:

Diese Art des Kufr äußert sich in absichtlich vorgetäuschtem äußerlichen Leugnen des Daseins von Allah (d.h. verbales Abstreiten/Negieren) trotz echter innerer Überzeugung.

 

·      Kufr des Trotzes:

Diese Art des Kufr äußert sich als formal korrekte äußerliche und innerliche Anerkennung der Existenz Allahs, ohne jedoch die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen und Allah zu dienen, durch Verherrlichung und Anbetung, durch Unterwerfung, Bindung und Hingabe.

Dies geschieht entweder aus Starrsinn oder aus Überheblichkeit.

 

·      Kufr des Polytheismus:

Diese Art des Kufr äußert sich in echter (d.h. von tiefer innerer Überzeugung geprägte) äußerlicher und innerlicher Anerkennung des Daseins von Allah in Kombination mit einer komplett und/oder partiell inkorrekten Praxis der daraus folgenden notwendigen Handlungsweisen wie z.B. Verherrlichung und Anbetung Allahs auf eigenmächtig festgelegte und unzulässige Art und Weise, d.h. durch Vollziehen der gottesdienstlichen Handlungen unter Zuhilfenahme eines (Ver-)Mittlers oder durch verbale Benennung bzw. Vorstellung und Anerkennung zusätzlicher göttlicher Mächte neben Allah oder durch unerlaubte Interpretation von Tauhid (d.h. des Monotheismus im Sinne des Islam).

 

b.  Kufr“ im islamischen Kontext

 

allgemeine Bedeutung:

 

·      Jede Religion, Glaubensgemeinschaft, Weltanschauung oder Gruppierung außerhalb des Islam fällt unter die Rubrik „Kufr“.

·      Das komplett bzw. partiell bewußte Leugnen bzw. Negieren eines Iman-Inhaltes und/oder eines eindeutigen Gebotes des islamischen Din fällt unter die Rubrik „Kufr“.

·      Heuchelei im Sinne von „rein formalem, d.h. nur verbalem äußerlichem Bekenntnis zum Islam (ohne echte innere Überzeugung)“ fällt unter die Rubrik „Kufr“.

Diese Form gilt als die verabscheuungswürdigste Art   des Kufr.

·      Jeder Verstoß gegen die Prinzipien von Tauhid (d.h. des islamischen Verständnisses des Monotheismus) fällt unter die Rubrik „Kufr“:

     ....

 

Personen, die Kufr praktizieren, heißen dementsprechend:

 

mask.:  sg. Kafir, pl. Kafirun

fem.:     sg. Kafira, pl. Kafirat

 

 

Resümee

 

Bei der Übersetzung des Wortes „Kafir“ müssen zwei Ebenen berücksichtigt werden:

·      Die sprachliche Ebene:

Auf sprachlicher Ebene hat Kafir unterschiedliche Bedeutungen: Ackerbauer, undankbar sein, zudecken, verhüllen, Lossagung, Ignoranz, usw.

·      Die religiöse Ebene:

Auf religiöser Ebene steht „Kafir/Kafira“ bzw. „Kafirun/Kafirat“ als Sammelbegriff für das Gegenteil von „Muslim/Muslima“ bzw. „Muslime/Musliminnen“.

 

In [Zaidan] heißt es: „Deshalb empfehle ich für den Fall, daß eine Differenzierung bei der Übersetzung nicht möglich ist und ein übergreifender Sammelbegriff verwendet werden soll, als mögliche Übersetzung für die elementare Bedeutung von Kafir/Kafira, den Ausdruck

 

„der/die Nicht-Gottergebene“

...“

 

Wichtig ist zu erkennen, daß „Kafir“ als Sammelbegriff für die unterschiedlichen Erscheinungsformen einer bestimmten Geisteshaltung der verschiedensten Personengruppen verwendet wird.

 

Als Kafir werden beispielsweise bezeichnet:

·      Atheisten

·      Polytheisten

·      sogenannte „Muslime“, die einen Pflichtteil des islamischen Din aberkennen

·      Juden oder Christen, welche die Prophetenschaft Muhammads (Allahs Segen und heil auf ihm) und den Quran als die Offenbarung Allahs ignorieren bzw. nicht anerkennen

 

Oft kann man das Wort Kafir/Kafira auch einfach als Nichtmuslim/Nichtmuslima übersetzen.

 

Definition von „Schirk“ / „Muschrik

 

Unter Schirk versteht man Polytheismus im eigentlichen, wörtlichen und im übertragenen Sinne.

 

Personen, die Schirk praktizieren, heißen dementsprechend:

 

mask.: sg. Muschrik, pl. Muschrikun

fem.: sg. Muschrika, pl. Muschrikat

 

Die ausführliche Definition kann der Leser selbst in [Zaidan] nachlesen.

 

Definition von „Hadith

 

(aus [AvD 94]:)

Bezeichnung für Berichte, in denen die -> Sunna des Propheten Muhammad überliefert wurde...Die Ahadith (pl. von Hadith) wurden zunächst größtenteils mündlich überliefert und dann niedergeschrieben. Die bekanntesten Sammlungen sind die von Buchari und Muslim.

 

Definition von „Sahih-Hadith

 

Ein -> Hadith, der eine "gesunde"(arab. sahih) (d.h. stark gesicherte) Überlieferungskette hat. Solch ein Hadith wird auf deutsch manchmal auch als „authentische Überlieferung“ übersetzt.

 

Definition von „Sunna[2]

 

Beispiel für eine Lebensweise; speziell gebraucht für das vorbildhafte Leben des Propheten Muhammad, das für den Muslim zweite Wissensquelle neben dem Quran, dem Wort Gottes, ist.

In der islamischen Religionswissenschaft gibt es mehrere Sparten. Darunter gibt es 1. Die Hadithgelehrten, die sich mit der Überlieferung der Ahadith beschäftigen, 2. Die Gelehrten des Usulu-l-fiqh, die sich mit den Fundamenten des islamischen Rechts (arab. fiqh) beschäftigen, und 3. Die Rechtsgelehrten, die sich mit dem islamischen Recht (arab. fiqh) beschäftigen.

Für das, was Sunna ist, geben die oben erwähnten Vertreter der unterschiedlichen Sparten der islamischen Religionswissenschaft eine etwas abweichende Definition:

1.      Sunna im Sinne der Hadithgelehrten:

Alles, was vom Propheten Muhammad (Allahs Segen und Heil auf ihm) überliefert wurde an Taten, Aussagen, dem, was er stillschweigend duldete, die charakterlichen oder körperlichen Eigenschaften, seine Biographie – gleich, ob es vor oder nach der Berufung Muhammads zum Propheten war.

2. Sunna im Sinne der Gelehrten des Usulu-l-fiqh:

Alles, was vom Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) herrührt– außer dem Quran – an Aussagen, Taten und dem, was er stillschweigend duldete, wenn es möglich ist, einen islamischen Rechtsbeschluß daraus abzuleiten.

3. Sunna im Sinne der Rechtsgelehrten (Fiqh-Gelehrten)

Alles, was vom Propheten herrüht an Taten oder Aussagen und nicht zu den islamischen Pflichten (arab. fard und wadschib) gehört.

 

Was der Prophet bezüglich der Religion sagte, ist genauso Offenbarung wie der Quran. Der Unterschied zum Quran liegt u.a. in zwei Sachverhalten:

 

Erstens ist der Quran das Wort Allahs, wohingegen das, was der Prophet bezüglich der Religion gesagt hat, eine Offenbarung ist, welche der Prophet in seinen eigenen Worte wiedergegeben hat. Ein Beispiel dafür ist, wie man das fünfmalige Gebet zu beten hat.

Zum zweiten ist der Quran mutawatir, d.h. auf sehr vielen verschiedenen Überliefererketten überliefert.[3] Damit besteht nicht der kleinste Zweifel an der richtigen Überlieferung jedes einzelnen Wortes. Die meisten Ahadith sind jedoch nicht mutawatir überliefert.

Die Sunna wird im -> Hadith (Bericht über die Sunna) überliefert. Der Muslim bemüht sich, in allen Lebensbereichen dem Vorbild des Propheten zu folgen, um ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen (siehe auch [33:21]).

 

Definition von „Tauhid

 

(im wesentlichen aus [M.N.Yasin]:)

Bezeichnung für die Einheit und Einzigkeit Allahs. Der Iman an Allah bedeutet folgendes:

Die feste Überzeugung ohne jeden Zweifel, daß Allah der Schöpfer und Herr aller Dinge ist, und daß Er derjenige ist, der alleinig den Anspruch hat, angebetet zu werden. Zu dieser Anbetung gehören Gebet, Fasten, Bittgebet. Ebenso gehört hierzu, daß man allein von Allah etwas erwartet, nur Allah fürchtet, sich nur Allah unterordnet,.. Und schließlich gehört dazu, daß man fest davon überzeugt ist, daß Er alle Eigenschaften der Vollkommenheit besitzt, und daß Er frei ist von jeglicher Eigenschaft der Unvollkommenheit.

 


Die Aspekte der Einheit Allahs:

 

Der Iman an Allah beeinhaltet die Einheit bezüglich dreier Aspekte:

1.      Daß Er der alleinige Herr ist (Tauhid ar-rububiyya) und daß es keinen anderen Herrn gibt,

2.      Daß Er der allein Anbetungswürdige ist (Tauhid al-uluhiyya)

3.      Die Einheit bezüglich Seiner Namen und Eigenschaften: Daß Er der Vollkommene in Seinen Eigenschaften und Namen ist, und daß es keinen anderen Vollkommenen gibt.

 

Nur wenn der Mensch von dem obengenannten überzeugt ist, besitzt er den richtigen Iman an Allah.


 

TEIL I: Grundsätze

 

 

1 Grundsätze in den Beziehungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen

 

 

In den folgenden Abschnitten dieses einführenden Kapitels werden einige allgemeine Grundsätze betrachtet, die das Verhalten von Muslimen gegenüber Nichtmuslimen bestimmen.

 

 

1.1 Friedliches Miteinanderleben, gegenseitiges Kennenlernen und rechtschaffenes Verhalten der Muslime gegenüber den Nichtmuslimen

 

Allah der Erhabene hat gesagt:

"O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander kennenlernen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist."[49:13]

Und Er hat auch gesagt:

"Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht wegen des Din bekämpfen und euch nicht aus euren Häusern vertreiben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich, Allah liebt die Gerechten." [60:8]

Aus diesen Versen läßt sich ein Grundsatz für das Verhalten eines Muslims gegenüber Nichtmuslimen ableiten: Der Muslim soll gütig und gerecht gegenüber allen Menschen sein - gleich welcher Abstammung oder Religion -, solange sie sich nicht mit Gewalt der Verbreitung der Dawa, d.h. der Einladung zum Islam, in den Weg stellen, oder gegen die Muslime mit Gewalt vorgehen.

 

Die Ahlul-kitab

 

Die Ahlul-kitab, die Schriftbesitzer, nehmen unter den Nichtmuslimen eine besondere Stellung ein. Mit Ahlul-kitab sind diejenigen Nichtmuslime gemeint, deren Religion ursprünglich auf einem von Allah herabgesandtem Buch basiert, selbst wenn dieses Buch mit der Zeit verfälscht und verändert wurde, und sich diese Nichtmuslime nach dieser verfälschten Fassung richten. Die Juden und die Christen gehören zu den Ahlul-kitab, da deren Religion auf der Thora bzw. auf dem Evangelium basiert. Diejenigen z.B., die behaupten, daß Jesus (Friede sei mit ihm) Gott sei, gehören ebenso zu den Ahlul-kitab wie diejenigen, die behaupten, daß Maria die Mutter Gottes sei.

Yusuf al-Qaradawi sagt in [Qaradawi1992]: „...mit Ahlul-kitab sind diejenigen gemeint, deren Religion ursprünglich auf einem von Gott geoffenbarten Buch basiert, selbst wenn dieses später verändert und verfälscht wurde. Dazu gehören z.B. die Juden und die Christen, deren Religionen auf der Thora bzw. dem Evangelium basieren.“[4]

Der Einwand, daß die heutigen Christen keine Ahlul-kitab wären, ist nicht gerechtfertigt. Denn bereits zur Zeit des Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) hatte die Kirche die gleichen Anschauungen bezüglich Gott, Jesus und allgemeinen Glaubensfragen.[5] Trotzdem wurden sie zur Zeit des Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) als Leute der Schrift (arab. Ahlul-kitab) bezeichnet, obwohl sie theologisch gesehen als Kafirun betrachtet wurden, wie aus den folgenden Quranversen hervorgeht:

„Wahrlich, Kufr begehen diejenigen, die sagen: "Messias, der Sohn der Maria, ist Gott", während der Messias doch selbst gesagt hat: "O ihr Kinder Israels, betet zu Gott, meinem Herrn und eurem Herrn." Wer Muschrik ist, dem hat Gott das Paradies verwehrt, und das Feuer wird seine Herberge sein. Und die Frevler sollen keine Helfer finden.

Wahrlich, Kufr begehen diejenigen, die sagen: "Gott ist der Dritte von dreien"; und es ist kein Gott da außer einem Einzigen Gott. Und wenn sie nicht von dem, was sie sagen, Abstand nehmen, wahrlich, so wird diejenigen unter ihnen, die Kafirun bleiben, eine schmerzliche Strafe ereilen.

Wollen sie sich denn nicht reumütig Gott wieder zuwenden und Ihn um Verzeihung bitten? Und Gott ist Allverzeihend, Barmherzig.

Der Messias, der Sohn der Maria, war nur ein Gesandter; gewiß, andere Gesandte sind vor ihm dahingegangen. Und seine Mutter war eine Wahrhaftige; beide pflegten Speise zu sich zu nehmen. Siehe, wie Wir die Zeichen für sie erklären, und siehe, wie sie sich abwenden.

Sprich: "Wollt ihr statt Gott das anbeten, was nicht die Macht hat, euch zu schaden oder zu nützen?" Und Gott allein ist der Allhörende, der Allwissende.

Sprich: "O Leute der Schrift (arab. Ahlul-kitab), übertreibt nicht zu Unrecht in eurem Din und folgt nicht den bösen Neigungen von Leuten, die schon vordem irregingen und viele irregeführt haben und weit vom rechten Weg abgeirrt sind."[5:72-77]“[6]

 

 Der Quran hält die Muslime an, in Din-Angelegenheiten mit den Ahlul-kitab nur auf eine schöne Weise zu diskutieren, damit keine Streitereien entstehen, und damit in den Herzen der Menschen kein Fanatismus und Haß entsteht:

"Und führt keine Streitgespräche mit dem Volk der Schrift, es sei denn auf vortreffliche Art und Weise. Ausgenommen davon sind die von ihnen, die Unrecht tun. Und sprecht: "Wir sind Mu‘minun fürwahr an das, was uns als Offenbarung herabgesandt worden ist und was zu euch herabgesandt wurde; und unser Gott und euer Gott ist Einer; und Ihm sind wir ergeben."[29:46]

  Für Muslime sind ihre Speisen und Getränke - sofern sie nicht ohnehin verboten sind, wie z.B. Alkohol und Schweinefleisch, erlaubt – insbesondere ist es den Muslimen erlaubt, von den von ihnen geschlachteten Tieren zu essen, sofern sie geschächtet wurden. Wenn also z.B. ein Christ ein Tier schlachtet und dabei sagt: "Im Namen Gottes", so ist es für einen Muslim erlaubt, von diesem Fleisch zu essen.

  Eine muslimische Frau darf keinen Nichtmuslim heiraten. Hingegen ist es für einen muslimischen Mann unter bestimmten Rahmenbedingungen[7] gestattet, eine nichtmuslimische Frau zu heiraten. Zu diesen Rahmenbedingungen gehören, daß sie keusch ist und zu den Ahlul-kitab gehört.

Dies ist in der Tat eine große Toleranz des Islam, gestattet er doch, daß diejenige Frau, die das Haus eines Muslims führt und seine Kinder erzieht, eine Nichtmuslima ist.

Gleichzeitig sollte man jedoch sagen, daß dies lediglich eine Erlaubnis darstellt; die Empfehlung lautet jedoch, nicht nur eine Muslima, sondern eine gute Muslima zu heiraten, die fromm und islamisch lebt. Diesbezüglich hat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien mit ihm) gesagt: "Gewöhnlich werden die Frauen aus viererlei Gründen geheiratet: Wegen ihres Vermögens, ihrer Abstammung, ihrer Schönheit und ihrer Frömmigkeit im Islam. Du aber sollst dich bemühen, ein fromme muslimische Frau zu bekommen. Dann hast du gewonnen."[8]

Auf die Heirat zwischen einem Muslim und einer nichtmuslimischen Frau und die Bedingungen, die daran geknüpft sind, wird in Kap. 6 ausführlicher eingegangen.

 

Verhalten gegenüber nichtmuslimischen Eltern

 

Eine wohl öfters gestellte Frage ist die, wie sich ein neuer Muslim gegenüber seinen nichtmuslimischen Eltern verhalten soll. Es ist bekannt, daß ein Muslim besonders zu seinen Eltern gütig sein soll. Was macht man also z.B., wenn der Vater beleidigt ist, wenn man sich nicht an den Geburtstagstisch setzt, an dem die anderen Alkohol trinken[9]?

  Allgemein gilt das islamische Prinzip: "Kein Gehorsam gegenüber einem Geschöpf, wenn dies mit Ungehorsam gegenüber dem Schöpfer verbunden ist."

 In allen weltlichen Dingen jedoch soll man sie gut und ehrenvoll behandeln - dies, obwohl sie vielleicht versuchen, ihr Kind von den Anweisungen Gottes abzubringen: "Und Wir haben dem Menschen im Hinblick auf seine Eltern anbefohlen - seine Mutter trug ihn in Schwäche über Schwäche, und seine Entwöhnung erfordert zwei Jahre -: "Sei Mir und deinen Eltern dankbar. Zu Mir ist die Heimkehr. Doch wenn sie dich auffordern, Schirk zu betreiben, was gegen dein Wissen läuft, daß es nur einen Gott gibt, dann gehorche ihnen nicht. In weltlichen Dingen aber verkehre mit ihnen auf gütige Weise. Und folge dem Weg dessen, der sich zu mir wendet. Dann werdet ihr zu Mir zurückkehren, und ich werde euch das verkünden, was ihr getan habt." [31:14-15]

Allgemein kann man sagen, daß die Freundschaft und Beziehung eines Muslims zu Nichtmuslimen soweit gehen kann, solange er dabei nicht vom eigenen Din, dem Islam, Abstriche machen muß oder eine der Regeln des Islam verletzt wird.


 

1.2 Die Nichtmuslime zum Islam einladen (Dawa)[10]

 

Allah hat Muhammad (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) als abschließenden Gesandten zu der gesamten Menschheit entsandt. Allah sagt im Quran:

"...Und Wir haben dich nur als Bringer froher Botschaft und Warner für alle Menschen entsandt..."[34:28]

Damit die Botschaft Allahs zu Lebzeiten Muhammads und nach seinem Tode auch wirklich zu allen Menschen gelangt, hat Allah der muslimischen Gemeinschaft diese Pflicht auferlegt:

"Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen."[3:104]

Die Einladung zum Islam betrachtet Allah als die vorzüglichste Tat des Muslim:

"..Und wer ist besser in der Rede als der, der zu Allah ruft, Gutes tut und sagt: "Ich bin einer der Gottergebenen."?..."[41:33]

Diese Einladung soll freundlich und mit Weisheit erfolgen:

"Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung auf, und streite mit ihnen auf die beste Art. Wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt jene am besten, die rechtgeleitet sind. "[16:125]

Die erste weise Handlung in dieser Beziehung ist es, eine angenehme und ansprechende Sprache zu wählen: "Siehst du nicht, wie Allah das Gleichnis eines guten Wortes prägt? Es ist wie ein guter Baum, dessen Wurzeln fest sind und dessen Zweige bis zum Himmel ragen. Er bringt seine Frucht zu jeder Zeit mit der Erlaubnis seines Herrn hervor. Und Allah prägt Gleichnisse für die Menschen, auf daß sie nachdenken mögen."[14:24-25]

Wenn der Muslim die Einladung zum Islam wirklich aufrichtig, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen, ausspricht, so unterstützt Allah den Mu’min, und Er läßt die Früchte dieses Wortes immer wieder hervorkommen.

 

Ob der Nichtmuslim letztendlich den Islam annimmt oder nicht, ist seine persönliche Sache. Sollte der Nichtmuslim den Islam annehmen, freut sich der Muslim natürlich, daß Allah einen Menschen durch ihn vor dem Höllenfeuer errettet hat. Sollte der Nichtmuslim jedoch der Einladung nicht folgen, so hat der Muslim durch die bloße Einladung seine Aufgabe vor Gott erfüllt.

 

Die Rechtleitung des Herzens, d.h. die Akzeptanz und Annahme des Islam, ist etwas, was bei Allah liegt:

"Dir obliegt nicht ihre Rechtleitung, sondern Allah leitet recht, wen Er will"[2:272]

 

„Hätte dein Herr es gewollt, so wären alle auf der Erde Mu’minun geworden. Willst du also die Menschen dazu zwingen, Mu’minun zu werden? Niemand steht es zu, Mu’min zu werden ohne die Erlaubnis Allahs. Und Er läßt (Seinen) Zorn auf jene herab, die ihre Vernunft (dazu) nicht gebrauchen wollen.“[10:99-100]

 

Hierzu sollte angemerkt werden, daß Allah niemanden dazu zwingt, Kafir zu werden. Sondern es ist so, daß Allah demjenigen, der die Rechtleitung sucht, den Weg zur Rechtleitung leicht macht. Denjenigen hingegen, der von sich selbst aus Kufr begehen will, den läßt Allah in die Irre gehen.

 

Wenn die Muslime die Nichtmuslime zum Islam einladen und sie am Ende den Islam verstanden haben, hat dies eines von zwei Dingen zur Folge: Entweder werden die Nichtmuslime Muslime oder aber sie bekommen ein Verständnis für die Muslime und die islamischen Völker, was wiederum zum Frieden auf dieser Welt beiträgt. Dieses friedliche Zusammenleben ist, wie wir am Anfang dieses Kapitels gesehen haben, auch ein Ziel des Islam.

 


 

Für einen Muslim, der zum Islam einlädt, ist diese Handlung ein Mittel seiner eigenen Annäherung an Gott und ein Mittel, Sein Wohlgefallen zu erlangen

 

Allah der Erhabene hat gesagt:

"O du Mensch, du mühst dich hin zu deinem Herrn, und du wirst ihm begegnen."[84:6]

Dieser Vers bedeutet, daß jeder Mensch - gleich ob Mu’min oder Kafir - zwangsläufig einen Weg hin zu seinem Schöpfer schreitet, zu dem er am Tag der Auferstehung zurückkehren wird.

Der Unterschied zwischen einem Mu’min und einem Kafir besteht darin, daß der Mu’min diesen Weg bewußt schreitet. Er versucht diesen Weg im Wohlgefallen Allahs zu gehen. Derjenige jedoch, der Gott leugnet, geht diesen Weg unbewußt, bis schließlich im Jenseits, nach seinem Tode, ein böses Erwachen stattfindet: Er findet sich plötzlich vor Allah, seinem Schöpfer, den er Zeit seines Lebens geleugnet hatte. Hierzu sagt Allah:

"Die Taten der Kafirun sind wie eine Luftspiegelung auf einer Ebene, - der Durstige hält sie für Wasser, bis, wenn er dahin kommt, er da nichts findet, und findet Allah bei sich, und Er begleicht ihm seine Abrechnung, und Allah ist schnell bei der Abrechnung"[24:39]

 

Da der Muslim, der zum Islam einlädt in erster Linie ein Muslim und Mu’min ist und das Einladen zum Islam ein Gottesdienst ist, ist also die Dawa selbst ein Mittel für ihn, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen, während er sich zielstrebig auf seinem Weg zu seinem Schöpfer befindet, dem er nach dem Tod begegnen wird.

 

So kann man also klar den Unterschied feststellen zwischen einem Muslim, der zum Islam einlädt, und irgendeinem anderen Menschen, der zu einer bestimmten Ideologie einlädt.

Derjenige, der zu einer bestimmten Ideologie einlädt, verfolgt ein irdisches Ziel.

Dies verhält sich nicht so beim Muslim, der zum Islam einlädt. Es kann durchaus möglich sein, daß er keine aufrichtige Absicht bei seiner Einladung zum Islam hatte. So lernten zwar einige Menschen etwas über den Islam von ihm kennen, er selbst kommt aber ins Höllenfeuer, weil er diese Einladung zum Islam aus eigensüchtigen Motiven heraus ausgesprochen hat.

 

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) hat gesagt:

"...Ein Mann, der Wissen erwarb und es lehrte, wird (zu Allah) gebracht. Er läßt ihn wissen, welche Gnade Er ihm gewährte, und er erkennt sie. Allah spricht: "Was hast du damit gemacht?" Er antwortet: "Ich habe Wissen erworben und es weitergegeben, und ich rezitierte um Deinetwillen den Quran." Allah spricht: "Du hast gelogen. Vielmehr lerntest du, damit gesagt würde: Er ist ein Gelehrter, und du rezitiertest den Quran, damit gesagt würde: Er ist ein Quran-Rezitator - was auch geschah."

Dann wird befohlen, ihn auf seinem Gesicht fortzuziehen und ins Feuer zu werfen..."[11]


 

Über den Islam informieren

 

Über den Islam zu informieren bedeutet, den Islam klar und deutlich darzulegen. Dazu muß ein Muslim, der zum Islam einlädt, selbst genügend Wissen über den Islam besitzen, d.h. über die verschiedenen Bereiche der islamischen Wissenschaft wie z.B.

·        die Aqida (d.h. die islamischen Iman-Inhalte),

·        den Fiqh (d.h. die Wissenschaft des islamischen Rechtes),

·        die Prophetenbiographie,

·        usw.

 

Dies ist wichtig, damit man die Menschen nicht falsch über den Islam informiert und sie so eher irreleitet als auf den geraden Weg führt.

 

Man kann im wesentlichen den Islam folgendermaßen zusammenfassen:

Die erste und größte Wahrheit ist, daß Allah existiert. Desweiteren hat Allah, der Allmächtige, Gesandte zur Rechtleitung der Menschen entsandt hat, von denen der letzte Muhammad (Allahs Segen und Heil auf ihm) ist. Folgen die Menschen den Anweisungen Allahs, die er ihnen durch Seine Gesandten mitteilt, werden sie im Jenseits für ewig belohnt werden; widersetzen sich jedoch die Menschen den Anweisungen ihres Schöpfers und verweigern das Akzeptieren der Tatsache, daß Er existiert, so werden sie für ewig bestraft werden.

 

Said Hawwa (Allah möge ihm barmherzig sein) schrieb eine dreiteilige Reihe mit dem Namen "Zielgerichtete Untersuchungen über: 1. Allah, 2. Der Gesandte, 3. Der Islam".  Im ersten Band, "Allah", legt er eine Beweisführung für die Existenz Allahs anhand von naturwissenschaftlichen Ergebnissen dar. Im zweiten Band, "Der Gesandte", führt er eine Beweisführung dafür an, daß Muhammad (Allahs Segen und Heil auf ihm) tatsächlich der Gesandte Allahs ist. Dabei betrachtet er u.a. den Charakter Muhammads und seine Aufrichtigkeit, die sowohl von seinen Freunden wie auch seinen Feinden bestätigt wurde. Desweiteren führt er Wunder Muhammads an. Außerdem wird aufgezeigt, daß in den Überlieferungen sowohl der Christen als auch der Juden das Kommen Muhammads angekündigt wurde. Es wird aufgezeigt, daß die Juden in Arabien auf sein Kommen warteten, ihn dann auch erkannten, sich aber weigerten ihm zu folgen, weil er nicht aus ihrem Volk kam. Diese wissenschaftliche Untersuchung über den Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) umfaßt etwa 500 Seiten, wobei am Anfang des Buches folgendes angemerkt ist: "Wir werden in dieser Untersuchung sehen - durch Indizien und Beweisführung - daß Muhammad tatsächlich der Gesandte Allahs ist und daß Muhammad der größte Mensch in jeglicher Beziehung ist..."

Im Vorwort zu dieser dreiteiligen Reihe sagt Said Hawwa: "Der Leser dieser Reihe stellt fest, daß ich mich in den ersten beiden Teilen "Allah" und "Der Gesandte" oft lange mit verdeutlichenden Ausführungen, Erläuterungen und Beweisführungen aufhalte, wobei ich dabei mit Geduld und Ruhe den menschlichen Verstand anspreche. Dabei gehe ich auf jeden möglichen Zweifel und Einwand ein; der dritte Teil "Der Islam" hingegen ist mehr eine Vorstellung als eine Erläuterung. Der Grund dafür ist der folgende: wenn der Mensch erst einmal von der Existenz Allahs überzeugt ist, und davon, daß Muhammad Sein Gesandter ist, dann bleibt ihm nichts anderes mehr übrig, als sich Seiner Religion und Seinem Gesetz unterzuordnen. Es geht hier also nicht darum, daß jeder einzelne Teil des Islam gerechtfertigt werden muß - obwohl diese Rechtfertigung ohne Zweifel vorhanden ist -, sondern es geht beim dritten Teil darum, den Islam kennenzulernen. Denn der logische Menschenverstand sagt: Dem Menschen bleibt nichts anderes übrig, als sich unter Allahs Gesetz unterzuordnen, denn Er ist der Herr und Seine Geschöpfe sind Seine Knechte, und derjenige von beiden ist der Wissendere, der "dem Menschen das gelehrt hat, was dieser nicht wußte"[96:5]...."

 

U.a. in [As-Sabuni, Mourad], Kap.1.2 und in [Azzindani] wird ausführlich eine Beweisführung für die Wahrheit des Islam vorgenommen.

 

Die Einladung zum Islam beschränkt sich jedoch keineswegs auf verbale Informationen über den Islam. Dawa bedeutet auch, daß ein Muslim durch sein Verhalten den Islam vorlebt. Aischa, die Frau des Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihr) hat einmal gesagt: „Der Charakter des Propheten war der Quran“.

 

Ein solches lebendiges Beispiel der Dawa zeigt der folgende Bericht, den Ibn Kathir in seinem Geschichtswerk "Al-bidaya wan-nihaha" (Der Anfang und das Ende) überliefert[12]:

 

"...Der Kalif Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) verlor einmal seine Rüstung, welche er bei einem Christen wiederfand. Daraufhin brachten sie die Angelegenheit vor den Richter Schuraih. Ali sagte: "Die Rüstung ist meine, ich habe sie weder verkauft noch verschenkt." Daraufhin befragte Schuraih den Christen nach dem, was der Kalif gesagt hatte. Da sagte der Christ: "Die Rüstung ist meine. Der Befehlshaber der Mu’minun (d.h. der Kalif) ist jedoch für mich kein Lügner."

Schuraih wandte sich daraufhin zu Ali und fragte ihn: "Hast du einen Beweis für deine Behauptung?", woraufhin Ali lachte und sagte: "Schuraih hat richtig gerichtet. Ich habe keinen Beweis." Daraufhin sprach der Richter dem Christen die Rüstung zu, weil sie sich in seinen Händen befand und Ali keinen Beweis erbracht hatte, daß die Rüstung dem Christen trotzdem nicht gehörte. Da nahm der Christ die Rüstung und ging weg. Er ging nur einige Schritte, kam dann zurück und sagte: "Ich bezeuge, daß dies Gesetze sind, nach denen Propheten richten. Der Kalif bringt mich zu dem von ihm eingesetzten Richter, der dann mir das Recht zuspricht gegen den Kalifen! Ich bezeuge, daß es keinen Gott gibt außer Allah und daß Muhammad der Gesandte Allahs ist. Die Rüstung ist deine Rüstung, o Kalif...ich bin dem Heer gefolgt, als du von Siffin weggingst. Da ist die Rüstung von deinem Kamel ... gefallen."

Daraufhin sagte Ali (Allahs Wohlgefallen sei  auf ihm): "Da du nun Muslim geworden bist, soll die Rüstung dir gehören!"..."


 

Liebevoller, barmherziger, geduldiger und respektvoller Umgang mit den neuen Muslimen

 

Im Quran steht: "Und durch Barmherzigkeit von Allah warst du (o Prophet) mild zu ihnen. Wärest du aber barsch und harten Herzens gewesen, dann wären sie bestimmt von dir weggelaufen..."[3:159]

 

Sayyid Qutb dazu: "Dies ist eine Barmherzigkeit, die sowohl ihn (d.h. den Propheten) wie auch sie erfaßte. Diese Barmherzigkeit ließ den Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) barmherzig und mild zu ihnen sein. Wäre er aber hart und barsch gewesen, so würden sich nicht die Herzen um ihn vereinigen...Die Menschen brauchen eine Atmosphäre der Barmherzigkeit, sie brauchen es, daß man sich auf vorzügliche Art und Weise um sie kümmert, sie brauchen ein gütiges Lächeln. Sie brauchen es, daß sie liebevoll behandelt werden und daß man geduldig ihre Unwissenheit, ihre Schwächen und Fehler erträgt...sie brauchen jemanden mit einem großen Herz, welches ihnen etwas gibt und nichts von ihnen verlangt, welches sich ihrer Sorgen annimmt und nichts von seinen eigenen Sorgen auf sie ablädt. Sie brauchen einen Menschen, bei dem sie jederzeit Fürsorge, Mitgefühl und Liebe finden, und der sie immer so annimmt, wie sie sind...So jemand war der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm), und so war sein Zusammenleben mit den anderen Menschen. Er wurde nie zornig, außer um Allahs willen. Niemals wurde er ungeduldig aufgrund ihrer menschlichen Schwächen. Niemals behielt er etwas für sich von den irdischen Gütern, ohne bereit zu sein abzugeben. Vielmehr gab er ihnen freigiebig alles, was er besaß. Seine Geduld, seine Güte, sein Mitgefühl und seine edle Liebe umschloß sie...Niemand hatte mit dem Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) Umgang, ohne daß sein Herz sich mit Liebe ihm gegenüber füllte..."[13]

Az-Zuhaili sagt in seinem Qurankommentar zu diesem Vers: "Allah gab dem Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) einen solchen Charakter, damit die Mu’minun ein Beispiel haben, dem sie nacheifern sollen."[14]

 

Abu Huraira berichtete in einer Überlieferung von Buchari: "Ein Wüstenaraber stand auf und urinierte in der Moschee. Als die Leute nach ihm griffen, sagte der Phophet (Allahs Segen und Heil auf ihm): "Laßt ihn und gießt einen Eimer Wasser - oder etwas mehr - auf seinen Urin; denn eure Aufgabe besteht darin, es den Menschen leichter zu machen, nicht es ihnen zu erschweren." "

 

Ebenfalls berichtet Abu Huraira (Allah möge mit ihm zufrieden sein) in einer Überlieferung von Al-Bazar: "Einmal kam ein Wüstenaraber zum Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm), um von ihm finanzielle Hilfe[15] zu erbitten. Da gab der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) ihm etwas und sagte: "Ich habe dir Güte erwiesen." Darauf antwortete der Wüstenaraber: "Nein, und du hast mir auch keinen Gefallen getan." Da wurden einige Muslime, die dabei waren, zornig und wollten aufstehen und ihn packen. Da machte der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) ihnen eine Andeutung, daß sie von ihm ablassen sollen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) stand auf und ging zu seinem Haus. Als er sein Haus erreichte, bat er den Wüstenaraber zu sich ins Haus und sagte: "Du bist zu uns gekommen und hast um etwas gebeten. Wir haben dir daraufhin etwas gegeben, worauf du das nämliche gesagt hast." Dann gab ihm der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) noch etwas und sagte: "Ich habe dir Güte erwiesen." Da sagte der Wüstenaraber: "Ja, möge Allah dich und deine Familie belohnen!" Der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) sagte: "Du kamst zu uns, batest uns um etwas. Wir gaben dir daraufhin etwas, worauf du das nämliche gesagt hast. Aufgrund dieser Worte hegen meine Gefährten etwas gegen dich in ihren Herzen. Sage zu ihnen deshalb das, was du mir eben gesagt hast, wenn du zu ihnen kommst, damit das, was sie gegen dich in ihren Herzen hegen, verschwindet." Da sagte der Wüstenaraber: "Ja." Als der Wüstenaraber nun zu den Prophetengefährten kam, sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm): "Euer Gefährte hier kam zu uns, bat uns um etwas, worauf wir ihm etwas gaben. Daraufhin sagte er die nämlichen Worte. Daraufhin gaben wir ihm noch mehr, worauf er sich zufrieden zeigte. War es nicht so, o du Wüstenaraber?" Der Wüstenaraber sagte: "Ja, so war es. So möge Allah dich und deine Familie belohnen!" Daraufhin sagte der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm): "Das Gleichnis von mir und diesem Wüstenaraber ist wie das eines Mannes, der eine Kamelstute besaß, die ihm durchging und von ihm weglief, worauf die Leute ihr folgten. Dadurch lief die Kamelstute jedoch nur noch mehr weg. Da sagte der Besitzer der Kamelstute: "Laßt mich alleine mit meiner Kamelstute, denn ich bin gütiger zu ihr und kenne sie besser." Da wandte er sich zu ihr, nahm einige pflanzliche Reste vom Boden auf und rief sie zu sich, bis sie zu ihm kam und er sie bestieg...Wahrlich, hätte ich euch zu dem Zeitpunkt walten lassen, als der Wüstenaraber seine beleidigenden Worte mir gegenüber sagte, (und ihr hättet ihn getötet)[16], so wäre er ins Feuer gekommen."

 

Eins sollte jedoch noch in diesem Abschnitt erwähnt werden. Der Islam erzieht den Menschen zu einem selbstständigen und emanzipierten Menschen. Der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) erzog seine Gefährten zu solchen Menschen. So sagt Allah am Ende des oben erwähnten Verses: „...und ziehe sie zur Beratung heran.“[3:159].

Ein Beispiel für diese selbstständige Denkweise der Gefährten war der Rat, den die Frau des Propheten, Umm Salama, dem Propheten nach dem Vertrag von Hudaibiyya gab, als die Gefährten zögerten, seine Anweisung, das islamische Ritual der Haarscherung bei der Pilgerfahrt durchzuführen. Der Prophet war aufgrund dieses Verhaltens seiner Gefährten sehr böse, da er ja diese Anweisung in seiner Eigenschaft als Prophet gab. Seine Frau sagte ihm darauf, daß er doch selbst damit beginnen sollte, sich die Haare zu scheeren. Er tat dies daraufhin, worauf die Gefährten ihm folgten.

Die Beziehung zwischen erwachsenen Muslimen sollte also immer eine brüderliche Beziehung sein, und niemals eine sog. „Meister-Schüler-Beziehung“, in der der „Schüler“ nicht lernt, selbstständig zu denken.


 

 

TEIL II:Muslime als Mehrheit

 


 

2 Verteidigung im Islam

 

Der Inhalt dieses Kapitels ist im wesentlichen [Maulawi87] entnommen. Weiterhin wurden [IbnKathir2] und [Sabiq3] benutzt.

Wie bereits im Vorwort erwähnt, hat das Thema des vorliegenden Kapitels keine praktische Relevanz für das Verhältnis der Muslime zur nichtmuslimischen Mehrheit hier in Deutschland. Eine richtige Auseinandersetzung mit diesem Thema hilft jedoch vielleicht, ein Feindbild gegenüber dem Islam und den Muslimen abzubauen, welches auf einem falschen Geschichtsbild, in dem der Islam sich mit „Feuer und Schwert“ ausgebreitet hat, beruht.

 

 

2.1 Wann gehen Muslime mit militärischen Mitteln vor?

 

Zusammengefaßt ist zu sagen, daß ein militärischer Eingriff seitens der Muslime nur in folgenden Fällen erlaubt ist[17]:

1.       Zur Selbstverteidigung, wenn ein Angriff auf die Muslime von Seiten der Nichtmuslime erfolgt ist. Allah hat gesagt: „Und kämpft auf dem Weg Allahs gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. Wahrlich, Allah liebt nicht diejenigen, die übertreten.“[2:190]

2.      Um die Religionsfreiheit der Menschen zu garantieren. Etwas weiter unten wird dieser Fall ausführlich behandelt.

3.      Um unterdrückte, schwache Menschen - gleich welcher Religion – zu verteidigen. Maulawi sagt in [Maulawi87]: „Der Muslim hat nicht nur die Pflicht zu kämpfen, um sich selbst und sein Land zu verteidigen, sondern er ist auch verpflichtet zur Verteidigung eines jeden anderen Menschen - egal was für ein Mensch dies ist - zu kämpfen: Allah hat gesagt: "Und was ist mit euch, daß ihr nicht für Allahs Sache kämpft und für die der Schwachen - Männer, Frauen und Kinder -, die sagen: "Unser Herr, führe uns heraus aus dieser Stadt, deren Bewohner ungerecht sind, und gib uns von Dir einen Beschützer, und gib uns von Dir einen Helfer."?"[4:75]...“

 

Im folgenden soll vor allem auf den 2. Fall eingegangen werden.

 Hier ist in zusammengefaßter Form das wiedergegeben, was Dr. Wahbat az-Zuhaili[18], einer der großen Rechtsgelehrten und Qurankommentatoren unserer Zeit, zu diesem Thema gesagt hat:

"Die große Mehrheit der Rechtsgelehrten der malikitischen, hanafitischen und hanbalitischen Rechtsschulen sagt, daß der Beweggrund für den Kampf die Bekriegung, Bekämpfung und Übertretung von Seiten der Kafirun ist - und nicht deren Kufr. Niemand wird allein wegen seines Kufr getötet, sondern aufgrund seines Angriffs gegen den Islam. Es ist nicht erlaubt, diejenigen zu bekämpfen, die nicht den Islam bzw. die Muslime angreifen. Mit diesen Menschen sollen die Muslime auf friedliche Weise umgehen.

...

Wenn es erlaubt wäre, wegen Kufr jemanden zu töten, dann wäre es auch erlaubt, jemanden zum Islam zu zwingen. Dies ist aber aufgrund des eindeutigen Verses "Es gibt keinen Zwang im Din..."[2:256] und aufgrund des Beispiels des Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) untersagt, welcher nie jemanden zur Annahme des Islam gezwungen hat..."[19].

 

Die obige Aussage Az-Zuhailis zitiert Maulawi in seinem Buch "Die Prinzipien der Scharia, auf denen die Beziehungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen gegründet sind"[20] und kommentiert hierzu:

"Wir wollen hier klarstellen, daß mit Bekriegung und Angriff nicht nur gemeint ist, daß Armeen sich zum Kampf formieren. Die Bedeutung von Bekriegung hat einen umfassenderen Sinn. Wenn Menschen davon abgehalten werden, den Islam anzunehmen bzw. versucht wird, sie wieder davon abzubringen, so ist dies auch eine Art der Bekriegung[21] - dies kann sogar manchmal schlimmer als Kampf und Töten sein. Aus diesem Grund hat Allah gesagt:

"...Und fitna[22] ist schlimmer als Töten..."[2:217]

und Er hat gesagt:

"Und kämpft gegen sie, bis es keine fitna mehr gibt und der Din für Allah ist... [2:193]"

und

"Und kämpft gegen sie, bis es keine fitna mehr gibt und der Din ganz für Allah ist... [8:39]"

 

So hat Allah es den Muslimen zur Aufgabe gemacht, allen Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, frei wählen zu können, ob sie den Islam annehmen oder ablehnen wollen. Wenn also die Menschen vom Islam abwegig gemacht werden oder aber sich jemand dagegen stellt, daß die Menschen den Islam kennenlernen oder den Islam annehmen können, so ist dies eine Übertretung. Eine solche Übertretung ist ein Grund für die Muslime, in einen militärischen Krieg einzutreten[23], um die Unterdrückten zu befreien und das Abwegigmachen der Menschen vom Islam zu beseitigen. Der Krieg wird also geführt, damit sich die Menschen frei entscheiden können, was sie wollen. Was die Aussage Allahs "und der Din für Allah ist"[2:193] betrifft, so bedeutet das nicht, daß alle Menschen Muslime werden sollen. Ein solches Verständnis stünde im Widerspruch zu vielen anderen Versen, wie z.B.:

"Und hätte Allah gewollt, so hätte Er sie zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht"[42:8]

und

"doch sie wollten nicht davon ablassen, uneins zu sein"[11:118]

und

".. Und die meisten Menschen werden nicht Mu’minun werden, magst du es auch noch so eifrig wünschen.[12:103].

Das richtige Verständnis der Aussage Allahs "und der Din für Allah ist"[2:193] ist, daß die Menschen ihre Religion bzw. Lebensweise ausschließlich um Allahs Willen wählen - ohne jeglichen Druck und Zwang, selbst wenn sie in unseren Augen eine falsche Wahl treffen würden."[24]

    Wenn das Abwegigmachen aufhört, und die Menschen fern von Zwängen ihre Religion bzw. Lebensweise wählen können, dann hört auch die Androhung mit Kampf bzw. der Kampf auf.


 

2.2 Die militärische Auseinandersetzung der Gefährten des Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) mit den Byzantinern und den Persern

 

Der Normal- bzw. Grundzustand im Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen ist der, in dem die Muslime die Nichtmuslime zum Islam einladen, und nicht der Zustand des Kampfes zwischen beiden

 

Nachdem der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) und die muslimische Gemeinschaft in Medina den ersten islamischen Staat errichtet hatten, begann der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) damit, Gesandte zu den Herrschern der umliegenden Gebiete bzw. Staaten zu entsenden, um diese zum Islam einzuladen. Diese Entsendungen fanden im Zeitraum zwischen den Jahren 6 n.H. bis 10 n.H. statt.

 

Er sandte[25]

·      Duhya bin Khalifa al-Kalbi zum byzantinischen (d.h. oströmischen) Kaiser,

·      Abdullah ibn Hudhafa zum persischen Herrscher,

·      Amr bin Umayya zum Negus, dem Herrscher Abessiniens,

·      Hatib bin abi Baltaa zu Muqauqis, dem Herrscher Alexandrias,

·      Amr bin al-As zu Dschaifar und Ayyan, den Söhnen von Hulundi al-Azdayin, dem Herrscher Omans,

·      Sulait bin Amr zu Tamama bin Athal und Haudha bin Ali al-Hanfaiin, den beiden Herrschern Yamamas,

·      al-Alaa bin al-Hadrami zu Mundhir bin Sawa al-Abdi, dem Herrscher Bahrains,

·      Schadscha' bin Wahab zu Harth bin abi Schamr al-Ghassani, dem Herrscher des Grenzgebietes von Asch-Scham,

·      Schadscha' bin Wahab zu Dschablatu bin Aiham al-Ghassani und

·      Muhadschir ibn Abu Aima al-Makhzumi zu al-Harath bin Abd Kalal al-Humairi, dem Herrscher Jemens.

 

Die Reaktionen auf die Gesandtschaften verliefen unterschiedlich.

 

 

Die Muslime bekämpften die Byzantiner und die Perser, um die unterdrückten Völker davon zu befreien, mit Gewalt vom Islam abgehalten zu werden

 

- Der Grund für die Schlacht von Mu'ta, der ersten Schlacht zwischen den Muslimen und den Byzantinern, war der, daß Scharhabil ibn Amr al-Ghassani, einer der Befehlshaber des byzantinischen Kaisers Heraklios, al-Harith ibn Amr getötet hatte, welcher ein Gesandter des Propheten zum Herrscher von Basra war. Scharhabil hatte ihn gefragt, ob er ein Gesandter von Muhammad sei, was al-Harith ibn Amr bejahte. Daraufhin tötete ihn Scharhabil. Dies war der Grund für die Entsendung einer muslimischen Armee unter Führung von Zaid bin Haritha, um die erste Schlacht gegen die Byzantiner in Mu'ta zu führen. Es war damals und ist bis heute eine allgemein anerkannte Übereinkunft zwischen den Menschen, daß man Botschafter nicht tötet.[26] Nach allen Rechtssystemen der Gegenwart und Vergangenheit kommt der Mord an einem Botschafter einer Kriegserklärung gleich.

In dieser Schlacht siegten die Muslime nicht, da das muslimische Heer nur aus dreitausend Mann bestand. Die Byzantiner hatten hingegen einhunderttausend Mann unter der Führung Theodors, des Bruders von Heraklios, zusammengezogen. Die Muslime hatten eigentlich nicht vorgehabt, die Byzantiner zu bekämpfen; sie wollten lediglich Scharhabil bekämpfen, weil dieser den Botschafter des Propheten getötet hatte. Die Byzantiner unterstützten jedoch die Ghassanis, und so kam es zu mehreren Schlachten, die schließlich dazu führten, daß die Muslime das gesamte Gebiet von Asch-Scham eroberten.

Als die Einladung des Propheten den byzantinischen Kaiser Heraklios erreichte, nahm er anfangs keine ablehnende Haltung ein. Der dort anwesende Abu Sufyan berichtete dem Kaiser genaueres über Muhammad (Allahs Segen und Heil auf ihm). Abu Sufyan war Führer der Muschrikun von Mekka, welche den Muslimen gegenüber feindlich gesinnt waren, und die Muslime zunächst in Mekka verfolgt hatten und später nach der Auswanderung der Muslime nach Medina, gegen sie Kriege geführt hatten. Abu Sufyan wurde später Muslim, zu dem Zeitpunkt jedoch, als er beim byzantinischen Kaiser war, war er noch nicht Muslim. Nach dem Gespräch mit Abu Sufyan sagte Heraklios: "Ich wußte, daß der Prophet kommen würde. Ich habe bloß nicht gedacht, daß er einer von euch sein würde. Wenn ich wüßte, daß ich zu ihm gelangen könnte, würde ich Strapazen auf mich nehmen, um ihn zu treffen. Und wenn ich bei ihm sein würde, würde ich ihm die Füße waschen...". Abu Sufyan berichtet weiter: "Als Heraklios dies gesagt hatte, und mit dem Lesen des Briefes des Gesandten Allahs fertig war, wurde es um ihn herum unruhig. Die Stimmen wurden lauter, und wir wurden herausgeführt...".[27]

 

Diese Aussage Abu Sufyans zeigt den Druck, dem Heraklios von Seiten seiner Gefolgschaft ausgesetzt war, so daß er von einer anfänglichen Annahme der Botschaft Muhammads zu einem Zusammenziehen eines Heeres zur Bekämpfung der Muslime überging. Wenn der Druck auf Heraklios dieses Ausmaß erreichte, wie war dann erst der Druck auf das gewöhnliche Volk?! Wir können nun klar den folgenden Satz verstehen, den der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) in dem Brief an Heraklios gerichtet hat: "...Wenn du dich abwenden solltest, d.h. den Islam ablehnen solltest, so wird die Sünde deiner Untertanen auf dir lasten...".

 

Noch deutlicher wird diese Unterdrückung in der folgenden Überlieferung klar, die in [IbnKathir2] steht:

„Ibn Dscharir berichtet in seinem Geschichtswerk: Ibn Hamid berichtete uns: Salama berichtete uns: Muhammad ibn Ishaq berichtete uns von einem Gelehrten, daß dieser gesagt hat:

Heraklios sagte zu Duhya bin Khalifa al-Kalbi, als dieser zu ihm mit dem Brief des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) kam: „Bei Gott, ich weiß sehr wohl, daß dein Gefährte ein (von Gott) gesandter Prophet ist, und er derjenige ist, auf den wir warteten und den wir (angekündigt) in unserem Buch finden. Jedoch fürchte ich die Byzantiner. Sonst würde ich ihm folgen. Geh zu Safatir, dem Bischof, und berichte ihm über die Angelegenheit eures Gefährten, denn er gilt in den Augen der Byzantiner mehr als ich und kann besser mit ihnen als ich reden. Schau mal, was er dir sagt.“ Daraufhin traf Duhya mit ihm zusammen und berichtete ihm von der Botschaft, mit der er vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) zu Heraklios geschickt wurde und von dem, zu dem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) einlud. Da sagte Safatir: „Bei Gott, euer Gefährte ist ein (von Gott) gesandter Prophet, den wir von seinen Eigenschaften her kennen und der in unserem Buch mit seinem Namen erwähnt ist.“ Dann ging er hinein, zog seine schwarze Kleidung aus und zog anstatt dessen weiße Kleidung an. Dann nahm er seinen Stab und trat hinaus in die Kirche zu den Byzantinern und sagte: „O ihr Byzantiner, zu uns ist ein Brief von Ahmad[28] gekommen, in dem er uns zu Gott einlädt. Ich bezeuge, daß es keinen Gott außer Allah gibt und daß Ahmad Sein Diener und Gesandter ist[29].“ Daraufhin eilten sie auf ihn einheitlich zu und schlugen ihn, bis sie ihn töteten. Als Duhya zu Heraklios zurückkehrte und ihm dies berichtete, sagte er: „Ich sagte dir doch, daß wir sie fürchten. Bei Gott, Safatir galt bei ihnen mehr als ich und hatte mehr Überzeugungskraft ihnen gegenüber, wenn er mit ihnen redete.“

...“[30]

 

 Jetzt wird klar, daß die Muslime die Byzantiner somit aus zwei Gründen bekämpften: Erstens als Vergeltung für den Mord an dem Botschafter des Propheten und zweitens, um den unterdrückten Völkern, die sich unter der Herrschaft der Byzantiner befanden, die Freiheit zu geben, sich frei und ohne Druck für oder gegen die Annahme des Islam zu entscheiden.

 

 

- Nachdem der persische Herrscher den Brief des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) gelesen hatte, zerriß er diesen und ließ Badhan, seinem Statthalter im Jemen, ausrichten, daß er zwei starke Männer zu Muhammad schicken solle, die ihm Muhammad bringen sollten. Badhan führte auch tatsächlich den Befehl aus und schickte zwei Männer zu Muhammad. Jedoch endete die Angelegenheit damit, daß Badhan und seine Männer Muslime wurden und sich der Islam im Süden der arabischen Halbinsel unter den bisherigen Christen und Zoroastriern stark ausbreitete.

 Mit dem Zerreißen des Briefes und dem Entsenden von Soldaten, um den Propheten zum persischen Herrscher zu bringen, hatten die Perser den Muslimen den Krieg erklärt. Berücksichtigt man noch die soziale und religiöse Unterdrückung, die im persischen Reich genauso wie im byzantinischen Reich herrschten, so werden die Gründe für das militärische Eingreifen der Muslime gegen die Perser und die Byzantiner klar: Sie waren einerseits Reaktionen auf eine Kriegserklärung und andererseits Befreiungsaktionen der Völker von Unterdrückung und von Druckausübung bezüglich der Wahl des Din. Die Muslime kämpften dafür, daß jeder Mensch frei und ohne irgendeinen Druck den Din auswählen konnte, den er wollte.

Die Muslime kämpften nicht gegen die Völker selbst, sondern gegen die ungerechten Regime. Deshalb waren die Völker auch auf der Seite der Muslime, selbst wenn sie ihre frühere Religion beibehielten.

 

Im folgenden werden einige Stellen aus dem Buch "Die Einladung zum Islam" des Orientalisten Sir Thomas Arnold zitiert:

 

·      Sir Thomas Arnold zitiert aus dem Buch „Al-Kharadsch“ von Abu Yusuf:

 

"Als Abu Ubaida, der muslimische Heeresführer im Gebiet des Asch-Scham, erfuhr, daß Heraklios ein großes Heer mobilisiert hatte, um gegen die Muslime anzutreten, schrieb er an die Verantwortlichen der von den Muslimen verwalteten Städte, und wies sie an, dem Volk die bezahlte Dschizya[31] wieder zurückzuerstatten. Weiterhin schrieb er zu den Bürgern der Städte: "Wir haben euch euer Geld zurückerstattet, weil uns die Kunde erreicht hat, daß sich ein großes Heer gegen uns gesammelt hat. Weil es aber eine Bedingung des Vertrages zwischen uns und euch war, daß wir euch beschützen, wir jetzt aber nicht in der Lage sind, dies zu tun, erstatten wir euch das zurück, was wir von euch genommen haben. Wir verbleiben bei den Bedingungen, die zwischen uns und euch ausgehandelt wurden, sollte Allah uns gegen die Feinde zum Sieg verhelfen."

  Die Christen beteten daraufhin um Segen für die Führer der Muslime und sagten: "Möge euch Gott zu uns zurückführen und euch gegen die Byzantiner helfen. Wenn sie an eurer Stelle wären, hätten sie uns nichts zurückerstattet, und hätten uns alles genommen, was wir noch haben...“

 

·      Sir Thomas Arnold berichtet auch, wie die Perser die orthodoxen Christen unterdrückt hatten, und wie die Muslime sie von dieser Unterdrückung befreiten:

 

"Im fünften Jahrhundert brachte Busuma, ein nestorianischer[32] Priester, den persischen Herrscher dazu, der orthodoxen Kirche einen schweren Schlag zu versetzen. Es wird berichtet, daß 7800 Kirchenmänner der orthodoxen Kirche und eine riesige Anzahl von weltlichen Bürgern bei dieser Verfolgung abgeschlachtet wurden. Chosroe II. verfolgte die orthodoxen Christen ein weiteres Mal, nachdem die Byzantiner unter Heraklios gegen das persische Reich gekämpft hatten.

  Die islamische tolerante Grundhaltung verbot jedoch ein solches Vorgehen, welches auf Ungerechtigkeit beruht. Vielmehr scheuten die Muslime keine Mühe, um ihre christlichen Bürger gerecht und korrekt zu behandeln. Ein Beispiel dafür ist folgende Begebenheit: Als die Muslime Ägypten eroberten, nutzten die Jakobiter die Gelegenheit, daß die byzantinischen Machthaber nicht mehr da waren, um die orthodoxen Kirchengebäude für sich einzunehmen. Die Muslime jedoch gaben sie ihren rechtmäßigen Eigentümern wieder zurück, nachdem die orthodoxen Christen beweisen konnten, daß die Kirchengebäude ihnen und nicht den Jakobitern gehörten.“

 

·      Sir Thomas Arnold zitiert im selben Buch die Worte des jakobitischen Patriarchs von Antiochia[33], Michael des Großen, nachdem er die Verfolgungen aufzählte, die Heraklios begangen hatte:

 

"...Gott ist der Rächende, und Ihm allein schreiben wir die Macht und die Herrschaft zu; Er führt den Staat der Menschen so, wie Er es will, und Er gibt die Macht, wem Er will und Er erhöht die Niedrigen.

Als Gott sah, wie die üblen Byzantiner von der Gewalt Gebrauch machten, und in ihrem gesamten Reich unsere Kirchen raubten, sich unserer Einsiedeleien bemächtigten, und uns erbarmungslos und mitleidslos verfolgten, schickte Er die Söhne Ismaels aus dem Süden, um uns durch sie aus der Gewalt der Byzantiner zu befreien...".

 

Alle diese Berichte bestätigen folgendes:

 

1.    Die Völker waren unterdrückt, und die Muslime kämpften nur, um die Menschen vom Religionszwang und der Unterdrückung zu befreien;

 

2.    Die Muslime haben tatsächlich die Menschen von der Unterdrückung befreit;

 

3.    die Muslime gaben den Völkern die Freiheit, bei ihrer Religion zu bleiben, oder diese zu wechseln. Wenn es große Wellen von Übertritten zum Islam gab, so lag dies vor allem an dem, was die Menschen im Islam selbst an Menschlichkeit wahrnahmen. Dies bestätigen viele Orientalisten - vor allem Sir Thomas Arnold in dem oben erwähnten Buch "Die Einladung zum Islam".


 

3 Nichtmuslime im islamischen Staat[34]

 

Im Vorwort wurde bereits darauf verwiesen, daß dieses Kapitel keine unmittelbar praktische Relevanz für das Verhältnis der Muslime zu den Nichtmuslimen hier im Westen hat. U.a. aus folgenden Gründen ist der Inhalt dieses Kapitel trotzdem mit in dieses Buch aufgenommen worden:

1.      Um ein umfassendes, ausgeglichenes Gesamtbild vom Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu bekommen, ist es sinnvoll, auch diesen Aspekt bzw. diese Situation zu betrachen;

2.      um sich selbst ein Bild von dem zu machen, wie islamisch eigentlich die heutigen Staaten der muslimischen Welt sind, ist es nötig zu wissen, wie eigentlich ein islamischer Staat - und insbesondere die dortige Behandlung Andersgläubiger - sein sollte.

 

3.1 Die Ahlu-Dhimma (Dhimmis)

 

Die Nichtmuslime in einem islamischen Staat werden als "Ahlu-Dhimma" oder als "Dhimmis" bezeichnet. Qaradawi sagt :

„Das Wort "Dhimma" beinhaltet die Bedeutungen "Vertrag", "Garantie" und "Sicherheit". Die Nichtmuslime im islamischen Staat wurden so genannt, weil sie einen Vertrag mit Allah, Seinem Gesandten und der muslimischen Gemeinschaft abgeschlossen hatten.

 Dieser Vertrag garantiert, daß die Nichtmuslime, die diesen Vertrag mit den Muslimen geschlossen haben, sicher unter dem Schutz des Islam und der muslimischen Gemeinschaft leben können. Diesen Vertrag, der "Dhimma-Vertrag" genannt wird, schließen die Nichtmuslime mit der muslimischen Gemeinschaft ab. Durch diesen Vertrag erlangen die Nichtmuslime das, was man heute eine Staatsbürgerschaft nennt. Sie erlangen dadurch die volle Staatsbürgerschaft mit den entsprechenden Pflichten und Rechten.“

 Sie sind gegenüber den Muslimen keineswegs Bürger zweiter Klasse. Was die Menschen- und Staatsbürgerrechte anbetrifft, sind sie den Muslimen völlig gleichgestellt.

 Der Dhimma-Vertrag ist ein zeitlich unbegrenzter Vertrag, der den Nichtmuslimen den ungestörten Verbleib bei ihrer Religion sichert und sie unter den Schutz der muslimischen Gemeinschaft stellt. Da der Vertrag einen alles umfassenden Schutz garantiert, sind die Nichtmuslime vom Militärdienst befreit. Als Gegenleistung dafür verpflichten sie sich, in Dingen, die nicht die Religion betreffen, die Gesetze des islamischen Staates zu achten und die sog. "Dschizya", eine Abgabe, auf die in Unterkapitel 3.3 näher eingegangen wird, zu entrichten. Die Dschizya ist u.a. auch als Gegenleistung für die Befreiung vom Militärdienst anzusehen. Diese Befreiung rührt daher, daß das muslimische Heer eigentlich um des Islam Willen kämpft, und es wäre nicht gerecht, wenn ein Nichtmuslim gezwungen wäre, in einem solchen Heer mitzukämpfen. Wenn er jedoch mitkämpfen möchte, ist es möglich, daß er von der Dschizya befreit wird, wie dies in der Geschichte öfters der Fall war.

 Ergänzend sollte erwähnt werden, daß nicht nur Juden und Christen im islamischen Staat als Ahlu-Dhimma akzeptiert werden, sondern auch alle anderen Gruppen von Nichtmuslimen. Lediglich in einer Zone um Mekka und Medina dürfen keine Nichtmuslime leben.[35]

 Der Dhimma-Vertrag beinhaltet Rechte und Pflichten für beide Vertragspartner - Muslime und "Ahlu-Dhimma". In den folgenden Unterkapiteln werden die Rechte und Pflichten der "Ahlu-Dhimma" näher erläutert.

 

 

3.2 Die Rechte der Ahlu-Dhimma

 

1- Recht auf Schutz

 

a) Schutz vor Aggression von außerhalb des islamischen Staates

 

b) Schutz vor Unterdrückung innerhalb des islamischen Staates oder von Seiten des islamischen Staates

 

Der Gesandte Gottes (Allahs Segen und Heil auf ihm) hat gesagt:

"Wenn jemand jemanden, mit dem ein Vertrag geschlossen wurde, unterdrückt, eines seiner Rechte beraubt, ihn über seine Kräfte hinaus belastet oder von ihm etwas gegen sein Einverständnis nimmt, so werde ich am Tag der Auferstehung in dieser Sache für denjenigen, mit dem der Vertrag geschlossen wurde, eintreten.“[36]


 

2- Leiblicher Schutz

 

Der Gesandte Gottes (Allahs Segen und Heil auf ihm) hat gesagt:

"Wer jemanden, mit dem ein Vertrag geschlossen wurde, tötet, wird den Geruch des Paradieses nicht riechen, und der Geruch des Paradieses ist in einer Entfernung von 40 Jahren zu riechen."[37]

 

Im Islam steht auf Mord die Todesstrafe. Jedoch hat die Familie des Ermordeten das Recht, dem Mörder zu verzeihen und anstatt dessen ein Blutgeld zu fordern. In diesem Fall wird der Mörder nicht getötet.

 

Einmal wurde zu Ali (Allah möge mit ihm zufrieden sein), dem vierten der sog. rechtschaffenen ersten Kalifen, ein muslimischer Mann gebracht, der einen nichtmuslimischen Staatsbürger getötet hatte. Ali befahl, den Muslim zu töten. Da kam der Bruder des Getöteten und sagte: "Ich habe ihm verziehen." Ali antwortete ihm: "Haben sie dich vielleicht bedroht...?" Der Mann sagte: "Nein. Es bringt mir jedoch auch nicht meinen Bruder zurück, wenn er getötet wird. Sie haben mir aber eine Entschädigung gegeben, und ich bin damit zufrieden." Ali sagte: "Du mußt es wissen. Es ist jedoch so, daß das Blut dessen, der durch das Dhimma-Abkommen unter unserem Schutz steht, so behandelt wird, wie unser eigenes Blut, und daß das für ihn zu entrichtende Blutgeld so wie das für uns zu entrichtende Blutgeld ist."[38]

 

Die Nichtmuslime dürfen auf keinen Fall diskriminiert werden, selbst wenn sie ihrer finanziellen Verpflichtung gegenüber dem Staat - wie z.B. der Dschizya - nicht nachkommen. Die Rechtsgelehrten vertreten die Meinung, daß es in einem solchen Fall als maximale Sanktion gestattet ist, den betreffenden Nichtmuslim zur Zurechtweisung einzusperren. Im Gegensatz dazu werden die Muslime sehr unter Druck gesetzt, damit sie die Zakat[39] bezahlen. Die Zakat gehört zu den Säulen des Islam und ist eine Abgabe, die jeder Muslim entrichten muß, der dazu in der Lage ist.

Wenn ein Nichtmuslim zur Zurechtweisung eingesperrt wird, darf dies keinesfalls mit Folter oder entwürdigenden Maßnahmen verbunden sein.

 Abu Yusuf berichtet in seinem Buch „Al-Kharadsch“: "Einmal sah der Prophetengefährte Hakim bin Haschim in Homs[40] einen Mann, wie er die Menschen in der Sonnenhitze stehen ließ, während sie die Dschizya bezahlten. Da sagte Hakim bin Haschim zu ihm:

"Was soll denn das? Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) sagen: "Allah der Erhabene quält (bzw. bestraft) diejenigen, die im irdischen Leben die Menschen quälen."[41] "  "

 


 

3- Unantastbarkeit des Besitzes

 

In dem Vertrag, den der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) mit den christlichen Einwohnern Nadschrans abschloß, wurde folgendes festgelegt:

"...Nadschran und ihre Gefolgschaft sind unter den Schutz Allahs und Muhammads, des Propheten und Gesandten, gestellt bezüglich ihres Besitztums, ihres Handels und alles, was sich in ihren Händen befindet, sei es viel oder wenig..."[42]

Wenn ein Muslim in einem islamischen Staat eine Alkoholflasche zerstört, welche einem anderen Muslim gehört, so wird er nicht dafür bestraft. Im Gegenteil, dies gilt als Verhinderung eines Übels. Wenn ein Muslim jedoch bei Christen eine Alkoholflasche zerstört, muß er sie ersetzen, weil dies zu ihrem Besitz gehört, der ihnen zusteht.[43]

Der vierte Kalif Ali (Allah möge mit ihm zufrieden sein) sagte: "Die Nichtmuslime entrichten die Dschizya, damit ihr Blut wie unser Blut und ihr Besitztum wie unser Besitztum behandelt wird."

 

Die Behandlung der Nichtmuslime verblieb bei diesem Grundsatz, und zwar die vielen Jahrhunderte der islamischen Herrschaft hindurch.

 Wer also z.B. von einem Nichtmuslim etwas gestohlen hatte, dem wurde genauso die Hand abgeschlagen, wie wenn er von einem Muslim etwas gestohlen hätte.

 


 

4- Schutz der Ehre

 

Der Islam schützt die Ehre des Nichtmuslims im islamischen Staat, so wie er die Ehre des Muslims schützt. Es ist verboten, einem Dhimmi übel nachzureden, ihn zu beleidigen oder ihn ungerechterweise anzuschuldigen.

 

Der malikitische Gelehrte al-Qarafi hat gesagt:

"Durch den Dhimma-Vertrag haben sie Rechte gegenüber uns, weil sie sich unter unserem Schutz und unter unserer Sicherheitsgarantie befinden, wie auch unter dem Schutz und der Sicherheitsgarantie Gottes, Seines Gesandten (Gottes Segen und Heil auf ihm) und der Religion des Islam. Wer sich ihnen gegenüber einer Überschreitung schuldig macht, und sei es nur durch ein schlechtes Wort oder durch üble Nachrede, der hat die Schutzgarantie Gottes, Seines Gesandten (Allahs Segen und Heil auf ihm) und des Islam nicht bewahrt, sondern mißachtet."

 

 

5- Alters-, Sozial- und Pflegeversicherung

 

Ein Dhimmi wird automatisch von der Staatskasse versorgt, wenn er arm, zu alt oder arbeitsunfähig ist. Dies deshalb, weil die Nichtmuslime im islamischen Staat zu denjenigen gehören, die sich unter der Obhut des Staates befinden. Der Prophet (Friede sei mit ihm) hat gesagt: "Ihr alle seid Hirten, und jeder Hirte ist verantwortlich für seine Herde."[44]

  Der muslimische Heerführer und Prophetengefährte Khalid ibn Walid schrieb im Dhimma-Vertrag mit den Bewohnern von Hira im Irak, welche Christen waren, folgendes: "..Folgende Dhimmis sind von der Dschizya befreit, und sie und ihre Familien werden aus der muslimischen Staatskasse versorgt, solange sie sich im Land des Islam (d.h. im islamischen Staat) aufhalten:

·      ein arbeitsunfähiger Greis;

·      jemand, der von Schicksalsschlägen heimgesucht wurde;

·      jemand, der reich war, aber verarmt ist und auf dem Schulden lasten, und dem man nun Almosen gibt.

..."[45]

 

Umar, der zweite Kalif, sah einmal einen alten jüdischen Mann, wie er vor den Leuten bettelte. Er erfuhr, daß sein Alter und die Bedürftigkeit ihn dazu trieben. Da nahm er ihn und ging mit ihm zur muslimischen Staatskasse und befahl, daß man ihn und seinesgleichen ausreichend versorgen solle, und sagte: "Wir haben uns nicht gerecht zu ihm verhalten, da wir von ihm die Dschizya nahmen, solange er ein junger Mann war, und ihn nun fallen lassen und nicht unterstützen, da er nun ein alter und arbeitsunfähiger Mann geworden ist."[46]

 


 

6- Bekenntnisfreiheit und Recht auf freie Religionsausübung

 

Der Islam schützt das Recht auf freie Entfaltung der Nichtmuslime im islamischen Staat. Dazu gehört zuallererst die Religionsfreiheit und das Recht auf freie Religionsausübung.

So steht im Quran:

"Es gibt keinen Zwang im Din..."[2:255]

und

"Willst du etwa die Menschen zwingen, daß sie Mu’minun werden?!"[10:99]

 

Der große klassische Qurankommentator Ibn Kathir sagt in seinem Kommentar zum ersten der beiden oben angeführten Verse folgendes: "Dies bedeutet: Zwingt niemanden dazu, den Islam anzunehmen, denn der Islam ist offen klargelegt, die Hinweise und Beweise für seine Wahrheit sind klar und deutlich. Der Islam hat es nicht nötig, daß irgend jemand gezwungen wird, ihn anzunehmen. Es ist vielmehr so, daß jeder, den Gott zum Islam leitet, und dem Er seine Brust weitet und seine geistige Wahrnehmenungskraft erleuchtet, den Islam aufgrund eines Beweises annimmt. Wem hingegen Gott das Herz blind gemacht hat und Siegel vor Augen und Ohren gelegt hat, dem nützt es auch nichts, wenn er zwangsweise den Islam annimmt."

Der Islam ist kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern die Überzeugung des Herzens und eine Ergebenheit des Herzens vor Gott dem Schöpfer. Es nützt einem vor Gott ohnehin nichts, wenn man ohne innerliche Überzeugung zum Islam gezwungen wurde.

Und so ist es auch leicht erklärlich, daß es nie in der Geschichte vorkam, daß ein muslimisches Volk seine nichtmuslimischen Bürger zum Islam zwang. Niemals gab es Zwangsbekehrungen[47].

Vielmehr schützt der Islam die freie Religionsausübung der Nichtmuslime und deren Heiligtümer. Nach dem Quran ist es erlaubt, einen Krieg zu führen, um das Recht auf freie Ausübung von Gottesdienst zu gewährleisten.

Im Quran heißt es:

"Die Erlaubnis, sich zu verteidigen, ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah - und Gott hat wahrlich die Macht, ihnen zu helfen - , jenen, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sagten: "Unser Herr ist Gott." Und wenn Gott nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiß Klausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Gottes oft genannt wird, niedergerissen worden. Und Gott wird sicher dem beistehen, der Ihm beisteht. Gott ist wahrlich Allmächtig, Erhaben." [22:39-40]

 


 

7- Recht auf freie Berufswahl und -ausübung

 

Die Nichtmuslime dürfen genauso freie selbständige bzw. nichtselbständige Berufe ausüben wie Muslime[48].

 

Dabei gibt es jedoch eine Einschränkung, die auch für Muslime gültig ist, nämlich daß keine Verträge abgeschlossen werden dürfen, bei denen Zinsen genommen werden.

Im Islam gilt Zinsgeschäft als schwere Sünde, da es eine Ausbeutung und ein Zugrunderichten anderer bedeutet.

Einmal schrieb der Gesandte Gottes zu den Zoroastriern von Hidschr: "Entweder ihr hört auf mit dem Zinsgeschäft oder euch wird der Krieg von Gott und Seinem Gesandten erklärt."[49]

 

 

8- Recht auf Ausübung staatlicher Ämter

 

Ausgenommen sind davon Ämter, bei denen der religiöse Charakter überwiegt, wie z.B.

 

·      das Kalifenamt, denn der Kalif ist der Nachfolger des Propheten;

·      Richter zwischen Muslimen: Es wird von einem Nichtmuslim nicht verlangt, nach einem Recht zu richten, an das er nicht glaubt;

·      Heerführer; denn im Islam ist der Dschihad[50] ein herausragender islamischer Gottesdienst. Hingegen kann ein Nichtmuslim sehr wohl Soldat im muslimischen Heer sein, wie bereits erwähnt.

 

 

9- Sicherheitsgarantien bzw. Bürgschaften für die obengenannten Rechte

 

Das islamische Recht, die Scharia, sieht all diese Rechte für die Nichtmuslime vor. Wer aber bürgt dafür, daß sie tatsächlich umgesetzt werden?

 

Dies ist eine berechtigte Frage, da es viele von Menschen gemachte Gesetzgebungen gibt, die die Gleichbehandlung der Bürger bezüglich der Rechte und Pflichten festlegen. Aber oft bleiben dies lediglich leere Worte auf dem Papier, weil etwa Willkür oder nationale Gefühle Überhand nehmen, welche die Gesetze nicht unter Kontrolle bringen können aus dem einfachen Grund, weil das Volk innerlich nicht von der Unantastbarkeit und Heiligkeit dieser Gesetze überzeugt ist. So haben wohl wahrscheinlich die wenigsten hier in Deutschland ein schlechtes Gewissen, wenn sie bei der Steuererklärung nicht alles aufführen. Ein anderes Beispiel ist raubkopierte Software. Der Softwarebranche wird jährlich ein Verlust in Milliardenhöhe zugefügt, weil sehr viele Anwender einfach Computerprogramme raubkopieren, obwohl dies gesetzlich verboten und keineswegs ein "Kavaliersdelikt" ist. Es ist lediglich schwer nachweisbar, ob jemand raubkopierte Software auf seinem Heimcomputer laufen hat.

 

Im islamischen Staat gibt es zwei Bürgen, die bei Muslimen für die Einhaltung der Gesetze sorgen:

 

1. Die islamischen Din-Lehrsätze

 

Nur wer sich dem Willen Gottes und Seinen Anweisungen unterordnet und mit ihnen zufrieden ist, ist ein wirklich gottergebener Muslim.

So steht im Quran:

"Und es ziemt sich nicht für einen Mu’min oder eine Mu’mina, daß sie - wenn Gott und Sein Gesandter eine Angelegenheit beschlossen haben - eine andere Wahl in ihrer Angelegenheit treffen..."[33:36]

 

Und so versucht auch jeder gute Muslim, die islamischen Vorschriften im persönlichen wie auch im öffentlichen Bereich in die Tat umzusetzen, gleich, ob er dabei verwandtschaftliche oder feindselige Gefühle überwinden muß.

Gott sagt im Quran:

"O ihr Mu’minun, seid auf der Hut bei der Wahrnehmung der Gerechtigkeit und seid Zeugen für Gott, auch dann, wenn es gegen euch selbst oder gegen die Eltern und Verwandten geht."[4:135]

An einer anderen Stelle steht im Quran:

"O ihr Mu’minun! Setzt euch für Gott ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Und der Haß gegen eine Gruppe soll euch nicht dazu verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist der Gerechtigkeit näher. Und fürchtet Gott; wahrlich, Gott weiß sehr wohl, was ihr tut."[5:8]

 

Dieser Punkt zeigt eines deutlich auf: Das Funktionieren eines islamischen Staates ist stark davon abhängig, wie stark der Iman der Muslime ist, die diesen Staat führen, und in welchem Grad sie sich an den Islam halten. Es ist also klar, daß ohne gute Muslime ein islamischer Staat schwer vorstellbar ist.[51]

Wenn heute in vielen Staaten mit überwiegend muslimischer Bevölkerung beispielsweise Korruption herrscht, so liegt das meistens am fehlenden islamischen Bewußtsein der Muslime. Ebenso, wenn ein Beamter in einem muslimischen Land eine halbe Stunde seines Achtstundentags wirklich arbeitet und den Rest mit Kaffeetrinken und Plaudern verbringt.

 Das fehlende islamische Bewußtsein ist der Hauptfaktor für die Rückständigkeit der islamischen Welt gegenüber dem Westen.

 

2. Die islamische Gesellschaft

 

Die islamische Gesellschaft ist dafür verantwortlich und bürgt dafür, daß das islamische Recht durchgesetzt wird. Wenn jemand vom richtigen Weg abweicht, muß es einen anderen geben, der ihn zum Guten auffordert oder es nicht nur bei der Aufforderung beläßt, sondern durch eigenen Einsatz versucht, ihn wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

 

Die Rechte der Nichtmuslime sind auch ein Teil des islamischen Rechts. Geschieht einem Nichtmuslim Unrecht von Seiten eines Muslims, wendet er sich an den lokalen Verwalter. Passiert ihm Ungerechtigkeit von Seiten des lokalen Verwalters, wendet er sich an den Kalifen, welcher das Staatsoberhaupt des islamischen Staates ist. Gelangt er nicht zum Kalifen[52] bzw. gewährt dieser ihm nicht sein Recht, so ist die islamische öffentliche Meinung, die von den Rechtsgelehrten vertreten wird, auf seiner Seite.

Die folgenden Berichte geben hierfür Beispiele:

 

·      Zur Amtszeit Umars, des zweiten Kalifen, war Amr bin al-As der Statthalter Ägyptens. Der Sohn Amrs hatte den Sohn eines christlichen Kopten mit der Peitsche geschlagen und zu ihm gesagt: "Ich bin der Sohn der Edleren." Der Kopte, also der Vater, ging zum Kalifen Umar nach Medina und beschwerte sich. Daraufhin bestellte Umar seinen Statthalter Amr und dessen Sohn zu sich, gab die Peitsche dem Sohn des Kopten in die Hand und sagte: "Schlage den Sohn der Edleren." Als er fertig war, wandte Umar sich zu ihm und sagte: "Peitsche nun Amr auf seine Glatze, denn er hat dich mit seiner Macht geschlagen." Der Kopte sagte: "Ich habe denjenigen geschlagen, der mich geschlagen hat." Daraufhin wandte sich der Kalif Umar zu Amr und sagte sein berühmtes Wort: "O Amr, seit wann macht ihr die Menschen zu Knechten, wo doch ihre Mütter sie als freie Menschen geboren haben?"

 

·      Der folgende Bericht zeigt, wie sich der Gelehrte Imam al-Auza'i gegen den abbasidischen Statthalter seiner Zeit stellte und die Nichtmuslime im Libanon verteidigte und in Schutz nahm: Der Statthalter hatte eine Gruppe von Nichtmuslimen aus einem Gebiet im Libanon vertrieben, weil ein Teil von ihnen gegen denjenigen meuterte, der die Bodensteuer einsammelte. Dieser Statthalter war ein Verwandter des Kalifen und gehörte zu seinen loyalen Leuten. Imam al-Auza'i schrieb daraufhin einen langen Brief an den Statthalter. U.a. stand in dem Brief folgendes: "Wie kannst du die Allgemeinheit wegen der Sünden Einzelner strafen, so daß sie aus ihren Häusern und von ihrem Besitz vertrieben werden? Gott hat doch im Quran festgelegt: "...daß keine Seele die Last einer anderen tragen soll?"[53:38], und das Wort Gottes hat am meisten Recht, daß man bei ihm stehen bleibt und sich danach richtet. Und die wichtigste Verfügung, die du befolgen und dir zu Herzen nehmen solltest, ist die Verfügung des Gesandten Gottes (Gottes Segen und Heil seien auf ihm), der gesagt hat: "Wer einen nichtmuslimischen Staatsbürger unterdrückt oder ihn über seine Kräfte hinaus belastet, den werde ich am Tag der Auferstehung in dieser Sache in Vertretung des Nichtmuslims anklagen."....Die nichtmuslimischen Staatsbürger sind wahrlich keine Sklaven, so daß du dir erlauben kannst, sie von einem Ort an den anderen zu verfrachten. Sie sind vielmehr freie Menschen und Leute, die eine Schutzgarantie genießen."[53]

 

Weitere Beispiele sind in [Qaradawi1992] nachzulesen.

 


 

3.3 Die Pflichten der Ahlu-Dhimma

 

Als Gegenleistung für die im vorigen Unterkapitel aufgezeigten Rechte haben die Ahlu-Dhimma auch einige Pflichten, welche man in drei Punkten zusammenfassen kann:

 

1.    Finanzielle Verpflichtungen: die Dschizya, den Kharadsch, der der heutigen Grundbesitzsteuer entspricht, sowie die Handelssteuer;[54]

2.    die Verpflichtung, sich an den Teil der islamischen Verfassung bzw. Gesetzgebung zu halten, der die weltlichen Beziehungen regelt;

3.    die Pflicht, die islamischen Riten zu respektieren und die Gefühle der Muslime nicht zu verletzen.

 

 

Die Dschizya

 

Die Dschizya ist eine jährlich zu entrichtende Steuer, welche von denjenigen nichtmuslimischen Männern verlangt wird, welche dazu in der Lage sind. Die Höhe der Dschizya ist abhängig vom Besitz. Die Armen sind davon gänzlich befreit entsprechend der Aussage Allahs: "Allah mutet keiner Seele etwas zu, außer das, was Er ihr gegeben hat."[65:7].

 Der Umfang der Dschizya ist nicht absolut festgelegt, sondern ist der Abwägung des Befehlshabers überlassen, der deren Umfang entsprechend den Möglichkeiten des Dhimmi und unter Berücksichtigung von Zeit- und Ortsumständen festlegt.

 

Die Forderung der Dschizya geht auf den Quran zurück. In Sure at-Tauba  heißt es:

"Kämpft gegen diejenigen, die nicht Iman an Allah und an den Jüngsten Tag haben, und die das nicht für verboten erklären, was Allah und Sein Gesandter für verboten erklärt haben, und die nicht dem wahren Din folgen - von denen, die die Schrift erhalten haben, bis sie eigenhändig die Dschizya in voller Unterwerfung entrichten. [9:29]"

Die Anweisung zum Kampf ist hier im Zusammenhang mit den in Kap.2 geschilderten Umständen zu sehen. D.h. es kommt erst zum Kampf, nachdem die Nichtmuslime, die ja durchaus auch z.B. Christen oder Juden sein können, damit angefangen haben, gegen den Islam und die Muslime zu kämpfen. Wenn dann die Muslime ihrerseits eine Kriegserklärung machen, so wird der Kampf natürlicherweise erst dann aufhören, wenn sich die Nichtmuslime unterwerfen bzw. einen dauerhaften Friedensvertrag mit den Muslimen eingehen. Dieser dauerhafte Friedensvertrag ist der Dhimma-Vertrag, in dem die Dschizya das hervorstechendste Merkmal ist. Ergänzend sollte erwähnt werden, daß es rechtmäßig und auch in der Geschichte vorgekommen ist[55], daß es zu einem Friedensvertrag kommt, ohne daß dabei die Dschizya von den Nichtmuslimen bezahlt werden muß, solange zwei Bedingungen erfüllt sind: Erstens, daß die Nichtmuslime keinen anderen Feind der Muslime gegen die Muslime unterstützen und zweitens, daß sie nicht versuchen, die Menschen vom Islam abzubringen.[56]

 

Die Dschizya ist auch eine finanzielle Gegenleistung des Dhimmi für seine Befreiung vom Militärdienst im islamischen Heer. Die Befreiung vom Militärdienst rührt daher, daß das muslimische Heer eigentlich um des Islam willen kämpft, und so wäre es nicht gerecht, wenn ein Nichtmuslim gezwungen wäre, in solch einem Heer mitzukämpfen. Der Gewissenskonflikt, der sich für jemanden stellt, der nicht an eine bestimmte Ideologie oder Religion glaubt, jedoch für sie mit Waffengewalt eintreten muß, wird heutzutage hier in Deutschland besonders deutlich, wo es viele Kriegsdienstverweigerer gibt.

 Zurück zum islamischen Staat. Wenn ein nichtmuslimischer Staatsbürger jedoch im Heer des islamischen Staates mitkämpfen möchte, ist es möglich, daß er von der Dschizya befreit wird. Von diesem Aspekt aus gesehen wird es auch klar, warum die Dschizya nur von Männern erhoben wird, die in der Lage sind, eine Waffe zu führen - nicht aber von Frauen und Kindern.

 Da jedoch auch die nichtmuslimischen Staatsbürger vom islamischen Heer vor einem ausländischen Aggressor beschützt werden, müssen sie zumindest einen finanziellen Beitrag zur Deckung der Verteidigungskosten beisteuern. Das ist die Dschizya.

   Dieser Sinn wird im bereits in Kap.2 erwähnten Bericht von Abu Yusuf aus seinem Buch Al-Kharadsch deutlich: "Als Abu Ubaida, der muslimische Heeresführer im Gebiet des Asch-Scham[57], erfuhr, daß Heraklios ein großes Heer mobilisiert hatte, um gegen die Muslime anzutreten, schrieb er an die Verantwortlichen der von den Muslimen verwalteten Städte, und wies sie an, dem Volk die bezahlte Dschizya wieder zurückzuerstatten. Weiterhin schrieb er zu den Bürgern der Städte: "Wir haben euch euer Geld zurückerstattet, weil uns die Kunde erreicht hat, daß sich ein Heer gegen uns gesammelt hat. Weil es aber eine Bedingung des Vertrages zwischen uns und euch war, daß wir euch beschützen, wir jetzt aber nicht in der Lage sind, dies zu tun, erstatten wir euch das zurück, was wir von euch genommen haben. Wir verbleiben bei den Bedingungen, die zwischen uns und euch ausgehandelt wurden, sollte uns Allah gegen die Feinde zum Sieg verhelfen"..."

  Wenn also der islamische Staat nicht mehr in der Lage sein sollte, den militärischen Schutz der nichtmuslimischen Staatsbürger zu garantieren, hat er auch kein Recht mehr, die Dschizya zu erheben.

 

Die Verpflichtung, sich an die Gesetzgebung des islamischen Staates zu halten

 

Als Staatsbürger des islamischen Staates haben sich auch die Nichtmuslime an die Gesetze des Staates zu halten, sofern sie nicht ihre Religion und ihre Religionsfreiheit berühren. So brauchen sie z.B. nicht die gottesdienstlichen Pflichten der Muslime zu erfüllen. Dazu gehören z.B. die Zakat und der Dschihad. Die Zakat ist für die Muslime gleichzeitig eine religiöse Pflicht und eine Steuer. Ebenso ist der Dschihad eine religiöse Pflicht wie auch ein Wehrdienst. Da den Nichtmuslimen diese beiden Dinge nicht auferlegt sind, müssen sie als Ersatz die Dschizya bezahlen, die eine Steuer darstellt und gleichzeitig hilft, die Verteidigungskosten zu decken. Somit werden also die beiden weltlichen Aspekte der Zakat und des Dschihad durch die Dschizya abgedeckt.

  Auch müssen die Nichtmuslime im persönlichen wie auch im gesellschaftlichen Bereich nicht auf das verzichten, was ihnen ihre jeweilige Religion erlaubt - selbst wenn es für einen Muslim verboten ist. Beispiele hierfür sind Dinge, die ihre Heirats- und Scheidungsgesetze betreffen, das Essen von Schweinefleisch und das Trinken von Alkohol.

 

Was jedoch das islamische Recht bezüglich Mord, Eigentum oder Verletzung der Ehre angeht, so müssen sich die Nichtmuslime der Scharia unterordnen. Wenn also ein Dhimmi einen Diebstahl begangen hat, so wird er so bestraft, wie das islamische Recht es für den Fall eines Diebstahls vorsieht. Ebenso wird ein Nichtmuslim für Verbrechen wie Wegelagerei, Unzucht, Verleumdung einer unbescholtenen Frau usw. genauso wie ein Muslim bestraft.

 Das gleiche gilt für Dinge wie Handel und Verträge. Hier sind die Nichtmuslime an die gleichen Gesetze gebunden wie die Muslime, mit einer Ausnahme: Christen dürfen nach der Ansicht vieler Rechtsgelehrten auch mit Schweinefleisch und Alkohol handeln unter der Bedingung, das dies nicht offen geschieht. Das Zinsnehmen ist jedoch für alle - für Muslime wie auch für Nichtmuslime - verboten.


 

Die Pflicht, die Gefühle der Muslime zu respektieren

 

Die Nichtmuslime dürfen nicht offenkundig den Islam, den Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) und den Quran beleidigen.

 Ebenso dürfen sie aus Rücksicht auf ihre muslimischen Mitbürger im Ramadan nicht öffentlich essen oder trinken.[58]

 

Allgemein kann man folgendes sagen: Alles, was der Islam als ein Übel ansieht, was jedoch gemäß der Religion der Nichtmuslime erlaubt ist, dürfen die Nichtmuslime, wenn sie es tun wollen, privat tun und nicht in einer Art, die provozierend auf die große Mehrheit der Muslime wirkt. Diese Einschränkungen der Nichtmuslime dienen dem Frieden und der Harmonie innerhalb der Gesellschaft, die aus Muslimen und Nichtmuslimen besteht.

 

 


 

4 Toleranz im Islam[59]

 

 

4.1 Stufen der Toleranz

 

Wenn wir hier über Toleranz sprechen, dann ist die Toleranz gemeint, die man gegenüber jemanden hat, der eine andere Religion bzw. Weltanschauung hat - und zwar dann, wenn man selbst in einer starken Position gegenüber dem anderen ist, also Macht über ihn besitzt. D.h. man ist selbst in einer Position, in der man den anderen unterdrücken könnte, statt dessen zeigt man jedoch aus freien Stücken heraus Toleranz.

 Diese Toleranz, die man gegenüber einem Andersdenkenden haben kann, hat verschiedene Stufen.

 Die unterste Stufe der Toleranz besteht darin, dem anderen die Freiheit zu geben, seine eigene Religion bzw. Überzeugung zu haben, ohne ihm jedoch die Möglichkeit zu geben, seine religiösen Pflichten zu erfüllen bzw. Dinge zu vermeiden, die für ihn ein religiöses Verbot darstellen. D.h. also, daß man niemanden zwangsbekehrt in dem Sinne, daß, wenn er sich dagegen stellen würde, er zu Folter, zum Tode oder Ähnlichem verurteilt würde, wie das z.B. die spanischen Eroberer Andalusiens taten, welche den dort ansässigen Muslimen und Juden nur die Wahl ließen, Christen zu werden, getötet zu werden oder zu fliehen.

 Eine nächste Toleranzstufe ist die, daß man dem Andersdenkenden die Gedanken- bzw. Religionsfreiheit zugesteht und ihm zusätzlich die Möglichkeit gibt, seine religiösen Pflichten zu erfüllen und sich von Verboten seiner Religion fernzuhalten. Ein Beispiel hierfür wäre, daß man einem Christen die Möglichkeit gibt, Sonntags in die Kirche zu gehen und dem Juden am Samstag, der für ihn den Sabbat darstellt, keine Arbeit auferlegt. Bei dieser Toleranzstufe müßte also ein nichtjüdischer Arbeitgeber seinen jüdischen Arbeitnehmer für den Samstag freistellen, ohne daß dem jüdischen Arbeitnehmer irgendwelche Konsequenzen, wie z.B. Entlassung, drohen würden.

 Die nächste Toleranzstufe besteht darin, daß man dem Andersdenkenden das zugesteht, was nach seiner Anschauung bzw. Religion erlaubt ist, obwohl es für einen selbst verboten ist. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn man in einem von Muslimen beherrschten Land einem Christen zugesteht, Alkohol zu trinken bzw. Schweinefleisch zu essen. Für einen Christen ist es ja keineswegs eine Pflicht, im alltäglichen Leben Alkohol zu trinken bzw. Schweinefleisch zu essen. Als derjenige, der die Macht in der Hand hält, ist man jedoch trotzdem so tolerant, dem anderen hier völlige Freiheit zu gewähren, obwohl es für einen Christen eigentlich kein großes Problem wäre, auf diese Dinge zu verzichten. Entsprechend würde diese Toleranzstufe bedeuten, daß z.B. ein Muslim in einem westlich-demokratisch orientierten Land mehrere Frauen heiraten dürfte.

 

Im folgenden wollen wir an diesen Kriterien messen, wie tolerant ein islamischer Staat bzw. die islamische Gesellschaft ist.


 

4.2 Auf welcher Toleranzstufe steht die islamische Gesellschaft bzw. der islamische Staat?

 

Was die unterste Toleranzstufe angeht, so erfüllt der islamische Staat deren Kriterien, da jeder seine Religion bzw. Geisteshaltung behalten darf gemäß der quranischen Anweisung: "Es gibt keinen Zwang im Din."[2:256] Ein Christ, Jude, Hindu, Buddhist, Atheist oder Anhänger irgend einer anderen Religion wird also nicht gezwungen, den Islam anzunehmen.

 Auch erfüllt die islamische Gesellschaft die Kriterien der zweiten Stufe. Z.B. wird jedem Christen gewährt, seinen Gottesdienst am Sonntag in der Kirche abzuhalten und ein Jude wird nicht unter Druck gesetzt, wenn er am Samstag nicht arbeiten will.

 Vielmehr steht die islamische Gesellschaft bzw. der islamische Staat auf der dritten und höchsten der obengenannten Toleranzstufen. 

 Im islamischen Kalifat der Vergangenheit durften die Nichtmuslime all das tun, was gemäß ihrer eigenen Religion erlaubt war. Beschränkungen hierin, wie z.B. das Zinsverbot, wurden bereits in Kap.3 erwähnt. Die islamische Gesellschaft gab den Nichtmuslimen diese Freiheiten, obwohl sie diese Dinge ja eigentlich hätte unterbinden können, ohne daß der Vorwurf der Unterdrückung oder der Intoleranz laut geworden wäre. So ist es z.B. einem Zoroastrier[60] erlaubt, seine Mutter oder Schwester zu heiraten. Er könnte aber ebenso eine andere Frau heiraten, ohne daß er irgendwelche religiösen Probleme bekommen würde. Ebenso könnte ein Christ ohne das Essen von Schweinefleisch ganz gut leben. Ebenso verhält es sich mit dem Alkohol.

 Wenn also der Islam zu den Dhimmis gesagt hätte: "Ihr dürft keine nahen Verwandten wie Mutter oder Schwester heiraten, keinen Alkohol trinken und kein Schweinefleisch essen, damit ihr nicht die Gefühle eurer muslimischen Brüder und Schwestern verletzt", so hätten sie damit keine religiösen Probleme.

 Trotzdem hat der Islam dies nicht gesagt und er will nicht , daß sich die Nichtmuslime in dem einschränken, was ihrer Religion gemäß erlaubt ist. Vielmehr sagt der Islam zu den Muslimen: "Laßt die Nichtmuslime bezüglich ihrer Lebensweise in Ruhe!"[61]

 

Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß der Islam auf der höchsten der obengenannten Toleranzstufen steht und daß es im islamischen Staat bzw. in der islamischen Gesellschaft nicht um eine Integration im Sinne einer Anpassung der Minderheit an die Mehrheit geht. Vielmehr geht es im islamischen Staat um ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen, also in diesem Sinne um eine echte multikulturelle Gesellschaft. Der Islam ist dabei die Schutzmacht, weil der Islam die einzige Religion ist, die die Freiheit Andersgläubiger gewährleistet. Die Nichtmuslime genießen also im islamischen Staat in einem hohen Grad Rechtsautonomie.[62]

Auch die Geschichte Europas zeigt dies auf: Es ist bekannt, daß es in Europa in der Vergangenheit nur zweimal wirklich multikulturelle Gesellschaften gab – im muslimisch regierten Spanien bzw. Andalusien 800 Jahre hindurch und später 500 Jahre lang auf dem Balkan unter der Herrschaft der muslimischen Osmanen. In diesen 500 Jahren behielten Serben und Griechen sowohl ihre Kultur, ihre Religion und als auch ihre Sprache. Als die Juden zusammen mit den Muslimen aus Spanien vertrieben wurden, flohen die Juden auf die andere Seite Europas – auf den muslimisch regierten Balkan - und andere muslimische Gebiete. Auch ins heutige Tunesien, daß damals zum osmanischen Reich gehörte, wanderten Juden nach ihrer Vertreibung aus Europa ein. Sie begründeteten dort Universitäten und Synagogen. Auf einer dortigen vorgelagerten Insel befindet sich noch heute ein wichtiges jüdisches Kulturzentrum.

 Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, daß die multikulturelle, tolerante Gesellschaft in Andalusien, in der die Wissenschaft blühte, der Auslöser für die europäische Aufklärung und Renaissance war. Denn über Andalusien erfolgte ein großer Teil des Wissenschaftstranfers[63] aus dem islamischen Reich nach Europa. Und die Wissenschaftler schließlich waren es, die in Europa den Kampf gegen die Kirche des dunklen Mittelalters aufnahmen und schließlich auch gewannen, so daß anstelle der kirchlichen Unterdrückung Freiheit treten konnte.

In den muslimischen Ländern entfernten sich indes im Laufe der folgenden Jahrhunderte die Menschen und deren Regierungen im allgemeinen immer mehr vom richtigen Verständnis und der richtigen Umsetzung des Islam, was schließlich zum Untergang des nach islamischem Recht geführten Kalifats zu Anfang dieses Jahrhunderts führte. Und trat an Stelle der Freiheit und wissenschaftlichen Hochkultur des weitgehend nach islamischen Prinzipien geführten Mittelalters der muslimischen Länder die Unterdrückung und Rückständigkeit der modernen muslimischen Welt, wo außer im privaten Bereich bis auf wenige Ausnahmen kaum noch nach islamischen Prinzipien gehandelt wird. Diesem Verfall steuert heute die islamische Bewegung in den muslimischen Ländern entgegen, welche für eine Rückkehr zu den islamischen Prinzipien eintritt – eine Rückkehr zu islamischen Prinzipien, die im muslimischen Mittelalter umgesetzt wurden – nicht eine Rückkehr zu einem dunklen, von einer Kirche dominierten Mittelalter. Eine Kirche gibt es im Islam nicht.[64]

 

In den folgenden beiden Abschnitten werden die geistigen Grundlagen im Islam und bei den Muslimen dargestellt, die zu der toleranten Einstellung gegenüber Andersdenkenden bzw. Andersgläubigen führen.


 

4.3 Der Geist der Toleranz bei den Muslimen

 

Es gibt etwas in der Verhaltensweise von Muslimen gegenüber Nichtmuslimen, das man schlecht in Form von Gesetzesverordnungen und Anweisungen fassen kann  - man könnte es als den "Geist der Toleranz" bezeichnen, der sich bemerkbar macht in Form von gutem und freundlichem Umgang, der Pflege einer guten Nachbarschaft und einem Verhalten gegenüber dem anderen, welches durch Barmherzigkeit und Güte geprägt ist. Dies sind Dinge, die im alltäglichen Leben gebraucht werden, um ein harmonisches Zusammenleben zu gewährleisten.

 Heutzutage kann man ein solches Zusammenleben noch in vielen Gegenden der islamischen Welt finden, in denen der Islam und dessen Werte für die Menschen im alltäglichen Leben eine zentrale Rolle spielen. Im Gegensatz zur westlichen Welt, in der sich häufig die Nachbarn in einem Haus nicht einmal kennen. Die Folgen einer solchen sozialen Unterkühlung, Isolierung und Wertelosigkeit, die typisch für die von Materialismus und Individualismus geprägte westliche Gesellschaft sind, kann man leicht an den hohen Selbstmordraten in der Schweiz und Schweden sehen, obwohl den Bürgern in diesen beiden Ländern vom Staat aus wohl der höchste materielle Lebensstandard gewährt wird. Aber auch hier in Deutschland leben viele Menschen in sozialer Isolation, wobei dann oft ein Hund oder das Fernsehen das Bedürfnis nach Kontakt befriedigen soll. Dies, obwohl der Großteil der Gesellschaft im Grunde die gleiche ideologische Einstellung hat. Die meisten sind christlicher Abstammung und glauben an die westliche Demokratie.

   In einer islamischen Gesellschaft gilt dagegen der Grundsatz, daß alle Mitglieder der Gesellschaft, gleich welcher Religion, in Güte, gegenseitiger Hilfe und Harmonie zusammenleben. Im folgenden werden einige anschauliche Beispiele aus der Geschichte gegeben.

 

Vor allem der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) zeigte den Muslimen durch seine Verhaltensweise gegenüber Juden, Christen und Muschrikun, wie tolerant man zu Andersgläubigen sein soll. So pflegte er sie zu besuchen, ihnen Güte zu erweisen, Kranke zu besuchen, von ihnen etwas zu leihen und ihnen etwas zu geben.

 Ibn Ishaq erwähnt in seiner Prophetenbiographie, daß eine christliche Gesandtschaft aus Nadschran zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) nach Medina kam. Sie traten nach der Zeit des muslimischen Nachmittagsgebets in die Moschee zum Propheten ein. Es war gerade ihre Gebetszeit, und so standen sie auf, um in der Moschee das christliche Gebet zu verrichten. Einige der Muslime wollten sie daran hindern. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) sagte jedoch: "Laßt sie". Da wandten sich die Christen gen Osten und fingen an zu beten.

 Ibn al-Qayyim geht auf diese Begebenheit in seinem Buch  "Die Rechtleitung des Propheten"[65] ein, und folgert bezüglich des islamischen Rechts (Fiqh) daraus: "Es ist erlaubt, daß die Ahlul-kitab[66] muslimische Moscheen betreten...und es darf den Ahlul-kitab möglich gemacht werden, ihr Gebet in Anwesenheit der Muslime zu verrichten - auch in muslimischen Moscheen, für den Fall, daß gerade die Gebetszeit der Ahlul-kitab gekommen ist. Ihnen darf jedoch nicht die Möglichkeit gegeben werden, dies regelmäßig zu tun."

 Buchari berichtet, daß der Prophet einen Krankenbesuch bei einem Juden machte. Er schlug ihm vor, den Islam anzunehmen, worauf der Jude Muslim wurde. Dann ging er hinaus, wobei er sagte: "Dank sei Allah, der ihn durch mich vor dem Feuer errettet hat."

 

Ebenso schlug sich diese Toleranz im Benehmen der Prophetengefährten und der Tabi'un[67] gegenüber Nichtmuslimen wieder. Hier einige Beispiele:

 

- So gab Umar die Anweisung, einem Juden und dessen Familie ein dauerhaftes Gehalt aus der muslimischen Staatskasse zu gewähren. Daraufhin sagte er: „Allah hat gesagt: "Die Zakat ist für die Armen und Bedürftigen...[9:6]", und dies ist einer der Armen der Ahlul-kitab.“

  Umar wurde schließlich von einem Mann der Ahlu-Dhimma[68] namens Abu Lulua niedergestochen und starb kurze Zeit später an den Verletzungen. Auf dem Totenbett jedoch legte Umar dem nachfolgenden Kalifen die Ahlu-Dhimma ans Herz, und empfahl ihm, dem Vertrag mit ihnen nachzukommen, sie mit Waffengewalt zu schützen und sie nicht über ihre Kräfte zu belasten.

 

- Abdullah ibn Amr trug seinem Dienstjungen auf, seinem jüdischen Nachbarn etwas von dem geschlachteten Fleisch abzugeben. Er wiederholte dies so oft, bis der Dienstjunge sich wunderte und ihn nach dem Geheimnis dieser Fürsorge für den jüdischen Nachbarn  fragte. Da sagte Abdullah ibn Amr: „Der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) hat gesagt: "(Der Engel) Gabriel hat mir so oft den Nachbarn ans Herz gelegt, bis ich dachte, er würde mir noch übermitteln, daß ein Nachbar seinen Nachbarn beerben sollte". [69]

 

- Als Umm al-Harith Abu Rabia als Christin starb, folgten die Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) ihrem Leichenzug.

 

- Einige der bedeutenden Tabi'un[70] gaben einen Teil der Sadaqatul-Fitr[71] christlichen Mönchen. 

 

- Qadi 'Iyad erwähnt in seinem Buch "Tartib al-Madarik" folgendes:

"Daraqotni berichtete, daß zum Qadi[72] Ismail bin Ishaq[73] ein christlicher Minister, 'Ubaidun bin Sa'id, eintrat. Dieser war ein Wesir unter dem abbasidischen Khalifen al-Mu'tadid-billah. Der Qadi stand extra für ihn auf und begrüßte ihn. Da sah er, wie die Anwesenden dies mißbilligten. Als der Wesir hinausgegangen war, sagte Qadi Ismail: "Ich habe eure Mißbilligung mitbekommen. Allah hat jedoch gesagt: "Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht wegen des Din bekämpfen und euch nicht aus euren Häusern vertreiben, gütig[74] zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich, Allah liebt die Gerechten." [60:8] Dieser Mann erledigt die Angelegenheiten der Muslime und ist ein Botschafter zwischen uns und dem Khalifen al-Mu'tadid...und dieses Verhalten von mir gehört zur Rechtschaffenheit[75].

 

- Schahabuddin al-Qarafi[76] erklärt die Güte[77], die ein Muslim einem Dhimmi erweisen soll:

"...Es dem Schwachen von ihnen leicht machen, die Bedürfnisse der Armen unter ihnen zu befriedigen, den Hunger des Hungrigen unter ihnen stillen, denjenigen unter ihnen, der keine Kleider hat, bekleiden, auf schöne Weise mit ihnen sprechen - aufgrund von Freundlichkeit und Barmherzigkeit ihnen gegenüber, nicht aus Angst oder Unterwürfigkeit -, eventuelle Schlechtigkeiten durch ihre Nachbarschaft aushalten, obwohl man dieses Übel beseitigen könnte - aus Freundlichkeit von uns ihnen gegenüber und nicht aus Furcht vor ihnen oder der Hoffnung, von ihnen etwas zu bekommen. Ebenfalls gehört dazu, für sie um Rechtleitung zu beten, und dafür, daß sie zu den Glücklichen gehören mögen, ebenso, daß man ihnen in all ihren Angelegenheiten - was ihre Religion und was ihre irdischen Angelegenheiten anbetrifft - einen aufrichtigen Ratschlag gibt, außerdem, sie in ihrer Abwesenheit zu verteidigen, wenn jemand ihnen bezüglich Geld, Familie, Ehre, ihrer geschützten Rechte usw. etwas antun will oder etwas zu ihrem Nachteil unternehmen will. Außerdem soll man ihnen helfen, eine Unterdrückung ihnen gegenüber abzuwehren und zu allen ihren Rechten zu gelangen....".


 

4.4 Die religiöse Grundlage für die Toleranz im Islam

 

Im folgenden werden die wichtigsten Aspekte aufgeführt, die zum Din eines Muslim gehören und in diesem Zusammenhang entscheidend sind:

 

1.    Die feste Überzeugung des Muslims, daß jeder Mensch eine Würde hat, die Menschenwürde - unabhängig von Religion, Geschlecht oder Hautfarbe.

 

Ein praktisches Beispiel für diese Einstellung ist eine Begebenheit, die Buchari überliefert hat:

"Ein Leichenzug kam am Propheten (Allahs Segen und Heil seien mit ihm) vorbei. Da stand er um des Leichenzugs willen auf. Da wurde ihm gesagt: "O Gesandter Allahs, dies ist Leichenzug eines Juden", worauf er sagte: "Ist es denn nicht eine Menschenseele?!" "

 

2-  Es gehört zum Iman eines jeden Muslims, daß die unterschiedliche Religionszugehörigkeit der Menschen von Gott gewollt ist.

 

Der Muslim weiß, daß Allah dem Menschen - im Gegensatz zu anderen Geschöpfen - die völlige Freiheit gegeben hat, sich für oder gegen die Annahme des Islam zu entscheiden. So steht im Quran: "..also wer will, soll Mu’min werden, und wer will, soll Kufr begehen..."[18:29]

An einer anderen Stelle des Quran heißt es: "Und wenn dein Herr wollte, bestimmt hätte Er die Menschen zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht, jedoch hören sie nicht auf, uneinig zu sein."[11:117]

Der Muslim weiß, daß in allen Entscheidungen Gottes eine Weisheit steckt, und er denkt niemals daran, die Menschen zu zwingen, Muslime zu werden. Denn im Quran steht: "Und wenn dein Herr es gewollt hätte, so wären allesamt auf der Erde Mu’minun. Willst du etwa die Menschen zwingen, Mu’minun zu werden?"[10:99]

 

3-  Weder der Muslim als Einzelner noch der islamische Staat hat die Aufgabe, die Kafirun für ihren Kufr zur Rechenschaft zu ziehen und die Irregegangenen für ihr Irregehen zu bestrafen.

 

Der Muslim hat weder die Befugnis dazu, noch liegt der Zeitpunkt für die Bestrafung dafür in diesem Leben. Der Termin für die Bestrafung des Kafir für seine Weigerung, den Islam anzunehmen, liegt im Jenseits, und Gott ist es, der ihn bestraft.

 Und so hat der Muslim keine Gewissensprobleme damit, daß er einerseits dazu aufgefordert ist, gütig und gerecht zu einem Kafir zu sein, obwohl dieser dem Weg Gottes und Seiner Religion nicht folgt, und ihn anderseits in diesem Zustand des Kufr beläßt. Alles, was der Muslim tun soll bezüglich des Din ist es, den Islam dem Nichtmuslim richtig zu erklären und diesem dann die Entscheidung zu überlassen, ob er den Islam annehmen will oder nicht.

 

4-  Der Muslim ist davon überzeugt, daß Gott zur Gerechtigkeit aufruft und diese liebt, und daß Er das gute Benehmen bei Seinen Geschöpfen liebt - selbst gegenüber Muschrikun, und daß Er Ungerechtigkeit und Unterdrückung haßt und die Ungerechten und Unterdrücker bestraft, selbst wenn der Unterdrücker ein Muslim ist und der Unterdrückte ein Kafir.

 

So steht im Quran: „O ihr Mu’minun! Setzt euch für Allah ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Der Haß gegenüber einer Gruppe soll euch nicht dazu verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht. Fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist eures Tuns kundig.“[5:8]

 

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) hat gesagt: "Zwischen dem Bittgebet eines Unterdrückten - und auch wenn es ein Kafir sein sollte - und Allah gibt es keinen Schleier."[78]

 

 

 

 

TEIL III: Muslime als Minderheit – gestern und heute

 


 

5 Muslime als Minderheit

 

In diesem Kapitel werden zunächst Tatsachen über die momentanen Verhältnisse der muslimischen Minderheiten dargestellt. Danach werden die Muslime auf den Philippinen, in China und in Gabun als Beispiele für muslimische Minderheiten vorgestellt.

 

5.1 Einige wichtige Tatsachen über muslimische Minderheiten

 

Der Inhalt des vorliegenden Unterkapitels ist zum großen Teil [Qaradawi92] entnommen:

 

1.    Zusammengezählt bilden muslimische Minderheiten etwa 1/4 oder mehr der Gesamtzahl der Muslime auf der Welt. Dies geht aus einer Studie hervor, die an der Islamischen Imam-Muhammad-bin-Saud-Universität in Riad/Saudi-Arabien[79], durchgeführt wurde.

2.    Einige muslimische Völker werden zu den muslimischen Minderheiten gezählt, obwohl sie in Wirklichkeit gar keine Minderheiten sind. Sie gehören zum muslimischen Kerngebiet. Es handelt sich hierbei um muslimische Völker, die von einem großen fremden Staatsgebilde eingenommen wurden, um in ihm aufzugehen. Oft sind sie ihrer religiösen Freiheit beraubt, um sich allmählich von ihrer Religion zu lösen. Beispiele hierfür sind die Muslime in der Provinz Xingjiang in China oder auf der Insel Mindanao der Philippinen.

3.    In einigen muslimischen Gebieten führen die Muslime Krieg gegen einen Staat, der ihr Land besetzt hat. Oft werden diese Befreiungskämpfe fälschlicherweise als "Separationsbestrebungen der dortigen Muslime" oder ähnlich bezeichnet. Dies ist deshalb eine falsche Bezeichnung, da die betreffenden Gebiete früher in muslimischer Hand gewesen sind. Später sind sie von fremden Mächten besetzt worden, und seitdem führen die Muslime einen Befreiungskampf. Beispiele hierfür sind Kaschmir und Palästina. All diesen Auseinandersetzungen sind wohl mehrere Dinge gemeinsam:

·      Das Mittel der Feinde der Muslime ist oft grausame Massaker an der muslimischen Zivilbevölkerung oder deren kollektive Unterdrückung und Mißhandlung. Die mit Benzin überschütteten und angezündeten Kinder in Tschetschenien[80], die Massaker von Sabra und Schatila in Beirut, das Massaker von Deir Yassin[81] in Palästina (April 1948) und das regelrechte Abschlachten eines großen Teils der bosnischen muslimischen Bevölkerung und der Muslime aus dem Kosovo sind verabscheuens-würdige Beispiele hierfür.

·      Die Feinde der Muslime versuchen durch eine aggressive Siedlungspolitik die Muslime aus ihrem Land zu verdrängen. Beispiele hierfür sind die von der Regierung gesteuerten Massenansiedlungen von Nichtmuslimen in den muslimischen Gebieten im Süden der Philippinen, die Ansiedlungen von Russen in den südlichen muslimischen Regionen der ehemaligen Sowjetunion und die menschenverachtende und rassistische Siedlungs-politik des zionistischen Regimes in Palästina.

4.    In einigen offiziellen Bevölkerungsstatistiken werden absichtlich geringe Bevölkerungsanteile der Muslime für bestimmte Regionen angegeben.[82] Diese Verfälschungen der Statistiken haben politische Gründe. So spricht man z.B. den Muslimen Rechte ab, die ihnen eigentlich zustehen.

 


 

5.2 Die Geschichte von muslimischen Minderheiten in einigen Ländern

 

Im Rahmen dieser Abhandlung können aus Platzgründen nicht alle muslimischen Minderheiten ausführlich vorgestellt werden.

 

Beispielhaft wird die Geschichte der Muslime auf den Philippinen, in China und dem zentralafrikanischen Land Gabun behandelt. Es wurde vorgezogen, die Geschichte von drei muslimischen Minderheiten ausführlicher darzustellen, als etwa kurze Beschreibungen vieler muslimische Minderheiten zu liefern. Einerseits sind die Probleme und Fragestellungen der muslimischen Minderheiten in den verschiedenen Ländern ähnlich. Zum anderen entsteht durch eine ausführliche Beschreibung, welche sich nicht nur auf die Aufzählung geschichtlicher Daten beschränkt, eher ein Gesamteindruck über das Leben der Muslime in den betreffenden Ländern.


 

5.2.1 Die Muslime auf den Philippinen

 

 

Abb. 5.1 Die philippinischen Inseln

 

Der erste Teil der nun folgenden Darstellung der Geschichte der philippinischen Muslime ist größtenteils eine Zusammenfassung von [Mohammad84][83]:

 

Bereits im 9. oder 10. Jahrhundert gab es Handelskontakte zwischen Arabien und den Philippinen. Jedoch wird das Jahr 1450 n. Chr. von den philippinischen Geschichtsbüchern als das Jahr erwähnt, in dem der Islam auf den Philippinen durch die beiden Da'is Sharif Kabungsuan und Raja Bagyinda bekannt gemacht wurde. Diese beiden Da'is kamen aus Johore/Malaysia herüber auf die Philippinen. Sie landeten auf der süd-westlich gelegenen Inselgruppe Sulu und in Zamboanga, und brachten den Islam in ein Land, welches zuvor von Dschahiliyya[84] gekennzeichnet war. Die damaligen Einwohner der Philippinen waren alle Muschrikun. Sie hatten keine zentrale Regierung, welche die Inseln der heutigen Philippinen unter eine zentrale Autorität stellte. Später kam Abu-Bakr, ein in Arabien geborener Da'i, nach Sulu, wo er nach dem Tod Bagyindas die Regierungsführung als Sultan von Sulu annahm. Er verbreitete die Lehren des Quran, baute Moscheen und lud die Menschen zum Islam ein. Er organisierte den Staat, reformierte die Gesetze, veröffentlichte den ersten Gesetzescode, setzte ein Gerichtssystem ein und vereinigte die Sulu-Inselgruppe zu einer Nation.

 

Der Islam brachte einschneidende Veränderungen für die Gruppe derjenigen Philippiner mit sich, die ihn annahmen. So wurde der alte heidnische Geist durch die neuen islamischen Wertvorstellungen verdrängt. Die arabische Schrift wurde für die schriftliche Niederlegung der lokalen Sprachen eingeführt. Die malaysische Sprache wurde zur Rechtssprache. Die Muslime auf den Philippinen entwickelten das Bewußtsein, zu einer großen Gemeinschaft zu gehören, welche sich von Marokko am Atlantischen Ozean bis zu den malayischen Inseln in Süd-Ostasien erstreckte.

 

Die muslimische Herrschaft gelangte zu beachtlichem Ansehen und Macht. Ihr Einfluß machte sich auf allen philippinischen Inseln und auch darüber hinaus bemerkbar. Ihre Handelsbeziehungen erstreckten sich von China und Japan bis nach Sumatra und Java. Als die Spanier auf die Philippinen kamen, fanden sie von Manila bis nach Mindanao das islamische Recht vor. Die späteren Kämpfe mit den Spaniern drängten den Islam in den Süden zurück.

 

Wirklich bemerkenswert ist die Tatsache, daß der Islam, die Religion des Friedens[85], auf den Philippinen durch nur drei Da'is eingeführt wurde, die den Islam in Mindanao und der Sulu-Inselgruppe innerhalb einer kurzen Zeitspanne ohne Blutvergießen fest verwurzelten. Die christlichen Spanier hingegen benötigten Tausende von Soldaten mit überlegenen Waffen und eine Zeitspanne von über dreieinhalb Jahrhunderten, um das Christentum auf den Inseln Visayas und Luzon zu etablieren.

 

Ein christlicher Chronist beschrieb die frühen Muslime folgendermaßen:

"Die frühen mohammedanischen Missionare waren eine standhafte Menge. Sie kamen ohne Schiffe, ohne Armeen und ohne eine Regierung, die ihnen den Rücken stützte. Man muß sie zu jenen aufrichtigsten Religionsanhängern zählen, die je eine religiöse Überzeugung hervorgebracht hat. Sie strebten nach nichts anderem, als die Ungläubigen zu ihrer Religion zu bekehren. Sie wollten kein Gold. Ebenso war nicht das Erschließen von Handelsrouten ihr Ziel[86]. Die Priester Mohammads gehörten zu den freundlichsten[87] und friedvollsten Verbreitern von Zivilisation, die die Menschheitsgeschichte je gekannt hat. Ihre Religion riß nicht nieder und zerstörte, wie es die Religion der frühen Christen tat. Die Priester von Mohammad brachten Kultur, Schrift und Wissenschaften und fügten sie zu der Kultur hinzu, die sie in ihren neuen Ländern vorfanden. Sie waren keine Zerstörer, sondern zufrieden damit, die alte Kultur zu verbessern."

 

Als die Spanier in der Mitte des 16. Jahrhunderts auf die Philippinen kamen, waren die dortigen Muslime eine blühende, starke und gutorganisierte Gemeinschaft.

 

Die Spanier eroberten die Philippinen mit dem Ziel, das Land zu kolonialisieren und zu christianisieren. "Gott, Ruhm und Gold" waren drei Hauptziele der spanischen Kolonialpolitik. Sie benannten die Inseln nach ihrem König Philip. Daher kommt der Name "Philippinen". Sie brachten das gesamte Land unter eine Autorität und waren bei der Christianisierung der Heiden erfolgreich. Bei den Muslimen trafen sie jedoch auf harten Widerstand. Kreuzfahrerkriege brachen zwischen Spaniern und Muslimen aus, wobei die Spanier von den christianisierten Philippinern unterstützt wurden.

 

Die Spanier hatten die Muslime in Nordafrika gesehen, wo sie auf die mutigen „Moros“ trafen. Da sie die philippinischen Muslime genauso leben und beten sahen wie die nordafrikanischen Muslime, begannen sie die philippinischen Muslime "Moros" zu nennen. In den nächsten 350 Jahren gab es nur wenig Frieden zwischen den Spaniern und den "Moros".

 

Langsam aber stetig wurden die "Moros" aus den nördlichen Gebieten vertrieben, bis sie schließlich auf einige wenige südliche Gebiete gedrängt wurden. Die Muslime verteidigten energisch das Sulu-Archipel und die Mindanao Inseln, welche ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete waren. Mit großer Tapferkeit kämpfend hielten sie die folgenden dreieinhalb Jahrhunderte stand.

 

Dreihundert Jahre fortwährender Krieg mit den Spaniern machten die philippinischen Muslime außerordentlich mutig und standhaft. Anstrengungen, sie zwangszubekehren, verstärkten nur ihre Liebe zum Islam.

 

Der spanisch-amerikanische Krieg von 1898 erwies sich als eine Wohltat für die philippinischen Muslime, denn der Krieg in Kuba hatte sowohl Auswirkungen auf Puerto Rico wie auch auf die Philippinen, und so wurden die Spanier aus beiden Ländern vertrieben.

 

In der Folgezeit befanden sich die Philippinen unter amerikanischer Herrschaft, wobei den Muslimen in den Provinzen von Mindanao und Sulu nach anfänglichen Schwierigkeiten eine partielle Souveränität zugestanden wurde.

 

Diesen Status behielten die philippinischen Muslime bis Juli 1946, als die Philippinen unabhängig wurden. Die Unabhängigkeit rief unter den philippinischen Muslimen eine große Besorgnis hervor, da sehr viele von ihnen befürchteten, daß ihre nichtmuslimischen Mitbürger nun versuchen würden, ihnen ihre religiösen, wirtschaftlichen und andere Rechte zu nehmen.

 Die philippinische Republik wurde als säkularer Staat mit strikter Trennung zwischen Kirche und Staat festgelegt mit einer Verfassung, die allen Bürgern Religionsfreiheit zuschrieb.

 

Mahmud Schakir erwähnt in [Schakir1], daß im Jahre 1981 die Gesamtbevölkerung der Philippinen 55 Mio. Menschen betrug.[88] Die Muslime machten davon etwa 11% aus, d.h. ca. 6 Mio. Menschen.

Hier kann man übrigens die großen Differenzen in den Statistiken sehen, die wie in 5.1 erwähnt, möglicherweise auf absichtliche Fälschungen zurückgehen: Eine amerikanische Statistik[89] von 1983 besagt, daß die philippinischen Muslime einen Bevölkerungsanteil von nur 5,6 % auf den Philippinen stellen.

 

Etwa 5 Mio. Nichtmuslime leben auf den vier südlichen Inseln Mindanao, Sulu, Basilan und Palawan. Diese Gebiete waren einst fast ausschließlich von Muslimen bewohnt. In der letzten Zeit förderte die Regierung jedoch Wellen von christlichen Siedlern mit dem Einwand, man wolle nach Verschwörungen von Banditen fahnden. Diese christlichen Siedler ließen sich auf den reichen Ländereien des Südens nieder und so wurden die Gebiete von Zanao del Sur, Zanao del Norte, Catabato, Zamboanga, Sulu, Davao und Tawi Tawi zum großen Teil christlich, obwohl diese Gebiete früher gänzlich islamische Provinzen waren.

 

Die Muslime auf den Philippinen sind eine bunte Gesellschaft - so gibt es z.B. Unterschiede in den politischen Anschauungen, aber auch wirtschaftliche Unterschiede. Diese Ungleichheit der philippinischen Muslime wurde zu jeder Zeit von der Regierung ausgenutzt. Jedoch ist der Islam der Hauptfaktor, der die Muslime zusammenhält.

 

Zohra S. Mohammad berichtet[90]:

"In den Jahren 1962-63 war ich ein Jahr lang auf der philippinischen Universität als wissenschaftlicher Forscher und besuchte die muslimischen Gebiete. Ich fand vor, daß die Muslime bezüglich der Ausbildung sehr im Hintertreffen waren. Während es 24 Universitäten auf den Philippinen gibt, ist lediglich eine davon in der muslimischen Provinz Lanao. 1955 wurde eine islamische Schule mit Namen Kamilol Islam Institut in Marawi City errichtet. Die Schule wurde unter der Führung zweier Dai's von der Al-Azhar-Universität[91] aufgebaut. Marawi City ist das Zentrum islamischer Kultur und Zivilisation auf den Philippinen...

...

Da die Muslime bezüglich der Ausbildung sehr zurücklagen, schaffte es die Baumwollindustrie nicht, ein Existenzminimum anzubieten: Der Reichtum des Bodens war zwar ein großer Vorteil, er konnte jedoch aufgrund von Handicaps wie das Fehlen von Kapital, unzureichender Kommunikation und unzureichendes landwirtschaftliches Fachwissen nicht zur Geltung kommen.

...

Die philippinischen Muslime waren gefangen in der Falle religiöser Unwissenheit. Es gab zwar Moscheen und viele Muslime, vor allem Hadschis[92], die in den Moscheen beteten...Das Fasten wurde von den Hadschis und von einigen anderen gottesfürchtigen Muslimen einge-halten....Eine beachtliche Anzahl von muslimischen Philippinern war bereits nach Mekka gereist, um die Hadsch zu vollziehen...Was der Islam jedoch wirklich ist, davon hatten sie jedoch nur eine sehr schwache Vorstellung.

 

Als Folge dieser Unwissenheit wurden die islamischen Wurzeln auf den Philippinen in solchem Maße geschwächt, daß die muslimischen Führer sich sehr große Sorgen machten. Die jüngere Generation war dabei, sich von der Religion und dem richtigen Verständnis des Islam zu entfernen, jedoch waren sie eifrig bestrebt zu lernen, und baten deshalb alle ausländischen Besucher inständig, ihnen Bücher über den Islam und Da'is zu schicken, um ihre Religion besser verstehen zu können. Viele Gelehrte von der Al-Azhar-Universität waren dort tätig, jedoch war dies wenig im Verhältnis zu dem, was wirklich benötigt wurde. Es gab eine Organisation mit Namen "Muslimische Gesellschaft der Philippinen", welche die Ziele hatte, Einigkeit und die islamische Bildung unter den Muslimen auf den Philippinen zu fördern.

...

All dies ist ein Zeugnis dafür, daß sie gute Muslime sein wollten, und daß sie trotz ihrer Unwissenheit und Unbildung von dem islamischen Grundsatz überzeugt waren, daß alle Muslime Brüder sind. Sie besaßen ein starkes islamisches Gemeinschaftsgefühl. Es war dieses Gemeinschaftsgefühl, welches sie veranlaßte, sich um einen muslimischen Besucher aus Übersee zu versammeln

....

Deshalb ist der Islam auf den Philippinen eine vereinigte Gemeinschaft...So werden wohl zukünftig die Muslime auf den Philippinen ihre Identität aufrechterhalten.

...

Die muslimischen Philippiner hinken bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung weit hinter ihren christlichen Mitbürgern her

..."

 

Soweit der Bericht von Zohra S. Mohammad.

 

Der Inhalt des folgenden, abschließenden Teils der Darstellung der philipinischen  Muslime ist im wesentlichen dem letzten Kapitel "Der jüngste Aufstand der Muslime" aus [Schakir1] entnommen:

 

Es wurde bereits erwähnt, daß die Regierung in großem Maße Christen in den südlichen muslimischen Gebieten ansiedeln ließ. Diese Ansiedlungen von Christen liefen folgendermaßen ab: Der Boden, welcher den Muslimen gehörte, war nicht staatlich auf den Namen der betreffenden muslimischen Besitzer angemeldet. Darüberhinaus wurde von Seiten des Staates den Muslimen eine derartige Einschreibung ihres Bodens verweigert. Als die Christen nun aus dem Norden auf diesem staatlich nicht eingetragenen Land siedelten, wurde das Land einfach auf ihren Namen eingetragen.[93]

 

Im Zuge dieser christlichen Siedlungswellen gab es Terrorakte gegen die Muslime. So wurden Menschen und Tiere getötet und Ländereien verwüstet. Als Folge dieser Terrorakte waren mehr als 60 000 muslimische Familien in den Wäldern auf der Flucht, wo sie zusätzlich zu Hunger und Kälte der Gefahr des Getötetwerdens ausgesetzt waren. Diese Terrorakte gegen die Muslime geschahen mit Duldung und Unterstützung der Regierung. Hier seien nur zwei Beispiele aus dieser Zeit des staatlich unterstützten Terrors genannt:

·      Einmal wurden von Seiten der Regierungsgewalt im Gebiet Kotabato aus jeder muslimischen Familie ein junger Mann ausgewählt mit dem Vorwand, man wolle sie trainieren. Man errichtete für sie eine Kaserne, und als man die jungen Männer versammelt hatte, begann die Regierung damit, sie zu liquidieren. Es waren 169 junge Männer, von denen nur einer entkam: Als er die Gefahr verspürte, flüchtete er.

 

·      Im Jahr 1971 versammelte die Regierung einige Muslime in einer Moschee mit dem Vorwand, man wolle eine Friedenskonferenz zwischen Muslimen und Christen abhalten und die Bodenangelegenheiten bereinigen. Während die Muslime in der Moschee warteten, betrat eine bewaffnete Gruppe von Christen die Moschee und begann, das Feuer auf die Muslime zu eröffnen. Das Ergebnis waren 70 getötete und 50 verletzte Muslime.

 

Angesichts dieser Umstände versuchten die Muslime, sich zu verteidigen und begannen, sich mit Stöcken und alten Gewehren aus dem zweiten Weltkrieg zu bewaffnen. Daraufhin beschuldigte die Regierung die Muslime ungesetzlicher Akte. Sie wurden von Seiten eines Generals mit kollektiver Liquidierung bedroht, sollten sie sich nicht innerhalb einer Woche ergeben.

 

Daraufhin begann der geschlossene muslimische Widerstand, indem die muslimischen Führer die islamische Einheit zum Motto erhoben. Es sammelten sich eine große Zahl von jungen muslimischen Männern und mit ihnen eine Anzahl von Führern und forderten eine Abtrennung der muslimischen Gebiete Mindanao, Sulu und Balawan vom philippinischen Staat, um die Muslime vor Massakern zu schützen, die bereits begonnen hatten, wie oben erwähnt wurde. Sie forderten die islamische Welt und die Vereinten Nationen auf, sie zu beschützen.

 

Die Regierung griff daraufhin die Muslime mit Panzern und Flugzeugen an - der philippinische Präsident Marcos wollte eine Internationalisierung der Angelegenheit verhindern, indem er versuchte, den Muslimen einen endgültigen vernichtenden Schlag zu versetzen. Trotz der gewaltigen militärischen Überlegenheit schaffte er es nicht. Im Gegenteil - die Mudschahidun[94] schossen sogar ein Flugzeug ab und zerstörten einen Panzer.

 

Danach brach offiziell der Krieg aus. Auf einer Konferenz in Jeddah/Saudi-Arabien sagte einer der muslimischen philippinischen Führer: "Seit dem ersten Viertel des 16.Jahrhunderts haben unsere Leute den größeren Teil ihres Lebens im Krieg verbracht, um sich gegen die Unterdrückung und Tyrannei von Seiten der Kolonialmacht zur Wehr zu setzen. Und die heutige Generation unseres Volkes ist vorbereitet, die gleiche historische Leistung zu vollbringen, um weiterhin ihr Überleben in Würde und Freiheit zu garantieren."


 

5.2.2 Die Muslime in China

 

 

Abb. 5.2 China

 

Der Inhalt dieses Unterkapitels ist größtenteils [Schakir2] und [Schakir3] entnommen.

 

China ist mit einer Einwohnerzahl von mehr als einer Milliarde das bevölkerungsreichste Land der Erde. Die Angaben darüber, wieviele Muslime in China leben, differieren sehr stark. Mahmud Schakir sagt, daß etwa 10% der Einwohner Chinas Muslime sind. Das wären etwa 100 Millionen Menschen. Francoise Aubin sagt in [Aubin91]: „..Obwohl die exakte Anzahl der chinesischen Muslime immer ein hitzige Streitfrage gewesen ist, können wir annehmen, eine Zahl von 15-20 Mio. Muslimen in der republikanischen Phase[95] als vorsichtige Schätzung annehmen.“ Diese Zahl von Aubin widerspricht sich nicht unbedingt mit der Angabe von Mahmud Schakir, denn es ist durchaus realistisch, daß sich in ca. 60-70 Jahren die muslimische Bevölkerungszahl verfünffacht hat: In einem Atlas von 1966[96] wird die Anzahl der Muslime auf der Welt mit 366 Mio. angegeben. Stimmt diese Zahl auch nur annähernd, so hat sich seither, also innerhalb von ca. 30 Jahren, die Zahl der Muslime auf der Welt mehr als verdoppelt, da es heutzutage ca. 1 Milliarde Muslime auf der Welt gibt. Somit ist eine Verfünffachung der Anzahl der Muslime in China im doppelten Zeitraum durchaus realistisch.

Aubin sagt weiter, daß in China „gemäß der letzten Volkszählung die offizielle Zahl der Muslime mehr als 7 Millionen im Jahr 1982 und etwa 9 Millionen in den späten achtziger Jahren betrug“[97].

Diese offizielle Zahl ist allerdings nur etwa ein Zehntel der Angabe von Mahmud Schakir.

 

In [Schakir3] ist eine Bevölkerungsstatiskik der einzelnen Provinzen der heutigen VR China angegeben. Gemäß dieser Statistik sind die drei nordwestlichen Provinzen Xingjang (Ostturkestan), Ningxia und Gansu die Provinzen, die überwiegend muslimisch sind. Im einzelnen werden folgende Angaben gemacht:

1.      Ostturkestan (Xingjang): 11,305 Mio. Muslime von insgesamt 11,9 Mio. Einwohnern; Anteil der Muslime: 95 %

2.      Gansu: 14,378 Mio. Muslime von insgesamt 18,2 Mio. Einwohnern; Anteil der Muslime: 79 %

3.      Ningxia: 2,1 Mio. Muslime von insgesamt 2,8 Mio. Einwohnern; Anteil der Muslime: 75 %

 

Als Summe der muslimischen Bevölkerungszahlen der einzelnen Provinzen ergibt sich eine Gesamtzahl von 96.020.620 Muslimen in China, d.h. also fast 100 Mio.

 

Der Islam ist auf drei Wegen nach China gekommen:

 

1.    Auf dem Weg des militärischen Dschihad, wie er im zweiten Kapitel beschrieben wurde. Dies ist der Fall bei Ostturkestan, das im Westen der heutigen Volksrepublik China gelegen ist, und auf chinesisch Xingjiang genannt wird. Obwohl Ostturkestan und die umliegenden Gebiete eigentlich zum muslimischen Kerngebiet zählen, wird seine Geschichte hier auch betrachtet. Zum einen, weil dieses Gebiet, welches nördlich von Tibet liegt, und etwa fünfmal so groß wie Deutschland ist, momentan unter chinesischer Herrschaft ist, und zum anderen, weil die Muslime dort so leben, als wären sie eine Minderheit.

2.    Durch umherreisende Da'is. Auf diese Weise ist der Islam nach Zentralchina gekommen - vor allem in die Gebiete, die in der Richtung Ostturkestans liegen.

3.    Durch Seefahrer, die Handel trieben und zum Islam einluden. So ist der Islam an die Küstengebiete Chinas gekommen.


 

Abb. 5.3 Die Provinzen Chinas

 

 

Abb. 5.4 Nordwestchina mit Ostturkestan (Xinjiang)


 

Im folgenden werden diese drei Wege der Ausbreitung des Islam näher betrachtet:

 

Die Ausbreitung der Einladung zum Islam im Westen Chinas unter dem Schutz des islamischen Heeres

 

Es ist immer beschwerlich für jemanden, in einer ihm fremden Umgebung zu leben. So fällt es z.B. einem Skandinavier auf die Dauer schwer, in Afrika zu leben. Ebenso fürchtet sich jemand, eine mehrere Jahre andauernde Reise zu See zu unternehmen, wenn er gewohnt ist, an Land zu leben. Diese Ängste und dieses Unwohlsein nehmen jedoch ab, wenn man eine starke Motivation hat, ein höheres Ziel zu erreichen, bei dem man diese Schwierigkeiten überwinden muß. Die stärkste Motivation, die es jemals gab, ist die eines Muslim, der nach dem Wohlgefallen Allahs strebt, der versucht, sich vor dem Höllenfeuer zu retten und sich das Paradies zu erarbeiten. Er ist bereit, sein eigenes, irdisches und beschränktes Leben und seine irdische Bequemlichkeit aufzuopfern, um dafür einen ewigen Platz im Paradies zu bekommen. Eine solche Motivation hat die Geschichte bei den ersten Muslimen erlebt - sie zogen aus ihrer gewohnten von ihnen geliebten Umgebung der arabischen Halbinsel aus, um die Einladung zum Islam nach Ost und West zu tragen - "um die Menschen aus der Enge des irdischen Lebens zur Weite des Diesseits und Jenseits zu führen" und "um die Menschen aus der Knechtschaft der Menschen zu befreien und hinzuführen zur Anbetung des Herrn aller Menschen". Nur mit solch einer Motivation ist die Bereitschaft der frühen Muslime zu erklären, fortwährende Strapazen auf sich zu nehmen, um den Menschen das Licht des Islam anzubieten. Man stelle sich einmal vor, was es bedeutet, eine riesige Gebirgskette zu überqueren - eine Gebirgskette, die eine natürliche Grenze zwischen China und seinen westlichen und südlichen Nachbarn bildet.

 

Qutaiba ibn Muslim al-Bahali öffnete mit dem muslimischen Heer Ostturkestan für den Islam und betrat 96 n.H. (ca. 715 n.Chr.) die Stadt Kashghar[98]. Qutaiba schickte eine Gesandtschaft zum chinesischen Kaiser mit Habira ibn al-Schamrakh al-Kalabi an der Spitze. Während der Unterredung mit der muslimischen Gesandtschaft sagte der chinesische Kaiser zu ihnen: "Sagt zu Qutaiba, er soll sich verziehen, denn ich weiß sehr wohl von seiner Habgier und auch, daß er nur wenige Leute hat. Sollte er dies nicht tun, dann werde ich Soldaten gegen ihn schicken, die ihn und seine Leute vernichten werden." Daraufhin antwortete Habira: "Wie soll er denn nur wenige Leute haben, wenn die Spitze[99] seines Heeres in deinem Land ist und das Ende des Heeres dort ist, wo die Oliven wachsen[100]? Und wie soll denn jemand habgierig sein, der die weltlichen Verlockungen hinter sich gelassen hat, obwohl er imstande wäre, sie sich zu holen, und stattdessen gegen dich in den Krieg zieht? Und was das anbetrifft, daß du versuchst, uns Angst zu machen, indem du uns drohst, uns zu töten, so liegen die Verhältnisse so, daß wir bestimmte Lebensfristen haben. Wenn schließlich der Zeitpunkt unseres Todes gekommen ist, und dieser Zeitpunkt damit beehrt wird, daß wir getötet werden, so ist uns dieses Getötetwerden weder zuwider noch fürchten wir es."

Die Muslime jedoch bekämpften nicht den chinesichen Kaiser. Es gab innere Probleme im islamischen Staat. Und so kam auch die Ausbreitung der Einladung zum Islam mit Hilfe des muslimischen Heeres zum Stillstand, nachdem der Islam sich bis einschließlich Ostturkestan ausgebreitet hatte.

  Ostturkestan gehörte in der Folgezeit zum islamischen Staat, bis schließlich irdische Interessen bei den Muslimen offenbar Überhand gewannen und die Muslime auf diese Weise schwach wurden. Dies ermutigte China, gegen Ostturkestan in den Kampf zu ziehen. Die Chinesen schafften es auch tatsächlich, im Laufe der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts n. Chr. in Ostturkestan einzubrechen und es einzunehmen; und Ostturkestan bekam den Namen "Xingjiang". "Xingjiang" bedeutet "die neue Provinz". Danach gab es immer wieder Kämpfe und Aufstände gegen die chinesiche Kolonialmacht, wobei zwischenzeitlich wieder eine muslimische Herrschaft errichtet wurde.

Die Muslime waren zum Teil auch untereinander uneinig. Es ist ein Beispiel für das unzureichende Islamverständnis vieler Muslime überall in der islamischen Welt, daß es einmal in Ostturkestan wegen dem Streit um verschiedene Quranlesearten zum Kampf unter den Muslimen kam. Diese Unruhen unter den Muslimen nutzte der chinesische Staat 1781 n.Chr. aus, um gegen die Muslime vorzurücken. So wurden die Muslime in der Ortschaft Lantsu umzingelt, und viele von ihnen wurden getötet.

Einer der letzten Aufstände, der Aufstand von 1350 n.H. (1931 n.Chr.), welcher fünf Jahre andauerte, endete damit, daß China diesen mit der Hilfe Rußlands niederschlug und so die Muslime wieder unterwarf. Ebenso wie China Ostturkestan an sich riß, so wurde der westliche Teil Turkestans von Rußland unterworfen. Diese Aufteilung in "Russisch-Turkistan" und "Chinesisch-Turkistan" ist jedoch für das Volk bedeutungslos: die Menschen aus beiden Teilen Turkestans fühlen sich als Muslime eines einzigen Volkes, obwohl der letztere Aspekt, nämlich der der gemeinsamen Volkszugehörigkeit nicht so wichtig ist.

 

 

Die Ausbreitung des Islam durch Da'is und Händler bzw. handeltreibende Seefahrer

 

Die Ausbreitung der Einladung zum Islam in großem Maße kam aus den oben erwähnten Gründen zum Erliegen. Obwohl das muslimische Heer nun nicht mehr die Ausbreitung der Botschaft schützte, erlosch in den Herzen der Mu’minun jedoch nicht der Wille, die Einladung zum Islam zu verbreiten. So wurden viele zu Da'is, die auf dem Weg Allahs zum Islam einluden. Sie strebten nach der reichen Belohnung im Jenseits für ihren Einsatz, die Menschen auf den richtigen Weg zu führen. Denn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) hatte gesagt: "Wenn Allah durch dich nur einen einzigen Mann rechtleitet, dann ist das besser für dich als wenn du rote Kamele[101] hättest."[102]

Von Ostturkestan aus begannen Muslime, als Händler und Da'is in das Kernland Chinas zu ziehen, so daß es schließlich große Ansammlungen von nicht einheimischen Muslimen in manchen Städten gab.

 

Andere wählten den Weg des Seehandels, um auf diesem Wege Gelegenheit zu haben, die Einladung zum Islam zu verbreiten. Sie gelangten so u.a. nach Kanton, einem der wichtigsten Häfen Südchinas. Kanton liegt in der Nähe des heutigen Hongkongs. Sie hatten Umgang mit Einwohnern dieser Gebiete. Die dortigen Einwohner gewannen die Muslime schnell lieb. Sie nahmen an ihnen einen Charakter wahr, an den sie nicht gewöhnt waren. Die muslimischen Händler waren eine Art von Händler, die sie bisher nicht kannten. So nahmen einige von ihnen den Islam aus Liebe zu den muslimischen Händlern an, und so breitete sich der Islam auf diesem Wege ebenfalls aus. Der schöne Charakter, der gute Umgang mit anderen Menschen und die Ehrlichkeit waren die besonderen Merkmale, die die damaligen Muslime kennzeichneten.

Da die dortigen muslimischen Händler in einem Land mit nichtmuslimischer Gesellschaft wohnten, waren sie aufs äußerste erfreut, wenn ein Muslim vorbei kam und sie besuchte. Sie sagten dann: "Er kommt aus dem Land des Islam."

Ebenso genossen die muslimischen Händler ein großes Vertrauen bei der Bevölkerung. Die finanzielle Situation der muslimischen Händler verbesserte sich, und man konnte sie alsbald zu den Reichen zählen. Die Chinesen jedoch hatten eine hohe Bevölkerungszahl, so daß viele Chinesen nicht vom Ertrag ihrer Arbeit leben konnten. Außerdem gab es immer wieder Katastrophen. So waren viele von ihnen gezwungen, ihre Kinder zu verkaufen. Die Muslime kauften diese Kinder, zogen sie islamisch auf und behandelten sie wie ihre eigenen Kinder. Dies, obwohl es zu dieser Zeit sehr verbreitet war, Menschen, die man gekauft hatte, als Sklaven zu halten.

 

In diesen Tagen meinten die Herrscher Chinas, daß die Muslime in den westlichen Gebieten schwach geworden seien, und daß ihre Kampfkraft aufgrund der inneren Streitigkeiten im islamischen Staat erloschen sei. Es war die Zeit, als das Kalifat von den Omayaden zu den Abbasiden überging. So zog ein chinesisches Heer im Jahre 134 n.H. (751 n.Chr.) gen Westen. Doch die Muslime waren schnell kampfbereit, besiegten dieses Heer und vertrieben es aus Turkestan. So verloren sich die Hoffnungen Chinas, die Muslime zu besiegen, und sie überzeugten sich, daß das muslimische Volk sehr wohl bereit ist, auf dem Wege Allahs zu kämpfen, selbst wenn sich deren Herrscher in Streitigkeiten verlieren - und daß das muslimische Volk nichts anderes als die islamische Gesetzgebung will, selbst wenn die Herrscher entsprechend ihren Neigungen und nicht entsprechend den Regeln des Islam das Volk zu regieren versuchen.

Nach dieser Niederlage war die Position des chinesichen Kaisers, der Su Tsung hieß, geschwächt, woraufhin sich die Tataren gegen ihn im Jahre 140 n.H. (756 n.Chr.) erhoben. Su Tsung erbat daraufhin Unterstützung von Abu Dscha'far al-Mansur[103], worauf dieser eine Einheit von 4000 Soldaten schickte, welche die Revolution beendete und den chinesischen Kaiser wieder in seiner Autorität festigte. Man mag sich vielleicht fragen, warum die Muslime eine solche Hilfestellung leisteten. Es besteht wohl kein Zweifel daran, daß es besser für die Muslime ist, ein Nachbarland zu haben, dessen Regierung in Freundschaft und Dankbarkeit dem islamischen Staat verbunden ist, so daß es sich nicht entgegenstellt, wenn die Muslime in ihrem Land zum Islam einladen. Ein solches Verhältnis ist viel besser als eine Situation, in der eine neue Regierung an die Macht kommt, die möglicherweise das Volk aus Fanatismus zum Kampf gegen die Muslime aufwiegelt. Der Islam ist die natürliche Religion des Menschen. Und so ist es auch leicht zu erklären, warum sich der Islam so schnell und leicht ausbreitet, wenn nicht eine Macht vorhanden ist, die die Menschen entweder davon abhält, den Islam anzunehmen oder sich in den Weg stellt, so daß die Einladung zum Islam die Menschen erst gar nicht richtig erreichen kann.

Die meisten Soldaten dieser muslimischen Einheit ließen sich in China nieder und heirateten chinesische Frauen. Die muslimischen Soldaten machten ihre Religion bekannt und viele Chinesen nahmen daraufhin den Islam an. Die Muslime vermehrten sich stärker als die Chinesen und so wurden die Muslime mancherorts zu einer Kraft mit öffentlichem Gewicht. Diese starke Vergrößerung der Zahl der Muslime veranlaßte die fanatischen Kräfte unter den Muschrikun, gegen die Muslime vorzugehen. Schließlich begann einer dieser Extremisten damit, die Muslime zu bekämpfen. In der Folge wurden etwa 100 000 Muslime getötet. Dies geschah im Jahre 266 n.H. (879 n.Chr.).

Während der mongolischen Herrschaftsperiode über China regierte ein Muslim über die Provinz Yunnan. Er war bekannt unter dem Namen Sayyid al-Adschal und übte eine gerechte Herrschaft aus. Unter seiner Herrschaft breitete sich in dieser Provinz der Islam aus. Sayyid al-Adschal starb im Jahre 678 n.H. (1279 n.Chr.), seine Familie und seine Enkel behielten jedoch bis ins 20. Jahrhundert hohe Positionen aufgrund des Verdienstes von Sayyid al-Adschal gegenüber dieser Region und der Hochachtung des Volkes ihm gegenüber.

Nach Dschingis Khan übernahm sein Sohn Awghtai Khan die Herrschaft über die Mongolen. Jedoch starb er plötzlich im Jahre 640 n.H.(1242 n.Chr.), worauf es zu einem Streit um die Herrschaftsnachfolge kam. Schließlich bestieg Mango Khan den Thron und setzte seinen Bruder Kublai Khan als Herrscher über China ein. So begann im Jahre 675 n.H. (ca. 1276 n.Chr.) die mongolische Herrschaftsperiode, die bis 769 n.H. (ca. 1368 n.Chr.) andauerte. Mango Khan beauftragte seinen zweiten Bruder Holako damit, militärisch gegen den Westen Asiens zu ziehen. Holako wurde ein offenkundiger Feind des Islam.

Kublai Khan beschäftigte in Yunnan eine Anzahl von Muslimen als Arbeiter, weil er von der Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit der Muslime bei der Arbeit wußte. Aufgrund dieser Ernsthaftigkeit waren die muslimischen Produkte besser als die entsprechenden Produkte von anderen. Diese muslimischen Arbeiter blieben später in Yunnan und ließen sich dort nieder - auch ermutigten sie andere Muslime, ebenfalls nach Yunnan auszuwandern.

 

 


 

 

 

Abb. 5.5 Südwestchina

 

Schließlich nahmen die Uguren den Islam an. Die Uguren sind der Stamm, aus dem Dschingis Khan stammte. Sie bewohnten die Provinz Gansu. Als die Uguren den Islam annahmen, nahmen auch sämtliche Bewohner der nördlichen und westlichen Teile des Reiches von Dschghtai[104] den Islam an. So kam es, daß auch die Mongolen Muslime wurden. Nun bemühten sie sich um die Ausbreitung ihrer neuen Religion. China war damals in neun Teile geteilt. Jedes dieser Gebiete wurde von einem Khan regiert. Diese Khane regierten in Vertretung des Großkhans. Der Großkhan war der mongolische Herrscher. Die Chinesen schafften es im Jahre 769 n.H. (1368 n.Chr.), die Mongolen zu vertreiben. Während dieser Vertreibung wurden viele Mongolen von den Chinesen getötet. Trotzdem breitete sich der Islam weiter unter den Einwohnern Chinas aus. Ein Faktor, der dies erleichterte, war wohl der, daß die Muslime nicht die konfuzianische Lehre angriffen. Indem sie dies unterließen, vermieden sie einen direkten Konflikt mit den Anhängern der konfuzianischen Lehre, die den überwiegenden Teil der Bevölkerung Chinas bildeten. Es ist oft so, daß Menschen, wenn man ihre gewohnten Prinzipien scharf angreift, sie ihre Prinzipien aus Stolz fanatisch verteidigen, obwohl diese Prinzipien bzw. Überzeugungen nicht richtig sind. Sie selbst würden auch die Falschheit dieser Prinzipien erkennen, wenn sie mit beruhigtem Gemüt etwas nachdenken würden.

 

Die Einladung zum Islam setzte sich während der Mangh-Dynastie (770-1052 n.H. (ca. 1396-1642 n.Chr.)) fort. Unter der Herrschaft der Mandschuren-Dynastie (1054-1329 n.H. bzw. 1644-1911 n.Chr.) waren die Muslime jedoch Verfolgungen ausgesetzt. Dieser Herrschaftsclan fügte den Muslimen großes Leid zu: er nahm die Besitztümer und die Gelder der Muslime an sich und schändete die Ehre und die Unantastbarkeiten der Muslime. Dies führte dazu, daß sich die Muslime an vielen Orten gegen diese Unterdrückung erhoben. Als es die Herrscher jedoch nicht schafften, die Muslime mit Gewalt zu unterwerfen - denn der Din läßt sich nicht mit dem Schwert besiegen - gingen sie dazu über, Zwietracht unter den Muslimen zu säen und Lügen zu verbreiten. Auf diese Art und Weise schafften sie es schließlich, die Muslime sehr zu schwächen.

 

Die Muslime in der Republik China (1911-1949 n.Chr.)

 

Weil die Muslime unter der Herrschaft der Mandschuren unterdrückt wurden, unterstützten sie das Entstehen der Republik. Die Republik entstand zu einer Zeit, als in China Chaos und Unruhen herrschten. Diese Republik bestand von 1911-1949 n.Chr., bevor 1949 die Kommunisten an die Macht kamen. Die Republik entstand - nach Aussage derjenigen, die sich für sie einsetzten - auf der Basis der gemeinsamen Heimat, der Demokratie und der Gleichheit. Die Muslime waren eine der fünf Volksgruppen, die - nach Meinung der Republikaner - das chinesische Volk bildeten. Folgende fünf Volksgruppen wurden gezählt:

1. Chinesen

2. Mandschuren

3. Mongolen

4. Muslime (Hui)

5. Tibeter

 

Aus diesem Grund bestand die chinesische Fahne aus fünf Farben: rot, grün, gelb, weiß und schwarz. Die weiße Farbe stand für die Muslime.

In der Zeit der Republik beruhigte sich die Lage in China mit Ausnahme Ostturkestans. Einige islamische Organisationen entstanden in dieser Zeit. Das Ziel dieser Organisationen war es, die Muslime auszubilden und zu betreuen.

 

Die kommunistische Herrschaft seit 1369 n.H. (1949 n.Chr.)

 

Als die Kommunisten im Jahre 1369 n.H. (1949 n.Chr.) die Macht übernahmen, zog die bisherige Regierung nach Taiwan, um und mit ihr eine Anzahl von Muslimen.

Zu Anfang täuschten die Kommunisten Toleranz gegenüber der Religion vor. Dies diente dazu, ihre Position zu festigen und die Muslime dazu zu bringen, nur im Interesse der Partei zu handeln. Gäste aus dem Ausland sollten nur Positives über sie berichten. Außerdem wollten sie im Namen des Islam Bücher nach ihren Wünschen drucken. Um das alles zu erreichen, gründeten sie eine Organisation mit dem Namen "Islamische Volksgesellschaft". Zu dieser Gesellschaft gehörte auch der Herrscher Ostturkestans (Xinjiangs). Diese Gesellschaft gründete eine Anzahl von Lehr- und Sozialzentren, die den Namen des Islam trugen. Sie brachte Bücher über den Islam aus der Sichtweise des Kommunismus heraus und druckte eine Quranausgabe mit Kommentar. Der Kommentar gab die Meinung der Parteifunktionäre über den Islam wieder. Es wurden nur ausgewählte Menschen zur Pilgerfahrt nach Mekka geschickt, nicht diejenigen, die es selbst wünschten. Die erste dieser Reisegruppen fuhr im Jahre 1375 n.H. (ca. 1956 n.Chr.), also 6 Jahre nach der kommunistischen Machtübernahme, nach Mekka. Im selben Jahr wurde das "Islamische Institut Peking" gegründet, welches die Zeitschrift "Die Muslime in China" herausbrachte. Dieses Institut brachte auch Filme über das Leben der Muslime heraus und sandte diese in die islamische Welt, um für den Kommunismus zu werben.

 

Schließlich verfestigten sich die Wurzeln des Kommunismus, und auf einmal war es mit der anfänglichen Toleranz zu Ende. Die Lage der Muslime änderte sich radikal. Es begann damit, daß das Eigentum der islamischen Stiftungen konfisziert wurde. Daraufhin protestierten einige Muslime. Die Kommunisten reagierten mit einer Wirtschaftsblockade über die Stadt "Khotan" in Ostturkestan, der 10 000 Muslime zum Opfer fielen. Die Muslime weigerten sich, ihre Mädchen an Orte zu schicken, wo sie ein Leben mit Vermischung der Geschlechter - entsprechend der Lehre des Kommunismus - führen sollten. Daraufhin wurden 3500 Muslime in der Stadt "Kashghar" in Turkestan im Jahre 1377 n.H. (ca. 1958 n.Chr.) vernichtet. Das islamische Institut in Peking wurde 1379 n.H. (ca. 1959 n.Chr.) geschlossen. Ab 1384 n.H. (ca. 1964 n.Chr.) wurden auch die gemeinsamen Pilgerfahrten nach Mekka verboten. Die Kommunisten verweigerten die Entsendung von Studenten zur islamischen Universität "Al-Azhar" in Ägypten. Das letzte Mal waren 1357 n.H. (ca. 1938 n.Chr.), also noch vor der kommunistischen Machtübernahme, Muslime zum Studium zur "Al-Azhar" entsendet worden.

Die Muslime wurden in kleine Gebiete zusammengedrängt, in sog. "Autonomiegebiete". Dann wurde damit begonnen, ganze Familien aus Provinzen mit großem muslimischen Bevölkerungsanteil wie Ostturkestan und Gansu in buddhistische Gebiete umzusiedeln. Buddhistische Familien wurden dafür in die früheren muslimischen Gebiete umgesiedelt...

Dies alles provozierte Aufstände und den Widerstand einzelner Personen, aber alles wurde radikal niedergeschlagen. Die Lage verschlimmerte sich mit der "Kulturrevolution" von 1386 n.H. (ca. 1966 n.Chr.), als viele Moscheen geschlossen und viele oppositionelle Gruppen vernichtet wurden. Diese Revolution vernichtete die historischen Spuren - u.a. islamische Gebäude usw. -, die der Islam in China hinterlassen hatte. Es wurde sogar das zerstört, was in der ersten Phase der "Toleranz" der kommunistischen Herrschaft aufgebaut wurde. Alle diejenigen, die dem Islam angehörten - sogar diejenigen, die nicht religiös waren - spürten, daß die "Kulturrevolution" vor allem bezweckte, den Muslimen und alles, was mit ihnen in Verbindung stand, einen Schlag zu versetzen.

Nach dem Tod von Mao Tse Tung, der Symbolfigur des chinesischen Kommunismus, änderte sich die Lage nur scheinbar für die Muslime. Äußerlich ähnelte sie wieder der "Toleranzphase", wie sie zu Beginn der kommunistischen Herrschaft war. In Wirklichkeit gab es jedoch keine Freiheit, und dies alles diente nur dazu, dem Ausland etwas vorzuspielen. Tatsächlich gibt es in China keine Freiheit.


 

5.2.3 Die Muslime in Gabun[105]

 

 

Abb. 5.6 Gabun

 

Gabun umfaßt eine Fläche von 267 667 km² und ist damit etwa so groß wie Westdeutschland. Das Land liegt am Äquator an der Westküste Afrikas. Von den mehr als 1,1 Mio. Einwohnern sind etwa 45% Muslime.

 

Die Einwohner

 

Im Norden leben die Fangh-Stämme und im Süden die Bantu-Stämme. Außerdem gibt es noch einige Menschen, die immer noch in den Wäldern leben. Desweiteren gibt es die Bongo-Stämme, aus denen der Präsident der Republik stammt, der im Jahre 1393 n.H. (ca. 1973 n.Chr.) zum Islam übertrat. Als er Muslim wurde, trat auch seine gesamte Familie zum Islam über und ebenso eine ganze Anzahl von Verantwortlichen und Mitgliedern seines Stammes.

Der Anteil der christlichen Bevölkerung beträgt etwa 35% der Gesamtbevölkerung. Dreiviertel davon sind Katholiken und ein Viertel Protestanten. 2% der Landesbevölkerung sind Muschrikun.

Die offizielle Landessprache ist Französisch; jeder Stamm hat jedoch seine eigene Sprache.

Die Hauptstadt Gabuns ist Libreville und liegt an der Küste.

 

Wie der Islam nach Gabun gekommen ist

 

Der Islam gelangte nach Gabun während der Herrschaftsperiode der Murabitun, welche in Nordafrika regierten. Der Befehlshaber der Mu’minun, Jusuf ibn Taschfin, der damalige Herrscher der Murabitun, sandte im Jahre 493 n.H. (ca. 1100 n.Chr.) einen Da'i namens Maulai Muhammad in das Gebiet von Gabun, um die Menschen zum Islam einzuladen. Während der Herrschaftperiode der Murabitun und der darauffolgenden Herrschaftsperiode der Muwahidun wurden immer wieder Da'is entsandt, und auf diese Art und Weise fuhren die Herrscher der Muslime im Norden Afrikas damit fort, in diese Regionen Menschen zu senden, die zum Islam einluden. Es wurden Moscheen errichtet. Die spätere Schwäche der Muslime ermöglichte es jedoch ihren Feinden, die Küsten unter ihre Herrschaft zu bringen. Sie begannen dort, Sklavenhandel zu treiben, und transportierten vom Gebiet des heutigen Libreville mehr als ein halbe Million in Eisenketten gelegte Sklaven nach Amerika. Unterdessen nahm die Entsendung von Da'is immer mehr ab, bis sie schließlich völlig aufhörte.

 

Die Kolonialisierung der Region

 

Im 10. Jahrhundert n.H. (ca. 15. Jahrhundert n.Chr.) kamen die Europäer nach Gabun. Einer ihrer Vorreiter war ein Portugiese, der die Basis für den Sklavenhandel in dieser Region aufbaute. Er gründete ein Zentrum für den Sklavenhandel am Ort des heutigen Libreville. Von dort aus wurden viele Sklaven nach Amerika verfrachtet, und so waren die Portugiesen die Vorreiter dieser Politik in dieser Region.

Daraufhin landeten die Franzosen mit ihren Truppen an diesem Küstenstreifen. Sie kaufen dort ein Gebiet und kolonisierten es im Jahre 1255 n.H. (ca. 1839 n.Chr.). Zehn Jahre später errichteten sie ein Sklavenhandelszentrum in der Nähe der Küste. Sie drangen in das Landesinnere vor, wo sie die - wie sie behaupteten - christliche Zivilisation verbreiteten, indem sie Menschen entführten, in Ketten legten, mit ihnen Handel trieben und sie zum Arbeiten per Schiff nach Amerika transportierten.

Später wurde Gabun ein Teil eines noch größeren Gebietes, das "Französisch-Zentralafrika" genannt wurde, bis es schließlich im Jahre 1380 n.H. (1960 n.Chr.) unabhängig wurde.

 

In den Tagen der französischen Kolonialherrschaft wurden viele katholische und auch protestantische Missionare nach Gabun geschickt. Sie hatten völlige Freiheit im Umgang mit der einheimischen Bevölkerung sowie alle finanziellen Mittel, die sie benötigten. Während einer Missionarstätigkeit von über einem Jahrhundert schafften sie es, einen Teil der Muschrikun für sich zu gewinnen und zu christianisieren.

 

Obwohl keinerlei islamische Unterstüztung aus dem Ausland kommt, findet der Islam viel mehr als das Christentum den Weg zu den Herzen der Menschen. Es wurde bereits erwähnt, daß der seit Ende der sechziger Jahre amtierende und 1993 mit 51 % gewählte Präsident der Republik - Albert Bernard Bongo -, im Jahre 1393 n.H. (ca. 1973 n.Chr.) den Islam annahm. Der Präsident nahm den Namen Omar an, zum Zeichen, daß er sich völlig von seiner nichtmuslimischen Vergangenheit löste.

 

Mit den Erdölfunden verbesserte sich die wirtschaftliche Lage Gabuns, und es kamen Gastarbeiter aus Nigeria, die ihren Anteil an dem Aufschwung des Landes und der Ausbreitung des Islam hatten. Moscheen begannen in den Städten und Dörfern zu entstehen und mit ihnen Schulen, in denen der Islam gelehrt wird.

Gabun ist außerdem Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder OPEC.

In der momentan schwachen Lage der Umma[106] gab es in der jüngeren Vergangenheit keine Delegationen aus dem muslimischen Ausland, welche sich über die Verhältnisse der Muslime in Gabun informierten. Aus diesem Grund konnte - und kann immer noch - von gewissen Seiten aus behauptet werden, daß es nur sehr wenige Muslime in Gabun gäbe und daß ihr Anteil kaum 1% der Gesamtbevölkerung ausmache.[107]


 

6 Muslime im Westen

 

 

Im 20. Jahrhundert erlebt die Menschheit etwas ganz neues: Die Erde ist aufgrund der globalen Vernetzung im Grunde zu einem kleinen Dorf geworden. Dadurch bedingt ist es viel einfacher für Menschen aus einem Teil der Erde geworden, kurz- oder langfristig in einen anderen Teil der Erde zu reisen, um dort zu arbeiten, zu studieren oder auch nur, um Urlaub zu machen. Inzwischen ist es kein ungewöhnliches Bild mehr, etwa einen europäischen Touristen in Ägypten oder einen Coca Cola trinkenden amerikanischen Angestellten in Saudi-Arabien zu sehen. In diesem Zuge des globalen Zusammenwachsens der Weltgemeinschaft sind auch in größerer Zahl Muslime in den Westen gekommen.

 

Einerseits bildet dieses moderne Phänomen eine große Chance für die Menscheit, sich näher kennenzulernen und zu einer einzigen großen Gemeinschaft zu werden – die Gemeinschaft der Kinder Adams:

"O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander kennenlernen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist."[49:13]

 

Andererseits entstehen durch diese globale Bewegungsfreiheit auch einige Schwierigkeiten: Menschen finden sich auf einmal in einem für sie ungewohnten Umfeld wieder. Besonders dann wird dies zu einer ernst zunehmenden Angelegenheit, wenn diese Menschen nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft in eine für sie fremde Umgebung übersiedeln. Wollen sie ihre bisherige Lebensweise weiter beibehalten, so wird ihnen dies wohl schwerer fallen als in ihrem bisherigen Heimatland. Sind die Differenzen zwischen ihrer bisherigen Lebensweise und der der großen Bevölkerungsmehrheit in ihrer neuen Heimat substantiell, so laufen sie Gefahr, ihre frühere Identität völlig zu verlieren, sollten sie sich in ihrer neuen Heimat gänzlich der Lebensweise der großen Mehrheit anpassen.

 

Genau vor diesem Problem stehen Muslime, wenn sie aus einem muslimischen Land in ein westliches Land umsiedeln. Sie kommen in ein Land mit einer Gesellschaft, deren Werte vornehmlich vom Materialismus geprägt sind, der Gott und das Jenseits im Grunde nicht kennt. Alles ist nur darauf ausgerichtet, daß das Leben möglichst angenehm ist und der Mensch so gut wie möglich sein kurzes Leben genießt. Der Gedanke an einen Schöpfer, vor dem man verantwortlich ist, und der Gedanke an den Tod werden verdrängt. So ist also das höchste Ziel eines materialistisch denkenden Menschen hier auf dieser Welt. So mag dies z.B. ein eigenes Haus oder eine steile Karriere sein. Diese geistige Enge lehnt der Islam ab. Er durchbricht diese Schranken und strebt etwas viel Höheres an. Das Ziel der Muslime ist es, Allahs Wohlgefallen zu erlangen und ins Paradies zu gelangen. Diese Sichtweise wirkt sich wiederum auf das Verhalten des Menschen auf dieser Welt aus. In den Gesellschaften der muslimischen Länder von heute sind diese islamischen Wertvorstellungen zwar mit traditionellen Wertvorstellungen gemischt, jedoch sind sie immerhin vorhanden und spielen eine starke Rolle. Ein Beispiel dafür ist der Begriff der Sünde. In einer heutigen muslimischen Gesellschaft - vor allem in der ländlichen Bevölkerung - ist es einfach eine Ungeheuerlichkeit, wenn jemand sich öffentlich dazu bekennt, Ehebruch zu begehen. Ein anderes Beispiel ist, daß es in einem muslimischen Land von den Mitmenschen als sehr schlimm aufgefaßt wird, wenn jemand seine Eltern schlecht behandelt oder vernachlässigt. In einer westlichen materialistischen Gesellschaft jedoch ist es normal, daß jemand Ehebruch begeht oder daß Jugendliche voreheliche Beziehungen eingehen. Ebenso ist es normal, daß alte Menschen ins Altersheim abgeschoben werden und ihre Kinder sie nur selten besuchen.

 

Die Frage stellt sich nun für einen Muslim, in wieweit er sich unter diesen Umständen in die Gesellschaft seines neuen Heimatlandes integrieren kann. Diese Frage ist im Grunde nicht schwer zu beantworten: Da der Islam eine globale Religion für jeden Menschentypen ist, ist es aus der Sicht des Islam kein Problem, wenn aus einem türkischen, arabischen oder pakistanischen Muslim auf einmal ein deutscher oder französischer Muslim wird – solange er sich noch an die Grundprinzipien des Islam hält. Schlimm wird es aus der Sicht des Islam erst dann, wenn er sich z.B. in geistiger oder moralischer Hinsicht vom Islam entfernt oder sogar den Islam verläßt:

 „...Wer sich aber von euch von seinem Din abbringen läßt und als Kafir stirbt – das sind diejenigen, deren Taten wertlos sein werden in dieser Welt und im Jenseits. Sie werden die Bewohner des Feuers sein und darin werden sie ewig verweilen.“[2:217]

 

Für den Muslim geht es also darum, daß er einerseits ein Teil der Gesellschaft wird[108], andererseits sich aber von schlechten Dingen der Gesellschaft fern hält und sich nicht daran beteiligt, Schlechtes zu tun. Aus der Sichtweise des Muslim wird die Definition dessen, was gut und was schlecht ist, durch den Islam gegeben.

 

 

Wenn ein muslimischer Mann eine nichtmuslimische Frau heiratet, ist wohl der Fall gegeben, bei dem es zu einem der engsten Kontakte zwischen Muslimen und Nichtmuslimen kommt: Deshalb soll in diesem Zusammenhang näher auf die Möglichkeit einer solchen Heirat eingegangen werden.

 

 

Die Heirat zwischen einem Muslim und einer nichtmuslimischen Frau unter heutigen Umständen

 

Wir haben in Kapitel 1 gesehen, daß ein Muslim normalerweise eine christliche oder jüdische Frau heiraten darf. Im Quran steht:

"...es ist für euch gestattet, die unbescholtenen muslimischen Frauen und die unbescholtenen Frauen von den Ahlul-kitab zu heiraten..."[5:5]

 

Die westliche Gesellschaft wird allgemein als traditionell christliche Gesellschaft angesehen. Viele Menschen im Westen sind jedoch in Wirklichkeit Atheisten oder haben andere nichtchristliche Bekenntnisse.

Im folgenden werden die verschiedenen Kategorien von Nichtmuslimen und jeweils der Standpunkt des Islam bezüglich der Heirat eines Muslim mit einer Frau aus einer dieser Kategorien erläutert:

    Eine nichtmuslimische Frau kann eine Muschrika, eine Atheistin, eine vom Islam Abtrünnige oder aber eine Frau von den Ahlul-kitab[109] sein.

 

Die Heirat mit einer Muschrika[110]:

Az-Zuhaili[111] sagt in seiner Erläuterung zu den Quranversen Sure 60, Verse 10-11 folgendes:

"Der folgende Teilvers "...und haltet nicht fest am Band mit den Kafirat..."[112] verbietet euch Mu’minun die Heirat mit den Muschrikat und das Verbleiben in einer ehelichen Gemeinschaft für diejenigen unter euch, welche momentan Muschrikat als Ehefrauen haben. Dieses Band ist zerissen worden aufgrund des Unterschiedes der Religionen...Bevor dieser Vers herabgesandt wurde, war es üblich, daß die Kafirun den Muslimen Frauen zur Ehe gaben und daß Muslime Muschrikat heirateten. Dieser Vers hob diese Erlaubnis auf. Er ist ein Hinweis auf ein ausdrückliches Verbot, mit einer Muschrika in ehelicher Gemeinschaft zu leben. Dies gilt bezüglich einer Muschrika und nicht für eine Nichtmuslima von den Ahlul-kitab[113]. Eine bestehende Ehe zwischen einem Muslim und einer Muschrika wird hiermit ungültig, wenn die Ehefrau Muschrika bleibt..."[114]

 

Yusuf al-Qaradawi sagt in [Qaradawi87] über die Heirat mit einer Atheistin, einer Abtrünnigen und einer Frau von den Ahlul-kitab folgendes:

"...

Die Heirat mit einer Atheistin:

Hiermit ist eine Frau gemeint, die an keine Religion glaubt, und die weder eine Göttlichkeit, noch ein Prophetentum oder ein Jenseits bekennt. Die Gründe dafür, das es verboten ist, eine solche Frau zu heiraten, sind noch klarer, als es beim Verbot der Heirat mit einer Muschrika der Fall ist. Und zwar deswegen, weil eine Muschrika wenigstens die Existenz Gottes anerkennt, wenn sie Ihm auch etwas anderes in der Anbetung zur Seite stellt...Die Heirat mit einer Atheistin ist verboten[115] und ohne geringsten Zweifel nach der Scharia[116] nicht möglich.

 

Die Heirat mit einer vom Islam abtrünnigen Frau:

Ein Abtrünniger[117] bzw. eine Abtrünnige ist jeder bzw. jede, der bzw. die, nachdem er Muslim war bzw. nachdem sie Muslima war, wieder vom Islam abfällt.

 Dabei ist es egal, ob er bzw. sie danach eine andere Religion annimmt oder nicht. Es ist nicht gestattet, daß ein eheliches Leben zwischen einem Muslim und einer Abtrünnigen bzw. zwischen einer Muslima und einem Abtrünnigen besteht. Das Verbot gilt sowohl für das Eingehen einer solchen Ehe, wie auch für den Fortbestand einer solchen Ehe. Das Verbot eines Fortbestandes einer solchen Ehe bedeutet, daß es verboten ist, daß eine Ehe weiterbesteht, wenn einer der Ehepartner während der Ehe vom Islam abfällt.

 

Die Heirat mit einer Frau von den Ahlul-kitab[118]:

Die große Mehrheit der muslimischen Gelehrten ist der Meinung, daß die Heirat mit einer Frau von den Ahlul-kitab im Grundsatz erlaubt ist...dieser Grundsatz ist jedoch an einige Rahmenbedingungen geknüpft, welche wir nicht außer Acht lassen dürfen:

 

1) Es muß überprüft werden, ob die Frau überhaupt zu den Ahlul-kitab gehört. Es ist bekannt, daß heutzutage im Westen z.B. nicht jedes Mädchen, welches christliche Eltern hat, unbedingt Christin sein muß. Ebenso muß nicht jedes Mädchen, welches in einem christlichen Umfeld aufgewachsen ist, unbedingt Christin sein.

 

2) Die Frau muß keusch sein (d.h. sie darf nicht eine Frau sein, die unehelichen Geschlechtsverkehr hat bzw. gehabt hat, ohne dies aufrichtig vor Gott bereut zu haben).[119]

 

3) Sie darf nicht von einem Volk sein, welches die Muslime bekriegt und ihnen feindlich gegenübersteht. Aus diesem Grund machten in dieser Frage eine Reihe von Rechtsgelehrten einen Unterschied zwischen einer Frau von den Ahlu-Dhimma[120] und einer Frau aus einem Volk, welches mit den Muslimen im Kriegszustand steht. Diese Rechtsgelehrten sahen die Ehe mit der ersteren für erlaubt, eine Ehe mit der letzteren hingegen für nicht erlaubt an...

 

4) Aufgrund dieser Heirat darf keine Verführung[121] zum Schlechten bzw. Abwegigmachung vom Islam und kein Schaden entstehen. Die Heirat darf nicht stattfinden, wenn mit Sicherheit oder höchstwahrscheinlich ein Schaden entstehen wird. Es ist allgemein so, daß die erlaubten Dinge nur unter der Bedingung erlaubt sind, daß kein Schaden entsteht. Wenn zu Tage tritt, daß durch ein unbegrenztes Tun einer erlaubten Sache ein allgemeiner Schaden entsteht, so wird diese erlaubte Sache allgemein unerlaubt. Führt eine erlaubte Sache in speziellen Fällen zu Schaden, dann wird sie in diesen speziellen Fällen zu einer verbotenen Sache. Je stärker das Ausmaß des Schadens ist, desto schärfer ist das Verbot anzusehen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) hat gesagt: "Keinen Schaden zufügen und keinen Schaden mit Schadenzufügung beantworten“[122]

...

...

Es sollte hier nicht vergessen werden zu erwähnen, daß... alle Gelehrten darin übereinstimmen, daß einer Heirat mit einer muslimischen Frau der Vorzug zu geben ist und daß sie in vielerlei Hinsicht besser ist. So besteht kein Zweifel daran, daß die Voraussetzungen für ein glückliches Leben günstiger sind, wenn die religiösen Überzeugungen der beiden Ehepartner übereinstimmen...Darüber hinaus beläßt es der Islam nicht dabei, dem Muslim die Heirat mit irgendeiner Muslima anzuraten, sondern er fordert den Muslim auf, eine fromme und religiöse muslimische Frau zu heiraten. Denn eine solche Frau ist stärker darum bemüht, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen und die Rechte des Ehemannes zu wahren. Sie ist eher in der Lage, sich selbst, den Besitz und die Kinder des Mannes gut zu behüten und zu bewahren. Aus diesem Grund sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) in einem authentischen[123] Hadith: "Bemühe dich darum, daß du es schaffst, eine fromme muslimische Frau zu heiraten, dann hast du einen reichen Gewinn gemacht."..."[124]

 


Die Pflichtbereiche eines im Westen lebenden Muslims

 

Yusuf al-Qaradawi erwähnt in [Qaradawi92], daß er bei Besuchen im Westen die dort lebenden Muslime immer wieder an folgende Pflichten erinnert hat, welche im folgenden sinngemäß wiedergegeben sind:

 

1. Die Pflicht des im Westen lebenden Muslim gegenüber sich selbst: daß er sich selbst und seinen Iman bewahrt und entwickelt.

 

2. Die Pflicht gegenüber seiner Familie: Daß er die islamische Lebensweise bei ihr bewahrt.

 

3. Die Pflicht gegenüber seinen muslimischen Geschwistern: Daß er sich mit ihnen vereint, so daß sie wie ein einziger Körper sind.

 

4. Die Pflicht gegenüber seinem nichtmuslimischen Umfeld, in dem er lebt: Daß er die Botschaft des Islam nicht für sich behält, sondern seine Mitmenschen mit Weisheit und auf schöne und nette Art und Weise zum Islam und somit zu Gott und dem Paradies einlädt.

 

 

Im folgenden wird etwas näher auf die ersten 3 Pflichtbereiche eingegangen – der 4. Pflichtbereich wurde bereits in Kap.1 etwas näher erläutert:

 

zu 1.:

Zuallererst hat ein Muslim die Pflicht, seinen eigenen Iman zu bewahren. Dies geschieht dadurch, daß er versucht, sich so nah wie möglich an die Gebote und Verbote Allahs zu halten. Allah hat gesagt:

"Allah läßt kein Volk irregehen, nachdem Er sie rechtgeleitet hat, bevor Er ihnen klar gemacht hat, wovor sie sich hüten sollen"[9:115]. Dieser Vers deutet darauf hin, daß die Sünden ein Grund dafür sind, daß jemand vom rechten Weg abkommt[125]. Weiterhin soll ein Muslim eine Bindung zum Buch Allahs durch tägliches Lesen des Quran aufrechterhalten. Schließlich soll er sich an die Gemeinschaft halten. Der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) hat gesagt:

"Wer von euch einen Platz in der Mitte des Paradieses haben will, der soll sich an die Gemeinschaft halten. Denn der Satan ist mit dem Einzelnen, und er ist von zweien schon weiter weg."[126]

Das bedeutet, daß derjenige, der die muslimische Gemeinschaft verläßt, sehr leicht dem Satan ausgeliefert ist.

Aus dem folgenden Hadith sieht man, wie man sich Allah nähern kann: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) hat gesagt:

"Allah der Erhabene hat gesagt:

...Mein Knecht nähert sich Mir nicht mit etwas, das ich mehr liebe als das, was ich ihm zur Pflicht auferlegte.[127] Mein Knecht fährt fort, sich mir durch zusätzliche Frömmigkeit (d.h. freiwillige gottesdienstliche Handlungen) zu nähern, bis Ich ihn liebe..."[128]

 

zu 2.:

Allah hat gesagt:

"O ihr Mu’minun, hütet euch selbst und eure Angehörigen vor einem Feuer, dessen Brennstoff die Menschen und die Steine sind, und über dem unnachgiebige harte Engel sind, die sich Allah nicht in dem widersetzen, was Er ihnen befiehlt, und die tun, was ihnen befohlen wird."[66:6]

 

Die Pflicht, seine Kinder und seine Familie islamisch zu erziehen, ist in einer nichtmuslimischen Umgebung besonders schwer, da die heranwachsenden Kinder außerhalb des Elternhauses sonst wenig Gelegenheit haben, eine islamische Erziehung zu bekommen. Um so mehr müssen  muslimische Eltern sich hier im Westen um ihre Kinder kümmern und das Elternhaus zu einer islamischen Umgebung machen. Leider ist es in der Vergangenheit wohl oft passiert, daß die Eltern nur mit Geldverdienen beschäftigt waren und die Erziehung der Kinder völlig vernachlässigt haben.

 Es hat sich gezeigt, daß z.B. das gemeinsame tägliche Gebet und das gemeinsame Quranlesen in der Familie sehr viel bringt. So soll also z.B. der Vater nicht nur an sich denken und selbst in die Moschee gehen, während seine Kinder zur selben Zeit in der Stadt herumlungern oder in die Disco gehen.

Auch muß man dafür sorgen, daß die Kinder und die Jugendlichen mit anderen muslimischen Kindern und Jugendlichen zusammenkommen, damit sie in ihrer muslimischen Identität gestärkt werden.

Ebenso ist es sehr wichtig, daß die muslimischen Familien sich gegenseitig besuchen, um so der Familie ein muslimisches soziales Umfeld zu bieten.

 

In diesem Zusammenhang hat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) gesagt:

"Für einen Menschen ist es besser, sein Kind zu erziehen, als eine Schale (Getreide) einem Armen zu geben."[129]

und:

"Behandelt eure Kinder gut und erzieht sie gut."[130]

 

Die Belohnung im Jenseits, die ein Mensch für die gute Erziehung seines Kindes bekommt, ist sehr groß. Sie gehört sogar zu denjenigen drei Dingen, die weiterhin als gute Taten hinzukommen, wenn der Mensch schon längst gestorben ist. So hat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) gesagt:

"Wenn der Mensch stirbt, dann hört es auf, daß seine guten Taten sich vermehren - außer in drei Fällen:

1. Eine Almosengabe, die nach seinem Tod weiterläuft (z.B. eine Stiftung);

2. wenn er nützliches Wissen verbreitet hatte, welches von Nutzen für die Menschheit ist;

3. ein gut erzogenes (muslimisches) Kind, das für ihn betet."[131]

 

zu 3.:

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) hat gesagt:

„Wahrlich, der Mu’min ist für einen anderen Mu’min wie ein Mauerwerk; ein Teil hält das andere fest.“ Und der Prophet schob demonstrativ seine Finger ineinander.[132]

 

Ebenfalls sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm):

„Gewöhnlich findest du die Mu’minun in ihrer Barmherzigkeit, ihrer Zuneigung und ihrem Mitleid zueinander wie den Körper: Wenn ein Teil davon leidet, reagiert der ganze Körper mit Schlaflosigkeit und Fieber!“[133]

 

Einigkeit und Brüderlichkeit[134] entstehen durch Liebe zwischen den Muslimen. Liebe wiederum entsteht durch gutes gegenseitiges Kennenlernen und regelmäßiges Zusammentreffen der einzelnen Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft.

Gerade in einem nichtmuslimischen Umfeld ist es sehr wichtig, daß man sich regelmäßig mit seinen muslimischen Geschwistern trifft. Das Gemeinschaftsgebet, welches fünfmal am Tag stattfindet, ist im Islam eine Einrichtung, die dem Zusammentreffen der Muslime dient. Für die Verrichtung eines Pflichtgebets in der Gemeinschaft wird man von Allah 27mal mehr belohnt, als wenn man es alleine verrichtet. Daran kann man vielleicht die Wichtigkeit des Zusammenkommens und der Einigkeit der Muslime sehen.

So hat das deutsche Sprichwort ganz recht, wenn es sagt: "Fern vom Auge, fern vom Herz."

 

Jedoch ist dieses Zusammenhalten nur ein Zusammenhalten im Guten. Maulawi schreibt in [Maulawi87]:

„...Der Muslim darf nicht unrecht tun, was auch immer die Gründe sein sollten. Wenn es zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Muslim und einem Nichtmuslim kommen sollte, so bist du als Muslim auf der Seite des Wahrheit und der Gerechtigkeit, selbst wenn es gegen einen deiner Geschwister im Islam gerichtet sein sollte. Dies ist die Anweisung und das Gesetz Allahs und die Bedeutung des folgenden Ausspruches des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm): "Helfe deinem Bruder im Recht und im Unrecht", worauf ein Mann fragte: "O Gesandter Allahs, ich helfe ihm, wenn ihm Unrecht getan wird, wie soll ich ihm aber helfen, wenn er selbst derjenige ist, der Unrecht tut?", worauf der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) sagte: "Im letzteren Fall sollst du ihn davon abhalten, das Unrecht zu begehen. Darin besteht deine Hilfe."[135]

...“[136]


 

Literaturverzeichnis

 

[Al-Khatib](in arab. Sprache)

Dr.Muhammad `Udschadsch Al-Khatib (Assistenzprofessor an der Fakultät für islamische Religionswissenschaft der Universität Damaskus), „Usul al-Hadith, ulumuhu wa mustalahatuhu“ (Die Fundamente des Hadith – Hadithwissenschaft und deren Begriffe), Verlag: Darul-Fikr, Beirut, 1409 n.H. (1989 n.Chr.)

 

[As-Sabuni, Mourad] (teilw. deutsches Orginal, teilw. ins Deutsche übersetzt)

„Erläuterungen zur Sure Ya Sin“ von Muhammad Ali As-Sabuni (aus „Safwat at-Tafasir“). Eine Zusammenstellung von Aussagen klassischer Qurankommentatoren zu Versen der Sure Ya Sin. Mit einer Einführung von Samir Mourad (Die Zeichen Allahs, der Jüngste Tag).

ISBN 3-930767-04-X; CORDOBA-Verlag Karlsruhe (Stefanienstr. 21, 76133 Karlsruhe, Tel. 0721/22307, Fax. 0721/22304), 1.Auflage, 1420/1999

 

[Aubin91](in engl. Sprache)

Francoise Aubin, „A glimpse of Chinese Islam“, JIMMA (Journal Institute of Muslim Minority Affaires); Vol.XII, No.II, July 1991; pp. 335-345; Institute of Muslim Minority Affaires, 46 Goodge St., London W1P 1FJ, United Kingdom.

 

[AvD 94] (in deutscher Sprache)

Ahmed v. Denffer; "Kleines Wörterbuch des Islam"; ISBN 3 - 88933 - 017 - 7


[Azzindani](deutsche Synchronisation des arab. Orginals)

„Dies ist die Wahrheit - Eine Beweisführung für die Wahrheit des Islam anhand moderner naturwissenschaftlicher Entdeckungen“

Scheich Abdulmajid Azzindani ist Professor an der Iman-Universität im Jemen.

(Scheich Abdulmajid Azzindani spricht mit bekannten Naturwissenschaftlern; VHS, 4 Kassetten), Islamisches Zentrum Karlsruhe (Neisserstr.10, 76139 Karlsruhe, Tel./Fax. 0721/678779), 2.,unveränderte Auflage, 1999

Vertrieb: DMK e.V., Stefanienstr. 21, 76133 Karlsruhe, Tel. 0721/22307 Fax. 0721/22304

 

[Az-Zuhaili] (in arab. Sprache)

Prof. Dr. Wahbat Az-Zuhaili (Direktor der Abteilung für islamisches Recht und seine Rechtsschulen an der Universität Damaskus); „Al-Tafsir al-Munir fi al-Aqida wa al-Scharia wa al-Manhadsch“ (Qurankommentar, welcher die Aspekte der Iman-Inhalte (Aqida), des islamischen Rechtes und die Herangehensweise (Manhadsch) beleuchtet); 32 Bände, Dar al Fikr, Damaskus - Dar al Fikr al-Mu'asir, Beirut

 

[Bavaria] (in deutscher Sprache)

„Die Bedeutung des Korans“, (Übersetzung des Korans ins deutsche mit Ausschnitten aus Kommentaren zu den einzelnen Koranversen von verschiedenen Korankommentatoren), 5 Bände, SKD Bavaria Verlag & Handel GmbH, ISBN 3-926575-40-9, 1997 Bavaria-Verlag: Tel. (089)333567/392080/392080/392088/392089,

Fax. (089)3144011


[DictScientificBiogr]

„Dictionnary of Scientific Biography“, New York 1970-1990

 

[IbnKathir2] (in arab. Sprache)

Ibn Kathir (gest. 774 n.H.), „Al-bidaya wan-nihaya“ (Der Anfang und das Ende) - Geschichtswerk in 8 Bänden; Verlag: Daru-r-rayyan litturath, Kairo, Misr al-Dschadida, Alexandria, 1.Auflage, 1408 n.H.(1988 n.H.)

 

 [Mohammad1984] (in engl. Sprache)

Zohra Schah Mohammad; "Muslims in the Philippenes" Proceedings of THE FIRST ISLAMIC GEOGRAPHICAL CONFERENCE; Volume VII

Imam Muhammad ibn Saud Islamic University , Researche Centre Ministry of Higher Education, Kingdom of Saudi Arabia

 

[Maulawi87] (ins deutsche übersetzt, jedoch nicht veröffentlicht, Kopien der Übers. im Deutschsprachigen Muslimkreis Karlsruhe, Tel. 0721/22307, Fax. 0721/22304, erhältlich.)

Scheich Feisal Maulawi (Religiöses Oberhaupt der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Europa; ehemals Berater im obersten Schariagericht der Sunniten in Beirut/Libanon),

„Die Prinzipien der Scharia, auf denen die Beziehungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen gegründet sind“, Verlag: dar ar-raschad al-islamiyya, 1987

 

[Maulawi97]

Interview des Autors mit Scheich Feisal Maulawi am 4.12.1997 in Beirut


[M.N.Yasin] (in arab. Sprache)

Dr. Muhammad Na'im Yasin (ehemals Assistenzprofessor an der Jordanischen Universität – Fakultät für Scharia; zur Zeit der Drucklegung des arabischsprachigen Orginals Assistenzprofessor an der kuwaitischen Universität); "Al-Iman - arkanuhu, haqiqatuhu, nawaquduhu" (Der Iman - die einzelnen Imanartikel, das Wesen des Iman, was nicht mit dem Iman zu vereinbaren ist); 4., erweiterte Auflage

 

[MuradHoffmann]

Dr. Murad Wilfried Hoffmann (deutscher Botschafter a.D.), „Der Islam als Alternative“, Verlag: Diederichs

 

[Qaradawi87] (in arab. Sprache)

Yusuf al-Qaradawi; "Die Rechtleitung des Islam - zeitgenössische Fatwas (islamische Rechtsgutachten)" (Huda-l-islam fatawi mu'asara); Auflage 1987, Dar al-Qalam linnaschr wa-t-tawzi'

 

[Qaradawi1992] (in arab.Sprache; existiert in türkischer Übersetzung)

Dr. Yusuf al-Qaradawi; „Nichtmuslime in der islamischen Gesellschaft“ (ghair al-muslimin fil mudschtami’ al-islami), Verlag: Maktabat Wahba, Kairo, 1992

 

[Qaradawi92] (in arab. Sprache, teilweise ins englische übersetzt im Internet) Dr. Yusuf al-Qaradawi; "Die Prioritäten der islamischen Bewegung in der kommenden Periode", Maktabat Wahba, Kairo, 1412 n.H. (1992 n.Chr.)

 

[Sabiq3] (in arabischer Sprache, in türk. Übers. vorhanden)

Sayyid Sabiq, „Fiqhu-s-Sunna“ (Islamisches Recht), Teil 3 - as-silm wal-harb, al-mu’amalat (Frieden und Krieg, zwischenmenschlicher Umgang), Verlag: Darul-Fikr, 1992


[Schakir1] (in arab. Sprache)

Mahmud Schakir; "Al-muslimun fil fillippin wa daulat moro" ("Die Muslime auf den Philippinen und dem Staat Moro"), 2. Auflage; aus der Reihe: Die Heimatländer der muslimischen Völker in Asien; Verlag: Al-maktab al-islami, Beirut, Damaskus, 1985

 

[Schakir2] (in arab. Sprache)

Mahmud Schakir, "Mawatin asch-Schu’ub al-islamiyya fi Asia, 2: Turkistan ascharqiyya" (Aus der Reihe: "Die Heimatländer der Muslime in Asien": Teil 2: Ostturkistan); 7. Auflage; Verlag: Al-maktab al-islami, Tel. 450638, Beirut; 1988

 

[Schakir3] (in arab. Sprache)

Mahmud Schakir, "At-tarikh al-islami" (Die islamische Geschichte) - 2. Teil: „Die zeitgenössische Geschichte“, Band 22 (Die muslimischen Minderheiten auf der Erde), 2. Auflage, Verlag: Al-maktab al-islami, Beirut, Damaskus, Amman, 1995

 

[Zaidan] (in deutscher Sprache)

Amir M.A. Zaidan, „Al-‘Aqida - Einführung in die zu verinnerlichenden Inhalte des Islam“, Muslim-Studenten-Vereinigung in Deutschland e.V., Marburg, 1997,

ISBN 3 932399-16-1



[1] Das Kapitel „Erläuterung einiger islamischer Fachbegriffe“ wurde in nahezu unveränderter Form aus dem entsprechenden Kapitel in [As-Sabuni, Mourad] übernommen. Der Grund dafür, daß der gleiche Text nochmals in diesem Buch abgedruckt wird, ist der, daß man nicht voraussetzen kann, daß der Leser des vorliegenden Buches auch [As-Sabuni, Mourad] gelesen hat. Andererseits ist aber das Verständnis der eingeführten Begriffe unbedingt nötig für das richtige Verständnis des vorliegenden Buches.

[2] zumeist aus [Al-Khatib] entnommen

[3] Die gängige Ansicht unter den Gelehrten für die Bedingung dafür, daß eine Überlieferung als mutawatir gilt, ist, daß es mindestens 9 verschiedene Überlieferungsketten der gleichen Überlieferung gibt.

[4] Siehe [Qaradawi1992], S.6

[5] Dies sagte auch Qaradawi in der Sendung „Asch-Scharia wal-Hayat“ vom 8.5.1999 des per Satellit übertragenen Fernsehsenders „Al-Dschazira“ aus Qatar.

[6] Zur genaueren Erläuterung möge der Leser den Kommentar zu diesen Versen in deutscher Sprache lesen (siehe [Bavaria], Kommentare zur Sure 5, Verse 72-77).

[7] Diese Rahmenbedingungen insbesondere im Lichte der heutigen Situation der Muslime im Westen werden in Kap.6 näher erläutert.

[8] Dies berichtete Buchari.

[9] Im Islam ist es verboten, an einem Tisch zu sitzen, an dem Alkohol getrunken wird.

[10] Im Arabischen wird die „Die Einladung zum Islam“ mit dem Wort „Dawa“ bezeichnet. Dawa ist ein umfassendes Wort, welches sowohl die Einladung der Nichtmuslime zum Islam bedeuten kann wie auch die Einladung der nichtpraktizierenden Muslime, sich an den Islam zu halten. Sprachlich gesehen heißt „Dawa“ allgemein „Einladung“.

[11] Dies berichtete Muslim.

[12]Diese Begebenheit wird ebenfalls von Tirmidhi und Hakim überliefert.

[13] aus: Sayyid Qurb; „Fi dhilal al-quran“ (Im Schatten des Quran), Band 1, S.500 f., Dar asch-Schuruq, 21. Auflage, 1414 n.H. (1993 n. Chr.)

[14] aus [Az-Zuhaili]

[15] Ikrima sagte: „Ich denke, Abu Huraira sagte: „...finanzielle Hilfe wegen eines zu entrichtenden Blutgeldes...“ “

[16] In dem Bericht, den Al-Bazar überliefert, kommt der Teilsatz "...und ihr hättet ihn getötet..." nicht vor. Muhammad Al-Ghazzali erwähnt jedoch den gleichen Bericht in "Khuluq al-Muslim" (Der Charakter des Muslim) in einer etwas anderen Fassung, wobei bei ihm der letzte Satz lautet: "..Wahrlich, hätte ich euch zu dem Zeitpunkt walten lassen, als der Wüstenaraber seine beleidigenden Worte mir gegenüber sagte, und ihr hättet ihn getötet, so wäre er ins Feuer gekommen."

[17] In [Maulawi87] ist dargestellt, daß es im Quran bezüglich des Kampfes verschiedene Kategorien von Quranversen gibt. Sie galten für die entsprechenden Phasen, in denen sich die muslimische Gemeinschaft mit dem Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) befand. Es gab ingesamt 4 Phasen. Das, was im weiteren Verlauf des Kapitels außerhalb dieser Fußnote steht, galt für die 4. Phase, als die Muslime bereits eine starke militärische Macht waren. Hier wird jedoch eine kurze Zusammenfassung der 4 Phasen gegeben:

 

1. Phase (mekkanische Phase und interne Aufbauphase des islamischen Staates in Medina): In dieser Phase war es für die Muslime verboten zu kämpfen, auch wenn ihre Feinde sie töteten. Die folgenden Verse galten für diese Phase:

"...haltet eure Hände zurück und verrichtet das Gebet und gebt die Zakat..."[4:77]

"...und harre in Geduld aus; deine Geduld aber kommt nur von Allah. Und sei weder traurig über sie, noch beunruhigt wegen ihrer Ränke."[16:127]

"Und es sind jene, die im Verlangen nach dem Wohlgefallen ihres Herrn geduldig bleiben und das Gebet verrichten und von dem, was Wir ihnen gegeben haben, im Verborgenen und öffentlich spenden und das Böse durch das Gute abwehren - diese sind es, denen der Lohn der Wohnstatt zuteil wird "[13:22]

 

2. Phase, in der es für die Muslime erlaubt, aber keine Pflicht war, gegen diejenigen zu kämpfen, die sie bekämpfen und sie aus ihrem Land vertrieben haben:

Allah der Erhabene hat gesagt: "Wahrlich, Allah verteidigt die Mu‘minun. Gewiß, Allah liebt keinen Treulosen, Undankbaren. Die Erlaubnis (, sich zu verteidigen,) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah - und Allah hat wahrlich die Macht, ihnen zu helfen -, jenen, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sagten: "Unser Herr ist Allah." Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiß Klausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Allahs oft genannt wird, niedergerissen worden. Und Allah wird sicher dem beistehen, der Ihm beisteht. Allah ist wahrlich Allmächtig, Erhaben. Jenen, die, wenn Wir ihnen auf Erden die Oberhand gegeben haben, das Gebet verrichten und die Zakat entrichten und Gutes gebieten und Böses verbieten (, steht Allah bei). Und Allah bestimmt den Ausgang aller Dinge." [22:38-41]

 

3. Phase, in der es für die Muslime vorgeschrieben war, gegen diejenigen zu kämpfen, die die Muslime bekämpfen:

Nach dem hervorragenden Sieg, den die Muslime in der großen Schlacht von Badr gegen die Mekkaner erlangt haben, erfolgte eine offensichtliche Änderung in der gegenseitigen Stellung der Konfliktparteien auf der arabischen Halbinsel:

 

·          Die Muslime waren nun zu einer militärischen Macht geworden, die stärker als die der Mekkaner war.

·          Die aus Mekka vertriebenen Muslime hatten sich inzwischen gut in Medina eingelebt, und die Probleme, die sich aus der Immigration einer solch großen Zahl von Menschen ergaben, begannen, sich zu lösen.

·          Es war nun nicht mehr angebracht, daß der Kampf nur erlaubt war, sondern es wurde nötig, gegen diejenigen zu kämpfen, die die Muslime bekämpfen, damit die Feinde nicht hoffen konnten, daß sie gegen die Muslime kämpfen können, wobei diese sich evetuell nicht verteidigen würden. So fing also die 3. Phase nach dem Ende der großen Schlacht von Badr an und dauerte bis zum Feldzug nach Tabuk im 9. Jahr n.H. an.

[8:39-40], [8:61], [2:216] und [2:190-193] gehören zu den Versen, die für diese Phase galten.

Die Regeln für den Kampf in dieser Phase kann man in zwei Regeln zusammenfassen:

1. Die Muslime haben die Pflicht gegen diejenigen zu kämpfen, die sie bekämpfen.

2. Die Muslime haben die Pflicht, Frieden zu schließen, wenn die Feinde einen Frieden wollen.

 

4. Phase: Die wesentlichen Bestimmungen dieser Phase sind im Text dieses Kapitels außerhalb dieser Fußnote gegeben.

 

 

Im folgenden wird auf die Gültigkeit der Bestimmungen der obengenannten Phasen eingegangen. In [Maulawi87] heißt es:

„...Dr. Kamil ad-Daqs unterstützte in seinem Buch "Die Verse über den Dschihad im Quran" die Meinung, daß die von den entsprechenden Phasen abhängigen Bestimmungen des Dschihad nicht abrogiert sind, so daß es nach der Offenbarung der Bestimmungen der letzten Phase, welche sich in der 9. Sure befinden, verboten wäre, danach zu handeln, gleich unter welchen Umständen sich die muslimische Gemeinschaft (arab. Umma) befindet. Zur Bestätigung dieser Anschauung führte er die Einteilung der Abrogation in drei Arten von Imam as-Suyuti (Allah möge ihm barmherzig sein) an:

"...Die dritte Art ist, wenn eine Anweisung aus einem bestimmten Grund gemacht wurde, und später der Grund dafür weggefallen ist, wie z.B. der Befehl zur Geduld und zum Sichabwenden, wenn die Muslime schwach und gering an Zahl sind. Später ist dies dann durch die Pflicht zum Kampf abrogiert worden. Dies ist in Wirklichkeit jedoch keine echte Abrogation, sondern eine sog. Mansa‘a, wie Allah sagt: "..oder wenn Wir sie zeitweise ungültig (arab. nansa‘aha, in einer anderen Lesart heißt es nunsiha) machen.."[2:106]. Beim Befehl zum Kampf liegt also eine Mansa‘a vor, bis daß die Muslime erstarken; wenn also die Muslime schwach sind, dann gilt die Bestimmung, daß es Pflicht ist, geduldig das zu ertragen, was den Muslimen an Schaden zugefügt wird....Eine Abrogation (arab. Nash) bedeutet die Abschaffung einer Bestimmung, in dem Sinne, daß es verboten ist, weiterhin danach zu handeln."

 

[18] Direktor der Abteilung für islamisches Recht und seine Rechtsschulen an der Universität Damaskus

[19]Dr. Az-Zuhaili; "Athar al-harb fil fiqh al-islami" (Der Krieg und das islamische Recht); Verlag: Dar-ul-fikr; Damaskus

[20] siehe [Maulawi87]

[21] In [Maulawi97] macht Maulawi klar, daß diese Abwegigmachung gewaltsam sein muß, um einen Krieg mit Waffengewalt von Seiten der Muslime zu rechtfertigen. Maulawi meint also, daß etwa verbale Kriegsführung z.B. durch systematisches Lügenverbreiten der nichtmuslimischen Massenmedien bezüglich des Islam keinen Kriegsgrund darstellen.

Gewaltsames Abwegigmachen hingegen wäre z.B., wenn man Menschen, die die Einladung zum Islam aussprechen, ins Gefängnis stecken würde. Ein anderes Beispiel wäre, wenn man Menschen, die den Islam angenommen haben, foltern würde, um sie dazu zu bringen, wieder aus dem Islam auszutreten.

[22] Mit fitna ist hier gemeint, daß Menschen mit Gewalt vom Islam abgehalten bzw. wieder davon abgebracht werden.

[23]  natürlich nach Ausschöpfung aller friedlichen Mittel

[24]aus: [Maulawi87], 4. Kapitel

[25]Siehe Prophetenbiographie von Ibn Hischam und anderen.

[26] Ausländische Diplomaten genießen bis heute Sonderbehandlung. So wird z.B. ihr Gepäck bei Ein- und Ausreise nicht durchsucht, wenn es als Kuriergepäck ausgewiesen ist.

[27]siehe Buchari; dort wird die Angelegenheit mit Heraklios ausführlich berichtet.

[28] vgl. Sure 61, Vers 6: Und da sagte Jesus, der Sohn der Maria: „O ihr Kinder Israels, ich bin Allahs Gesandter bei euch, der Bestätiger dessen, was von der Thora vor mir gewesen ist, und Bringer der frohen Botschaft eines Gesandten, der nach mir kommen wird. Sein Name wird Ahmad sein.“ Und als er zu ihnen mit den Beweisen kam, sagten sie: „Das ist ein offenkundiger Zauber.“

Buchari berichtete von Dschubair ibn Mut’im, der gesagt hat: Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) sagen: „Ich habe fünf Namen: Ich bin Muhammad, und ich bin Ahmad, und ich bin der Beseitiger (arab. al-Mahi), durch den Allah den Kufr beseitigt, und ich der Versammler (arab. al-Haschir), nach dem die Menschen versammelt werden (d.h. nach mir kommt der Tag der Auferstehung, an dem die Menschen versammelt werden), und ich bin der Hinterherkommende (arab. al-`Aqib) (d.h. der Letzte, der nach allen anderen Propheten kommt).“

[29] arab. aschhadu an la ilaha illallah wa aschhadu anna Ahmadan rasulullah

[30] Siehe [IbnKathir2], Band 2, 4.Teil, S. 266

[31]was die Dschizya ist, wird in Kap. 3 genauer erläutert

[32] die Nestorianer sind eine christliche Gruppierung

[33]arab. Antakya; liegt in der heutigen Türkei

[34] Der Inhalt dieses Kapitels ist im wesentlichen eine Zusammenfassung der Kapitel 1 und 2 aus [Qaradawi1992].

[35] Maulawi sagt in [Maulawi87]: „...Vor die Wahl gestellt zu werden zwischen der Annahme des Islam oder bekämpft zu werden - daß also die Dschizya nicht akzeptiert wird - gilt ausschliesslich für die arabischen Götzendiener, welches die Meinung der meisten Quranexegesen und der großen Mehrheit (arab. Dschumhur) der Rechtsgelehrten ist. Die Weisheit, welche hinter dieser Bestimmung steckt, ist, wie es scheint, der Wunsch des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm), die arabische Halbinsel gänzlich von jeglichen Anzeichen der Götzendienerei zu reinigen, damit diese ein Zentrum für die Ausbreitung der Einladung zum Islam in alle Welt werde. Die Bestimmung, aus der arabischen Halbinsel ausgewiesen zu werden, gilt jedoch nicht allein für die Götzendiener, sondern gilt auch für die Besitzer der Schrift, d.h. die Juden und Christen. Es war einer der letzen Anweisungen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) - als er bereits auf dem Totenbett lag -, daß auf der arabischen Halbinsel nicht zwei Religionen vorhanden sein sollten.

 Trotzdem existiert auch die Meinung unter Gelehrten, daß es nicht absolut verboten ist, daß Nichtmuslime sich in diesem Gebiet aufhalten.

 

Im Kapitel „Einige Hadithe, die vom Kampf handeln, und deren Auslegung“ aus [Maulawi87] ist folgendes zu lesen:

„Buchari und Muslim überlieferten, daß Abu Huraira berichtete, daß der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) gesagt hat:

"Mir wurde befohlen, die Menschen (arab. an-nas) solange zu bekämpfen, bis sie "Es gibt keinen Gott außer Allah" sagen. Wenn sie es gesagt haben, so bewahren sie ihr Leben und ihre Güter vor mir, es sei denn, sie begehen eine nach dem Islam strafbare Handlung; und ihre Rechenschaft ist (letzten Endes) bei Allah."

Mit „Menschen“ sind hier ausschließlich die arabischen Götzendiener gemeint - darüber sind die Gelehrten übereingekommen (arab. idschma'). Der Hinweis darauf, daß hier mit dem Wort „Menschen“ nur einige und nicht alle Menschen gemeint sind, ist, daß von den Besitzern der Schrift (d.h. den Juden und den Christen) die Dschizya angenommen wird, wie es im Quran steht, und daß die Dschizya von Nichtarabern angenommen wird, wie die meisten (arab. dschumhur) Rechtgelehrten übereingekommen sind. Die Überlieferung dieses Hadith von Nasaii bestätigt diese Bedeutung, wo es heißt: "Mir wurde befohlen, die Götzendiener zu bekämpfen, ...". In der arabischen Sprache ist es gebräuchlich, daß man einen allgemeinen Ausdruck gebraucht, obwohl man nur einen Teil der Mitglieder meint. Allah hat gesagt: "Diejenigen, zu denen die Menschen (arab. an-nas) sagten: "Seht, die Menschen (an-nas) haben sich bereits gegen euch geschart; fürchtet sie darum!" - nur stärker wurden sie im Iman..."[3:173]. Diejenigen, die dies sagten, waren mit Sicherheit nur ein Teil der Menschen und nicht alle Menschen, sowie auch diejenigen, die sich versammelten, um die Muslime zu bekämpfen, nur einige Menschen und nicht alle Menschen waren. Es wird sogar in einigen Überlieferungen berichtet, daß diejenigen, die dies sagten, Na'im ibn Masud al-Aschdschai war, und diejenigen, die sich versammelten, Sufyan ibn Harb war.“

 

 

[36] Dies berichteten Abu Dawud und Baihaqi.

[37] Dies berichteten Ahmad und Buchari.

[38] Dies berichteten Tabarani und Baihaqi

[39] Bedürftigenabgabe; 3. Säule des Islam

[40] eine Stadt im heutigen Syrien

[41] Dies berichtete Muslim.

[42]aus: „Al-Kharadsch“ von Abu Yusuf

[43] Siehe auch Kap.4

[44] Dies berichteten Buchari und Muslim

[45] aus: „Al-Kharadsch“ von Abu Yusuf

[46] aus: „Al-Kharadsch“ von Abu Yusuf

[47] Einmal wollte ein osmanischer Sultan Serben zwingen, Muslime zu werden, weil sie viele Probleme bereiteten. Jedoch erhob sich sogleich ein großer Gelehrter, der „Scheich-ul-Islam“, gegen ihn und wies ihn darauf hin, daß er kein Recht dazu hätte.

[48] Es ist genau das Gegenteil von dem, wie die Juden als andersgläubige Minderheit in Europa unter der Herrschaft der Kirche behandelt wurden, wo ihnen der Zugang zu handwerklichen Berufen verwehrt wurde.

[49] Aus [Qaradawi1992]; Qaradawi macht hier keine Quellenangabe.

[50] Hier bedeutet „Dschihad“ der Kampf auf dem Weg Allahs.

[51] Dieses Problem ist ein ähnliches wie das der Weimarer Republik der zwanziger Jahre, wo innerhalb eines kurzen Zeitraums eine Demokratie in Deutschland gegründet wurde, nachdem lange Zeit ein Kaiserreich bestanden hatte. Es war eine "Demokratie ohne Demokraten", welche schließlich vom dritten Reich abgelöst wurde.

[52] Wäre in heutiger Zeit bzw. in naher Zukunft bei allein ca. 1,5 Milliarden Muslimen ein Kalifat vorhanden, so müßte eine geeignete Lösung gefunden werden, da es wohl praktisch gesehen schwierig wäre, wenn sich jeder Bürger im islamischen Staat direkt an den Kalifen wenden würde.

[53] Siehe „Al-Amwal“ von Abu Ubaid und „Futuh al-Buldan“ von Baladhiri.

[54] Grundbesitzsteuer und Handelssteuer müssen auch die Muslime entrichten

[55] Siehe [Maulawi87], Kapitel 5

 

[56] Hier nur zwei geschichtliche Beispiele aus [Maulawi87]:

- In der Zeit, als Amr Ibn al-As Befehlshaber in Ägypten war, belagerten die Muslime Nubien in Ägypten. Sie konnten es jedoch aufgrund der großen Schützenfertigkeit seiner Einwohner nicht einnehmen. Dieser Widerstand dauerte an, bis Abdullah Ibn Abu Sarah Statthalter von Ägypten wurde, welchen die Bewohner Nubiens um einen Frieden und um Aufname von guten Beziehungen baten. Er willigte ein, ohne eine Dschizya zu verlangen. Im Vertrag, der eingegangen wurde, wurde festgelegt, daß die Nubier jährlich 300 Stück Vieh den Muslime abgeben sollten. Als Gegenleistung sollten die Muslime ihnen Lebensmittel im gleichen Wert abgeben. Ibn Lahi'a sagte: "Uthman wie auch die Statthalter und Befehlhaber nach seinem Tod unterschrieben diesen Vertrag und Umar Ibn Abdulaziz bestätigte diesen Vertrag." Dieser Vertrag entsprach einem gegenseitigen Handelsabkommen. Er wurde jedes Jahr offen oder im Geheimen verlängert, als die Geschenke ausgetauscht wurden. Es kam so, daß beide Seiten mehr als das Vereinbarte als Geschenk zu übergeben pflegten. Dieser Vertrag war mehr als 600 Jahre lang gültig. Er wurde erst unter der fatimidischen Herrschaft in Ägypten beendet. Zunächst war der Grund des Vertrages der, daß die Muslime nicht in der Lage waren, Nubien zu erobern. Jedoch zeigt dessen andauernde Verlängerung, obwohl die Muslime längst eine ausreichende Stärke erreicht hatten, um Nubien zu erobern, daß sie einen solchen Vertrag für rechtmäßig hielten, und daß sie die Überzeugung hatten, daß es möglich ist, daß ein Friedensabkommen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zustandekommt, ohne daß dabei unbedingt die Dschizya gefordert werden muß, wenn die Nichtmuslime sich daran halten, nicht die Feinde der Muslime gegen diese zu unterstützen und wenn die Nichtmuslime sich nicht dagegen stellen, wenn zum Islam eingeladen wird.

 

- Zypern befand sich unter der Herrschaft von Byzanz, als Muawiya Ibn Abu Sufyan zur Zeit des Kalifats von Uthman Ibn Affan im Jahre 28 n.H. (648 n.Chr.) die Insel angriff. Die Bewohner Zyperns boten jedoch den Muslimen einen Friedensvertrag an, in dem sie sich verpflichteten, jährlich 7000 Dinar an die Muslime und die gleiche Summe an die Byzantiner zu entrichten. Die Muslime waren damit einverstanden unter der Bedingung, daß ihnen erstens die Bewohner Zyperns die Geheimnisse der Byzantiner mitteilen würden, zweitens, daß die Muslime den Feind von Zypern aus angreifen können und drittens, daß die Bewohner Zyperns weder die Muslime noch die Byzantiner unterstützen würden. Im Jahre 32 n.H. halfen die Bewohner Zyperns jedoch den Byzantinern gegen die Muslime, indem sie den Byzantinern Schiffe gaben, worauf Muawiya im Jahre 33 n.H. (654 n.Chr.) Zypern mit 500 Schiffen angriff und eroberte. Daraufhin ging er mit ihnen erneut einen Friedensvertrag unter den früheren Bedingungen ein. Als Abdulmalik Ibn Saleh Statthalter von Zypern wurde, revoltierten einige der Bewohner Zyperns. Abdulmalik rief daraufhin einige Rechtsgelehrte um Rat an, ob er den Vertrag für ungültig erklären sollte, weil die Bewohner den Vertrag gebrochen hatten. Die meisten Rechtsgelehrten - unter ihnen Imam Malik - rieten, bei dem Vertrag zu bleiben und von einer Bestrafung der Bewohner Zyperns abzusehen...So verblieb Zypern bei seinem alten Vertrag, obwohl es ihn gebrochen hatte, und seine Einwohner wurden nicht zu einem Dhimma-Vertrag mit Zahlung der Dschizya gezwungen...

[57]umfaßt das Gebiet um das heutige Syrien, Jordanien, Palästina und Libanon

[58] siehe [Qaradawi1992]

[59] Der Inhalt dieses Kapitels ist in weiten Teilen eine Zusammenfassung des 3. Kapitels aus [Qaradawi1992].

[60] arab. Madschus

[61] siehe [Qaradawi1992]

[62] Eine solche tolerante Rechtsauffassung wird von keinem der heutigen freiheitlich-demokratischen Staaten im Westen erreicht.

[63] Dieser Wissenschaftstransfer war es, der der heutigen europäisch-amerikanischen Wissenschaft die Grundlagen lieferte. Zur damaligen Zeit war arabisch, die Sprache des Quran, gleichzeitig die Wissenschaftssprache – so etwa, wie es heute die englische Sprache ist. Und so deuten noch einige Begriffe aus den Naturwissenschaften auf diese Blütezeit der Wissenschaften unter islamischer Obhut hin.

Bekannte Beispiele sind die Worte Algorithmus, Algebra und Chemie:

·          „Algorithmus“ leitet sich aus dem Namen des Mathematikers Muhammad Ibn Musa al-Khawarizmi (ca. 790 - 840 n.Chr.) ab. Toomer schreibt in [DictScientificBiogr]: „Das fromme Vorwort zu al-Khawarizmis Algebra zeigt, daß er ein orthodoxer Muslim war.“ Weitere Informationen gibt es z.B. im Internet unter der Adresse http://www-history.mcs.st-andrews.ac.uk/history/Mathematicians/Al’Khawarizmi.html.

·          „Algebra“ ist von einem Teil des Titels von al-Khawarizmis Buch „Hisab al-gabr wal muqabala“ abgeleitet.

·          „Chemie“ kommt vom arabischen Wort „al-kimya“.

[64] Im schiitischen Islam haben die Gelehrten bzw. Ayatollahs einiges an Macht gegenüber dem Volk. Diesen kirchenähnlichen Zug der schiitischen Richtung sehen die Sunniten jedoch als klare Abweichung von der wahren, ursprünglichen Form des Islam an. Siehe hierzu auch das entsprechende Kapitel in [MuradHoffmann].

[65] arab. „Al-Hady an-Nabawi“

[66] siehe Kap. 1.1

[67]d.h. derjenigen Folgegeneration, die zwar nicht mehr den Propheten, aber noch die Prophetengefährten miterlebt hat.

[68] siehe Kap.3.1

[69] Diese Begebenheit wurde von Abu Dawud und Tirmidhi berichtet.

[70]Die Tabi'un sind diejenigen, die zwar den Propheten nicht mehr gesehen haben, aber dafür seine Gefährten noch miterlebt haben.

[71] das Almosen, das man am Ende des Ramadan vor dem Festgebet abgibt

[72]d.h. Richter

[73]einer der bedeutendsten malikitischen Gelehrten und Richter von Bagdad, gest. 282 n.H.

[74] arab. tabarruhum, das dazugehörige Substantiv ist birr.

[75]arab. birr

[76] Ein Gelehrter der Grundlagen des islamischen Rechtes (arab. Usul al-fiqh)

[77] arab. birr

[78] Dies berichtete Ahmad.

[79] Qaradawi macht diese Quellenangabe in [Qaradawi92].

[80]Bericht eines deutschen Beobachters im Radiosender Deutschlandfunk

[81] Näheres hierzu siehe: Hussein Triki, „Das ist Palästina“ (deutsche Übersetzung), Verlag: Dar Al-Ma’mun, S. 155ff. Hier ein Ausschnitt: „...Das abscheulichste Beispiel dieser verbrecherischen Aktionen, die von zionistischen Terrorbanden im Schutz des britischen Mandats systematisch organisiert wurden, ist das Massaker, das die Zionisten eiskalt in Deir Yassine anrichteten...Dieses Blutbad hat 250 Arabern das Leben gekostet: Erwürgte Greise und Kinder, aufgeschlitzte schwangere Frauen, die nach vollbrachter Tat in einen Brunnen geworfen wurden...worauf der Rest der Dorfbevölkerung wie Tiere verladen bei einer Einschüchterungsdemonstration durch die Straßen Jerusalems ziehen mußte. Zweck dieser Demonstration war es, die friedlichen arabischen Einwohner in Panik zu versetzen und sie zu zwingen, ihr  Land zu verlassen...“

Menachem Begin schrieb hierüber: „Die verschreckten Araber begannen, in alle Himmelsrichtungen zu fliehen. Die Aktion in Deir Yassine und die dort verübten Greueltaten öffneten den Weg für unsere militärischen Erfolge.“ (siehe Triki, „Das ist Palästina“, S. 158)

[82] Konkrete Beispiele hierfür werden später in den Abschnitten über die Muslime auf den Philippinen, in Gabun und vorallem im Abschnitt über die Muslime in China aufgeführt.

[83] Der Autor dieses Artikels, Zohra S. Mohammad, ist ein islamischer Wissenschaftler aus Pakistan

[84]Unkenntnis über den Islam. Das arab. Wort „Dschahl“ heißt Unwissenheit.

[85]Das arabische Wort „Islam“ bedeutet "Friedenmachen", und zwar mit Gott, sich selbst, seinen Mitmenschen und der Schöpfung Gottes.

[86] engl.: Trade routs were not the object of globe.

[87] engl. petant

[88]Das Bevölkerungswachstum auf den Philippinen betrug in den achtziger Jahren etwa 1 Mio. pro Jahr

[89]"1983 World Population Data Sheet of the Population Reference Bureau, Inc.", Washington, D.C.

[90]der folgende Teil ist eine wörtl. Übersetzung aus dem Artikel, der ansonsten zusammengefaßt ist

[91]die Al-Azhar in Ägypten ist in der nahen Vergangenheit die größte religiös-wissenschaftliche Autorität der sunnitischen Muslime gewesen.

[92]ein Hadschi ist jemand, der bereits die Pilgerfahrt nach Mekka, die Hadsch, vollzogen hat.

[93] Genau die gleiche Taktik wird in unseren Tagen in Jerusalem verfolgt, um den Anteil der Muslime in der Stadt zu dezimieren.

[94]Muslime, die im islamischen Sinne einen Verteidigungskrieg früheren.

[95] in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; diese Epoche ist am Ende diese Unterkapitels kurz beschrieben.

[96] „Der grosse Reader‘s Digest Weltatlas“, Verlag Das Beste GmbH, Stuttgart, Zürich, Wien; 4. Auflage, 1966

[97] siehe [Aubin91], p.339

[98]heute auch Kashi genannt

[99]wörtl. seine vordersten Pferde

[100]damit sind die Regionen am Mittelmeer gemeint, denn nur dort wachsen Olivenbäume.

[101] „rote Kamele“ steht als Symbol für „etwas sehr Wertvolles“

[102] Dies berichtete Muslim

[103] 2. Abbasidischer Kalif, Regierungszeit 137-158 n.H.

[104]Dschghtai war der zweite Sohn von Dschingis Khan und wurde über Ostturkestan eingesetzt. Seine Nachfolge bei seinem eigenen Stamm, den Uguren, war jedoch seinem Sohn Awghtai beschieden.

[105] Der Inhalt dieses Unterkapitels ist aus dem entsprechenden Kapitel über Gabun aus [Schakir3] entnommen.

 

[106]Muslimische Weltgemeinschaft

[107]Auf einer amerikanischen Internetseite ist zwar angegeben, daß der 1993 gewählte Präsident El-Hadsch Omar BONGO heißt. Bezüglich der Religionszugehörigkeit der Bevölkerung Gabuns steht jedoch:

55-75% Christen, weniger als 1 % Muslime, Animisten

[108] Nur dann, wenn er sich nicht von seinem Umfeld isoliert, kann er den in Kap. 1 erläuterten Grundprinzipien des Verhältnisses zwischen Muslimen und Nichtmuslimen – dem friedlichen Zusammenleben und gegenseitigen Kennenlernen einerseits und der Übermittlung der Botschaft des Islam andererseits – nachkommen. Denn einerseits ist oft die Unkenntnis eines anderen der Grund für eine gewisse Furcht und somit einer Feindschaft; andererseits kann ein Muslim die Botschaft des Islam nur dann seinem Umfeld mitteilen, wenn er mit ihm Kontakt hat.

[109] was die Ahlul-kitab sind, wird in Kap.1 erläutert.

[110] Der Ausdruck Muschrik (Polytheist bzw. Götzendiener) bezeichnet in diesem Zusammenhang einen Menschen mit folgendem Bekenntnis:

1. Er erkennt Gott als Schöpfer an

2. Er betet neben Gott noch etwas anderes an, z.B. Götzen aus Stein

3. Er gründet seinen Glauben nicht auf ein Buch, welches in seiner ursprünglichen, unverfälschten Fassung von Gott geoffenbart wurde.

[111] Prof. Dr. Az-Zuhaili, Direktor der Abteilung für islamisches Recht und seine Rechtschulen an der Universität Damaskus; Az-Zuhaili ist sowohl Rechtsgelehrter (fiqh-Gelehrter) als auch Qurankommentator.

[112] Sure 60, Vers 10

[113] was die Ahlul-kitab sind, wird in Kap.1 erläutert

[114] siehe [Az-Zuhaili], Band 28, S.144-145

[115] arab. haram

[116] Scharia bedeutet das Gesetz Gottes, welches sich sowohl auf den privaten wie auch den öffentlichen, staatlichen Bereich bezieht.

[116] Was die Ahlul-kitab sind, wird in Kap.1 erläutert.

[117] Abdulqadir ‘Auda sagt bezüglich der genauen Definition der Abtrünnigkeit: "Die Abtrünnigkeit bezieht sich nur auf einen Muslim". D.h. also, daß z.B. ein Christ, der Jude wird, nicht als Abtrünniger (arab. murtadd) im Sinne des islamischen Rechts bezeichnet wird.

[118] Was die Ahlul-kitab sind, wird in Kap.1 erläutert.

[119] Wenn eine Frau vor Gott bereut, daß sie in der Vergangenheit Unzucht begangen hat, so erfüllt sie damit die Keuschheitsbedingung, wie Qaradawi sagt. Qaradawi sagt: „Denn derjenige, der bereut, ist wie der, der keine Sünde begangen hat.“ (aus: „Asch-Scharia wal-Hayat“ („Die Scharia und das Leben“), Frühjahr 1998; „Asch-Scharia wal-Hayat“ ist eine wöchentliche Liveübertragung des Satellitenkanals „Al-Dschazira“ aus Qatar, in der islamische Gelehrte über ein bestimmtes Thema sprechen und dann für Fragen zur Verfügung stehen).

Hierzu sollte noch folgendes angemerkt werden: Eine aufrichtige Reue (arab. tauba) im Sinne des Islam beinhaltet folgende Punkte:

1.       Man hört auf, die Sünde zu begehen

2.       Man bereut die Sünde vor Gott. D.h. es tut einem aufrichtig leid, daß man so gehandelt hat.

3.       Man nimmt sich vor, es in der Zukunft nicht mehr zu tun und tut es auch wirklich nicht mehr.

4.       Wenn die Sünde nicht nur zwischen dem Menschen und Gott ist, sondern dabei einem anderen Menschen Unrecht getan wurde, wie z.B: bei Diebstahl, so muß man dem Betreffenden das Unrecht wieder gut machen. Im Falle des Diebstahls müßte man ihm das gestohlene Gut zurückerstatten.

Im Fall von Unzucht liegt jedoch die Sünde nur zwischen Gott und der Person, die Unzucht begangen hat, und es sind nur die Punkte 1. bis 3. nötig. Wenn eine solche Frau bereut hat und nun einen Muslim heiraten will, muß außerdem eine bestimmte Zeit verstrichen sein seit Betreiben der Unzucht, damit sichergestellt ist, daß sie nicht aus diesem unehelichen Verkehr schwanger ist.

[120] Die Ahlu-Dhimma sind die Nichtmuslime in einem islamischen Staat, welche mit den Muslimen einen Schutzvertrag haben. Was genau die Ahlu-Dhimma sind, wird ausführlich in Kap. 3.1 erläutert.

[121] arab. fitna. Hier hat das Wort fitna eine etwas andere Bedeutung als in Kap.2.

[122] 32. Hadith von den 40 Nawawi-Hadithen.

[123] arab. sahih

[124] siehe: [Qaradawi87], S.462-476

[125]siehe [Az-Zuhaili]

[126]Tirmidhi; entnommen aus: „Talbis Iblis“ (Die Methoden des Teufels) von Ibn al-Dschauziyy

[127]Damit ist gemeint, daß das Vollbringen einer pflichtmäßigen Tat vorzüglicher ist als das einer freiwilligen Tat.

[128]Dies berichtete Buchari; Hadith Nr.38 von den 40 Nawawi-Hadithen

[129]Dies berichtete Tirmidhi.

[130]Dies berichtete Ibn Madscha.

[131]Dies berichtete Muslim.

[132]Dies berichteten Buchari und Muslim.

[133] Dies berichtete Buchari.

[134] Alle Muslime sind Geschwister. Der Einfachheit halber wurde nicht von „Brüderlichkeit“, „Schwesterlichkeit“ und „Geschwisterlichkeit“ gesprochen, sondern nur der Ausdruck „Brüderlichkeit“ benutzt. Der Leser bzw. die Leserin möge sich jedoch immer die umfassendere Bedeutung vor Augen halten.

[135] Dies berichteten Buchari und Tirmidhi.

[136] Siehe [Maulawi87], Kap.7



@ Ekrem Yolcu