DAS KLONEN II

Diese Abhandlung beruht auf einer Übersetzung aus dem Arabischen. Der Originaltext des Buches lautet: "Al Hukm as-Sarci fi...", "Der islamische Rechtsspruch betreffend..." von Schaich abdul Qadim, anerkannter Rechtsgelehrter und Verfasser zahlreicher bedeutender Werke über das politische, soziale und wirtschaftliche System im Islam.

Als Zeitschrift, die bemüht ist, den Islam als umfassende Lebensordnung den Lesern zu präsentieren, haben wir die Verpflichtung, am Puls der menschlichen Entwicklung zu stehen und auf alle aktuellen Fragen, die die Menschheit heute beschäftigen, die islamische Antwort zu finden. Zu diesen aktuellen Fragen gehört auch die Problematik des Klonens, das bereits bei Tieren erfolgreich durchgeführt wurde und in absehbarer Zukunft eventuell auch am Menschen vollzogen werden kann. Nachdem wir im letzten Heft den Vorgang des Klonens erklärt und den Rechtsspruch des Klonens von Pflanzen und Tieren dargestellt haben, wollen wir uns im zweiten Teil der Problematik des Klonens von Menschen widmen und das diesbezügliche islamische Gesetz aufzeigen.

Im Zuge des embryonalen Klonens kann die befruchtete Keimzelle, die durch die Verschmelzung der männlichen Samen- und weiblichen Eizelle der beiden Ehepartner zustande kommt, auf zweierlei Art für den Prozeß herangezogen werden: So ist es möglich, die befruchtete Eizelle in mehrere teilungsfähige Keimzellen aufzuspalten, sie voneinander zu trennen und sie in die Gebärmutter einer oder mehrerer fremder Frauen einzupflanzen. Es können sich dadurch eine Vielzahl einander in jeder Hinsicht gleichender Embryos im Körper verschiedener Frauen entwickeln. Dieser Vorgang ist haram (verboten), denn er führt zur Vermischung und zur Unkenntnis der Abstammungsverhältnisse, was der Islam untersagt. Ebenso ist es die geklonte Keimzelle einer Ehefrau in die Gebärmutter einer anderen Ehefrau desselben Mannes einzubetten, da es zur Verwirrung der mütterlichen Abstammungsverhältnisse führt.

In beiden Vorgängen kann nämlich die natürliche Mutter nicht eindeutig festgelegt werden: Ist es die "biologische" Mutter, von der die Eizelle stammt, oder ist es jene Frau, die das Embryo bis zur Geburt ausgetragen hat?

Dies hat dann auch die Verwirrung der Verwandschaftsverhältnisse und somit auch der Erbverhältnisse zur Folge. Ein Zustand, den der Islam, der auf verwandschaftliche Bindungen und den daraus erwachsenden Verpflichtungen großen Wert legt, nicht duldet.

"Und Blutsverwandte sind einander näher als die (übrigen) Gläubigen und Auswanderer, gemäß dem Buche Allahs" (al-Ahzab (33) Aya: , 6)

"Allah hat keinem Mann zwei Herzen in seinem Inneren gegeben, noch hat Er jene unter euren Frauen, von denen ihr euch scheidet mit der Formel, sie seien euch verwehrt wie der Rücken eurer Mütter, zu euren (wirklichen) Müttern gemacht, noch hat Er eure adoptierten Söhne zu euren (wirklichen) Söhnen gemacht. Dies ist (nur) Gerede aus euren Mündern, Allah jedoch spricht die Wahrheit und Er zeigt euch den Weg." (al-Ahzab (33) Aya: 4

Sollte nun aber eine oder mehrere dieser Keimzellen in die Gebärmutter jener Ehefrau eingepflanzt werden, der sie ursprünglich über den Prozeß des Klonens entnommen wurden, so ist dies islamrechtlich zulässig (halal) da es die Vermehrung des in ihrem Mutterleib befindlichen, durch natürliche Befruchtung entstandenen eigenen Embryos und somit die Zeugung ihrer eigenen Kinder bedeutet.

Dies ist der islamische Rechtsspruch das embryonale Klonen betreffend.

Das Klonen erwachsener Menschen ist bis heute zwar nicht erfolgt, Wissenschaftler sagen jedoch, daß das Klonen von Tieren die Vorstufe zum Klonen des Menschen darstellt.

In den Prozeß menschlichen Klonens können einerseits ein Mann und eine Frau eingebunden werden, indem man dem Körper des Mannes eine Zelle entnimmt, deren Zellkern in eine weibliche Keimzelle einpflanzt, nachdem letztere ihres Zellkerns entledigt wurde. Anschließend wird die Keimzelle mit dem sich in ihr befindlichen fremden Zellkern in die Gebärmutter einer Frau eingesetzt, um sich dort zu vermehren und zum Fötus zu entwickeln. Von nun an nimmt die Schwangerschaft bis zur Geburt ihren normalen Verlauf, wobei das Kind genetisch mit jenem Mann identisch ist, dem der Zellkern ursprünglich entnommen wurde.

Andererseits kann das Klonen allein zwischen Frauen - unter Ausschluß der männlichen Komponente - erfolgen, indem dem weiblichen Körper eine Zelle entnommen und deren Kern einer weiblichen Keimzelle eingepflanzt wird, die nun den zuvor beschriebenen Prozeß durchläuft. Das Ergebnis ist ein Kind, das der Veranlagung und dem Aussehen nach vollkommene Gleichheit mit jener Frau hat, deren Zellkern verwendet wurde. Eben dies geschah mit dem weiblichen Schaf "Dolly", dessen Brust ein Zellkern entnommen, seiner brust-spezifischen Faktoren entledigt und in die Eizelle eines anderen Schafes eingesetzt wurde, nachdem aus jener Eizelle zuvor ihr eigener Nukleus entfernt worden war. Die Eizelle wurde anschließend in die Gebärmutter eines Schafes eingepflanzt, wo sich in Folge der Zellteilung ein Embryo entwickelte. Das geborene Lamm "Dolly" war genetisch identisch mit jenem Schaf, aus dessen Brust zu Beginn des Vorganges ein Zellkern entnommen worden war.

Diese Form des Klonens von Männern oder Frauen, ganz gleich, ob damit die Verbesserung der Nachkommenschaft zur Zeugung klügerer, stärkerer, mutigerer, gesünderer und schönerer Nachkommen oder aber die Vermehrung des Nachwuchses und ein steigendes Bevölkerungswachstum zur Stärkung des Staates beabsichtigt wird - diese Form des Klonens, sofern sie Anwendung finden sollte, wird in der Welt großes Unglück verursachen und eine Quelle des Unheils sein. Sie ist verboten (haram) und dies aus folgenden Gründen:

1. Beim Klonen ist das Verwandschaftsverhältnis zwischen Original und geklonter Kopie nicht bestimmbar. So ist das Original biologisch gesehen weder der Vater, noch die Mutter, noch der Bruder seines genetischen "Ablegers".

2. Die Zeugung der "Kinder" ist nicht auf jene natürliche Weise erfolgt, die Allah dem Wesen des Menschen eigen gemacht hat. So sagt Allah (an-Nagm (53), Aya: 45)

"Und daß er die Paare als männliche und weibliche Wesen erschaffen hat." An anderer Stelle lesen wir im Qur'an (al-Qiyama (75) Aya: 37-39):

"War er (der Mensch) nicht ein Erguß ausgestoßenen Samens? Hierauf wurde er ein Embryo. Dann schuf und vervollkommnete Er ihn (in menschlicher Gestalt). Alsdann schuf Er aus ihm ein Paar, den Mann und die Frau."

3. Sofern in den Vorgang des Klonens ausschließlich Frauen eingebunden sind, haben die Kinder keine Väter. Kinder die entstehen, indem die mit einem fremden Zellkern ausgestattete Eizelle in die Gebärmutter einer Frau eingepflanzt wird, der jene Eizelle nicht ursprünglich entnommen wurde, haben auch keine Mutter. Denn die Frau, in deren Gebärmutter der Fötus heranwächst, ist nichts weiter als ein "Gefäß" bzw. ein "Behälter". Der so entstehende Mensch hat also weder Vater noch Mutter, und dies steht im Widerspruch zur Aussage Allahs:

"O ihr Menschen, wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen" (al-Hugurat (49) , Aya: 13) und

"Nennt sie (eure Adoptivsöhne) nach ihren Vätern. Dies ist gerechter vor Allah." (al-Ahzab (33), Aya: 5

4. Der Verlust der Abstammungskenntnis, während der Islam die Bewahrung und den Schutz derselben angeordnet hat. So wird von Ibn Abbas überliefert, daß Prophet sagte: "Wer seine Herkunft auf jemand anderen als seinen Vater zurückführt ... auf dem lastet der Fluch Allahs, der Engel und der gesamten Menschheit." (überliefert bei Ibn Maga) ABu Uthman an-Nahri berichtet: Ich hörte sowohl Saad als auch Abu Bakr sagen: "Meine Ohren hörten und mein Herz verstand Muhammed (as) sagen. Ebenso hörte Abu Huraira den Propheten (s) sagen, als der Vers des Verfluchungsschwurs offenbart wurde: "Jedwede Frau, die einer Sippschaft Nachkommen zusetzt, die nicht von ihr sind, gehört keinesfalls zur Gemeinschaft Allahs. Und Allah wird sie nicht ins Paradies einkehren lassen. Jedweder Mann, der sein Kind leugnet, während er es anblickt, dem wird Allah verborgen bleiben! Er wird ihn vor Augen der ersten und letzten (Menschen) entblößen." (überlierfert bei ad-Darimi).

Das Klonen zur Erzeugung von geistig, physisch und gesundheitlich überlegenen Menschen erfordert die Auswahl von Männern und Frauen, welche die entsprechenden Eigenschaften in sich tragen, ganz gleich ob sie nun mit einander verheiratet sind oder nicht. So werden die Zellkerne den Zellen jenes Mannes entnommen, der die gewünschten Eigenschaften in sich birgt, in die Keimzellen ausgewählter Frauen eingepflanzt, die schließlich in die Gebärmütter von Frauen eingesetzt werden, die auch wieder nach bestimmten Kriterien ausgesucht werden. In dieser Weise kommt es zur Verwirrung der Verwandschaftsverhältnisse und zum Verlust der Abstammungskenntnis.

5. Die Erzeugung von Kindern auf dem Wege des Klonens macht es unmöglich, eine ganze Reihe islamischer Gesetze zur Anwendung zu bringen, wie z. B. die Gesetze der Heirat, der Abstammung, der Fürsorge, der Eltern- und Kindschaft, der Erbschaft, der Kinderpflege, der die Ehe ausschließenden Verwandtschaftsverhältnisse (Mahram) der Verwandschaft an sich u.a.m. Es ist darüber hinaus ein Prozeß, der im Widerspruch zum natürlichen, von Allah bestimmten Vorgang der Zeugung steht - ein unheilbringender Prozeß, der die Gesellschaft unterhöhlt

Daher ist der Vorgang des menschlichen Klonens durch das islamische Recht verboten (haram) und darf nicht angewendet werden. Allah sagt im Qur'an durch Iblis, den verfluchten Teufel:

"Und ich werde ihnen befehlen, und sie werden Allahs Schöpfung verändern." (an-Nisa' (4) Aya: 119)

Der Begriff "Schöpfung" bezeichnet die natürliche Veranlagung, die Allah dem Menschen eingegeben hat. Diese liegt im Falle der Zeugung in der Befruchtung der weiblichen Keimzelle durch die männliche Samenzelle. Das Gesetz Allahs besagt, daß diese Befruchtung von einem Mann und einer Frau ausgehen muß, die durch einen gültigen Ehevertrag miteinander verbunden sind. Es entspricht jedoch nicht der natürlichen Veranlagung des Menschen, daß die Zeugung und Vermehrung auf dem Wege des Klonens erfolgt, ganz abgesehen davon, daß bei diesem Prozeß Männer und Frauen eingebunden sind, die nicht einmal miteinander verheiratet sind.

Zusammenfassend halten wir nocheinmal fest, daß das Klonen von Tieren und Pflanzen, wie im ersten Teil erläutert, islamisch zulässig ist, da es der Artverbesserung, der Produktionssteigerung bzw. der Erzeugung von Medikamenten dient.

Das Klonen von Menschen jedoch, das in naher Zukunft Realität werden könnte, ist im Islam verboten, da es zu unklaren Verwandschaftsverhältnissen und Verwirrung der Familienbande führt.

"O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist!" (al-Hugurat (49), Aya: 13)

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