Der islamische Rechtsspruch

Das Klonen I

Klonen bezeichnet die Erstellung einer in jeder Hinsicht dem Original entsprechenden Kopie einer Lebensform, sei diese nun pflanzlich, tierisch oder menschlich .

Das Klonen des Menschen bedeutet das Hervorbringen einer Person, die äußerlich und genetisch in jeder Beziehung einem bereits existierenden Menschen gleicht. Dies erfolgt, indem einem Menschen eine Körperzelle entnommen wird, aus dieser der Nukleus (Zellkern) isoliert und in eine weibliche Eizelle eingesetzt wird, nachdem man den eizelleneigenen Nukleus entfernt hat. Dies geschieht in einer der künstlichen Befruchtung ähnlichen Operation, in welcher der Zellkern, der dem Körper der ursprünglichen Person entnommen wurde, mittels spezieller chemischer Stoffe unter bestimmter elektrischer Spannung in die Eizelle eingepflanzt wird. Nach Einfügung des fremden Kerns wird die so veränderte Eizelle in die Gebärmutter einer Frau eingesetzt, um dort im Zuge der Zellteilung zu einem voll ausgereiften Embryo heranzuwachsen. Das Kind, das auf natürliche Weise geboren wird, bildet eine exakte Kopie jener Person, der ursprünglich die Körperzelle entnommen und deren isolierter Kern in die Eizelle der Frau eingepflanzt wurde.

Der Prozeß der Befruchtung im Zuge menschlichen Klonens findet nicht etwa zwischen den Geschlechtszellen des Menschen statt, sondern wird aus anderen Körperzellen eingeleitet. Im Körper des Menschen befinden sich Milliarden von Zellen. Jede dieser Zellen trägt 46 Chromosomen in sich (das Erbmaterial, das alle vererbbaren Merkmale der Person beinhaltet), mit Ausnahme der Geschlechtszellen, die sich in den Hoden des Mannes und den Eierstöcken der Frau befinden. Jede dieser Geschlechtszellen - beim Mann wie bei der Frau - beinhaltet lediglich 23 Chromosomen, also genau die Hälfte der Chromosomenzahl der Körperzellen.

Bei der natürlichen Befruchtung treffen die männliche Samenzelle, die 23 Chromosomen in sich trägt, mit der weiblichen Eizelle zusammen, in der sich ebenso 23 Chromosomen befinden. Im Zuge der Verschmelzung von Samen- und Eizelle kommen nun 46 Chromosomen in der Keimzelle zusammen, wobei die eine Hälfte vom Mann, die andere von der Frau stammt. Auf diese Weise erhält der aus der natürlichen Befruchtung hervorgehende Mensch sowohl Eigenschaften des Mannes als auch der Frau.

Beim Prozeß des Klonens hingegen wird dem menschlichen Körper eine Zelle mit 46 Chromosomen, also dem gesamten Erbmaterial, entnommen. So trägt das dem Prozeß des Klonens entspringende Kind ausschließlich die Merkmale jener Person in sich, deren Zellkern verwendet wurde. Folglich ist der entstehende Mensch eine exakte Kopie dieser Person, gleich der mit einem Farbkopiergerät erstellten Kopie einer Seite, wobei die Kopie in jeder Hinsicht mit dem Original übereinstimmt.

Der Prozeß der natürlichen Befruchtung kann nur erfolgen, wenn die Geschlechtszellen eines männlichen und weiblichen Wesens aufeinandertreffen.

Der Vorgang des Klonens kann jedoch mit, als auch ohne männlicher Teilnahme erfolgen. Darüber hinaus kommt es zur Verwendung der Körper- und nicht der Geschlechtszellen. So kann zB - im Falle einer Vernachlässigung des Mannes - der Frau eine Körperzelle entnommen und deren Kern, der 46 Chromosomen, also das gesamte Erbmaterial in sich trägt, isoliert werden. Der isolierte Zellkern wird nun einer weiblichen Eizelle eingesetzt, die zuvor ihres eigenen Nukleus entledigt wurde. Die in dieser Weise behandelte Eizelle wird in die Gebärmutter einer Frau eingebettet, wo sich im Zuge der Zellteilung und -vermehrung das Embryo und in Folge der Fötus entwickelt. Das geborene Kind ist eine exakte Kopie jener Frau, deren Zellkern eingesetzt wurde, wobei der gesamte Prozeß des Klonens, in all seinen Stadien, unter Vernachlässigung des Mannes durchgeführt wurde.

Die Weitergabe des Erbmaterials erfolgt bei der natürlichen Befruchtung von väterlicher wie auch von mütterlicher Seite. Daher stimmen Aussehen und geerbte Eigenschaften der Kinder auch nicht in jeder Hinsicht mit jenen der Eltern und Geschwister überein. Die Ähnlichkeiten zwischen ihnen sind unterschiedlicher Art, was Größe, Knochenbau, Hautfarbe, sowie angeborene geistige Fähigkeiten und psychische Eigenheiten angeht.

Die durch das Klonen verursachte Vererbung bedeutet jedoch die Weitergabe aller genetischer Eigenschaften des Menschen, dem die Zelle entnommen wurde. Das entstehende Kind ist somit eine Kopie dieser Person, in Größe, Knochenbau, Hautfarbe sowie in angeborenen geistigen und psychischen Eigenheiten. Erworbene Eigenschaften werden jedoch nicht vererbt. Wenn also einem fähigen Gelehrten, einem großen MuGtahid oder genialem Arzt die für den Prozeß des Klonens notwendige Körperzelle entnommen wird, so bedeutet dies nicht, daß das geklonte Kind diese Eigenschaften übernimmt, da es sich um erworbene, nicht aber angeborene Eigenschaften handelt.

Die Entdeckung des Klonens führte zur Erkenntnis eines jener Gesetze, die Allah den Körperzellen von Mensch und Tier eingegeben hat. Denn es hat sich gezeigt, daß jede dieser Zellen zur Zeugung von Nachkommenschaft herangezogen werden kann, sofern ihr Kern isoliert und einer weiblichen Eizelle, deren Zellkern zuvor entfernt wurde, eingesetzt wird. Ähnlich der Befruchtung der Eizelle durch die männliche Samenzelle, mit den angeführten Unterschieden.

Dies ist die Realität menschlichen Klonens. Darüber hinaus gibt es eine weitere Art des Klonens: Das embryonale Klonen. Es bedeutet die Hervorbringung einer menschlichen Kopie des sich im Mutterleib befindlichen Embryos. Auf diese Weise kann der Mensch die Vermehrung seiner Kinder in der embryonalen Phase herbeiführen. So kann im Anfangsstadium des sich entwickelnden Embryos auf medizinischem Wege eine ein- bzw. mehrmalige Zellteilung ausgelöst werden. Dies führt in der Folge zur Geburt von Zwillingen, die genetisch jenem Embryo gleichen, das ursprünglich für den Prozeß des Klonens herangezogen wurde.

Das Klonen wurde sowohl an Pflanzen, als auch vor einigen Monaten an Tieren durchgeführt, nicht jedoch am Menschen. Wie lautet nun der Rechtsspruch der Šarìca in dieser Angelegenheit?

Das Ziel des Klonens bei Pflanzen und Tieren ist die Verbesserung der Qualität, die Steigerung der Produktivität sowie die Behandlung zahlreicher, vor allem schwer heilbarer, menschlicher Krankheiten, als Alternative zum Einsatz chemischer Heilmittel, die schädliche Nebenwirkungen auf die Gesundheit des Menschen haben können.

Die Verbesserung der Qualität von Pflanzen und Tieren und die Steigerung ihrer Produktivität ist vom Standpunkt der Šarìca aus nicht verboten, sondern fällt in den Bereich des Mubâh, des Erlaubten. Ebenso ist das Klonen von Pflanzen und Tieren für die Gewinnung von Medikamenten zur Behandlung menschlicher Krankheiten eine vom Islam erlaubte, ja sogar empfohlene Angelegenheit. Denn medikamentöse Behandlung an sich ist mandúb (empfohlen), somit ist die Herstellung des Medikaments selbst ebenso mandúb. Ahmad ibn Hanbal überliefert von Anas, der Prophet Allahs (s) habe gesagt: "Wo immer Allah eine Krankheit erschaffen hat, hat er auch das Medikament (dazu) erschaffen, so verwendet es." Abú Dawúd und Ibn MâGa überliefern von Usâma ibn Šarìk: "Ich war beim Propheten (s), als Wüstenaraber vorbeikamen und fragten: 'O Gesandter Allahs: Sollen wir Medikamente zur Heilung verwenden?' Er sagte: 'Ja, Diener Allahs, nehmt Medikamente ein, denn Allah hat keine Krankheit erschaffen ohne auch Ihre Heilung ermöglicht zu haben'..."

Daher ist der Einsatz des Klonens zur Verbesserung der Qualität von Pflanzen und zur Steigerung ihrer Produktivität gestattet. Ebenso ist die Steigerung der Produktivität und die qualitative Verbesserung der Zucht von Rindern, Schafen, Kamelen, Pferden und anderen Tieren sowie ihre Nutzbarmachung für viele, v.a. schwer heilbare Krankheiten des Menschen durch Klonen erlaubt.

So lautet der Rechtsspruch des Klonens von Pflanzen und Tieren.

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